Logistik-Immobilien

Großes Potenzial trifft auf großen Durst nach Energie

Die Automatisierung der Prozesse ist auch in der Logistikbranche eines der großen Zukunftsthemen. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass im Bereich der Intralogistik stetig neue automatische Systeme zur Koordination des Warenflusses entworfen und bestehende weiterentwickelt werden. Ein Gastbeitrag von Andreas Fleischer, Business Unit Director Northern Europe bei Segro.

Fotos: Segro
Fotos: Segro

Diese Innovationsschübe bei Hardware und Software gibt es bei automatischen Hochregallagern genauso wie bei neuartigen, skalierbaren Kommissioniersystemen, die in immer höheren Stückzahlen eingesetzt werden. Beispielsweise betreibt der Online-Riese Amazon mit seiner Tochtergesellschaft Amazon Robotics (früher: Kiva) weltweit inzwischen mehr als 100.000 seiner selbstfahrenden Roboter. Zum Vergleich: Anfang des Jahres 2016 waren es erst 30.000 Einheiten. Und das ist bei Weitem nicht das einzige System: Ein ähnliches Produkt bietet zum Beispiel die Firma SwissLog mit dem „CarryPick“ an. Im Unterschied zum hausinternen Amazon-System ist letzteres auf dem freien Markt erhältlich und wird inzwischen auch hierzulande eingesetzt.

Andreas Fleischer, Segro
„Immobilienentwickler müssen Ideen entwickeln, wie ihre Objekte flexibel und marktgängig bleiben.“ Andreas Fleischer, Segro

Verglichen mit seinem menschlichen Pendant kann ein Kommissionierroboter deutlich effizienter agieren. Während ein geübter Arbeiter etwa 200 bis 250 Picks je Stunde schafft, liegt der theoretisch erreichbare Wert durch die Nutzung von CarryPick & Co. deutlich im vierstelligen Bereich. Die Umrüstung auf digitale Kommissioniertechnologien ermöglicht enorme Effizienzsteigerungen. Das gilt ebenso für die Flächennutzung. Mit einer bei diesem System nötigen Deckenhöhe von lediglich drei Metern kann bei gleichbleibender Hallenhöhe mehr Nutzfläche entstehen.

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Automatisierungsgrad in Logistikimmobilien steigt zunehmend

Gleichzeitig erhöht die Automatisierung die Flächenanforderungen dieser Immobilien enorm. Das ist besonders deshalb der Fall, weil der aktuelle Trend auf eine Kombination verschiedener Systeme weist. Vollautomatische Hochregallager mit 30 oder 40 Meter Gesamthöhe müssen beispielsweise mit einer mehrgeschossigen Halle für ein skalierbares System wie CarryPick zusammen eingesetzt werden können. Mit höherem Automatisierungsgrad werden zudem weitere Prozesse wie Scan-Vorgänge zwischengeschaltet.

Der Automatisierungsgrad in den Immobilien steigt nach und nach. Zurzeit ist oftmals eine Kombination aus automatischen Systemen und menschlichen Mitarbeitern das bevorzugte Nutzungskonzept. Für teilautomatisierte Immobilien gibt es beeindruckende Beispiele aus dem asiatischen Raum. Bei diesen ist wichtig, wie gut die Systeme mit den menschlichen Arbeitskräften interagieren. Den Mitarbeitern wird bei steigender Automatisierung weniger Wegstrecke und körperliche Arbeit abgefordert. Stattdessen übernehmen sie die Prozess-überwachung und -optimierung und reagieren auf Störungen. Ein Arbeiter muss sich so in der Immobilie bewegen und einzelne Picks manuell vornehmen können, dass die restlichen automatischen Vorgänge nicht behindert werden.

Automatisierung beschäftigt Politik

Logistikimmobilie
Die Logistikimmobilie in Tilburg ist vollständig mit Solarpaneelen ausgestattet und produziert eigenständig Energie.

Die Einflüsse des Automatisierungsgrads auf die Jobsituation ist auch ein politisches Thema – während die Kommunen tenden-ziell einen Rückgang der Beschäftigungszahlen befürchten, ist die Robotisierung für Logistikunternehmen eine Antwort auf den Arbeitskräftemangel. Aktuell deutet alles darauf hin, dass die Automatisierung weiter zunehmen wird. Die Digitalisierung der Intralogistik wirkt sich stark auf die Gebäudekonfiguration aus, auch vor dem Hintergrund des wachsenden E-Commerce. Die entsprechenden Immobilien werden immer spezieller zugeschnitten.

Der Einsatz von automatischen Hochregallagern sowie von selbstfahrenden Kommissionierrobotern legen den Schritt in die Vertikale nahe. Höhere Gebäude und die durch die Mehrgeschossigkeit entstehende größere Nutzfläche sind auch aus Gesichtspunkten der steigenden Flächenverknappung sinnvoll. Das erfordert jedoch eine intensive Auseinandersetzung mit baurechtlichen Details. Grundvoraussetzung für die Funktionalität einer solchen neuartigen Immobilie ist die intelligente Konfiguration des Baukörpers. Schließlich sind die Investitionsmaßnahmen für automatische Intralogistiksysteme in der Regel deutlich größer als die Kosten für die Immobilie selbst. Es gilt, die Systemkomponenten so zu integrieren, dass kurze Wege zurückgelegt und Störfaktoren beseitigt werden.

Weitere elementare Aspekte sind die Internet-Infrastruktur mit einem Breitbandanschluss und Glasfaserverbindungen – genau wie die Frage nach der Stromversorgung beziehungsweise der Anschlussleistung des Gebäudes. Die Fördertechnik sowie die Aufladevorgänge der selbstfahrenden Roboter erfordern hohe Stromkapazitäten und steigern den Energieverbrauch. Maßnahmen wie die Installation einer Blindstromkompensations-Anlage helfen, den Stromverbrauch zu optimieren. Zudem ist die Frage nach den Spitzenlasten wichtig. Hierbei kommt neben der Automatisierung die Umrüstung zahlreicher Fahrzeugflotten hinzu. Schließlich müssen sämtliche E-Fahrzeuge nach den Betriebszeiten gleichzeitig aufge-laden werden.

Um den „Durst“ der Kommissioniersysteme zu stillen, sollte die Liegenschaft selbst Energie produzieren. Essenziell hierfür ist es, ausreichend Photovoltaik-Paneele zu integrieren. Die Module werden effizienter und die Stromerzeugungskosten geringer. Technische Grenzen existieren aktuell bei der Batterietechnik und der Frage nach der Stromspeicherung, es wird jedoch daran geforscht.

Fazit: Die Automatisierung der Intralogistik schreitet mit Siebenmeilenstiefeln voran und die Innovationszyklen werden kürzer. Immobilienentwickler müssen daher Ideen entwickeln, wie die Objekte auch dann flexibel und marktgängig bleiben, sobald ein System demontiert und durch ein neues ersetzt wird.

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