Logistik-Dienstleister

KEP: Transportlösung in sehr engen Zeitfenstern

Aufträge der Biotech-Branche gehören zu sehr komplexen Transportanfragen. Mit dem Transport von frischem Nabelschnurblut zeigt ein Expressdienstleister jetzt, worauf es im Life-Science-Sektor ankommt.

Die sensiblen Proben und Präparate der Biotechnologie sind auf vorsichtigen Umgang, akribische Temperaturführung, die sprichwörtliche klinische Sauberkeit und schnelle Weiterverarbeitung angewiesen. Schon dies eine anspruchsvolle Herausforderung für ein Transportunternehmen. Wenn ein Biotech-Unternehmen jedoch direkt an Endverbraucher herantritt und damit eine kostengünstige Transportlösung bei gleichzeitig höchsten Qualitätsansprüchen benötigt, wird die Luft dünn.

Logistik-Dienstleister: KEP: Transportlösung in sehr engen Zeitfenstern

Die in Rostock ansässige Seracell bietet werdenden Eltern seit November 2008 die zeitlich unbegrenzte Einlagerung von Stammzellen aus Nabelschnurblut (NSB) an. Seracell darf für sich in Anspruch nehmen, diesen immer stärker nachgefragten Service mit einer attraktiven Preisgestaltung für alle Eltern erschwinglich gemacht zu haben. Aus Nabelschnurblut lassen sich therapeutische Stammzellkulturen gewinnen, um das betreffende Kind damit bei späteren, vielleicht erst im Alter auftretenden Krankheiten behandeln zu können. Mediziner halten es für möglich, in Zukunft Erkrankungen wie Diabetes, Morbus Parkinson, Morbus Alzheimer, Herzinfarkte, Hirnschläge oder Rückenmarksverletzungen mit Stammzellen therapieren zu können. Das Blut wird direkt nach der Geburt entnommen. Die Chance, Nabelschnurblut (NSB) mit den laut Medizinern „wertvollsten und jüngsten“ Stammzellen zu gewinnen, besteht nur in diesem Moment.

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In Rostock wird das NSB von Seracell bei –170°C über flüssigem Stickstoff konserviert. Seracell benötigte also einen Logistikpartner, der diesen Service mit 100-prozentiger Sicherheit abbildet – und formulierte ein anspruchsvolles Lastenheft:

  • So sollen die NSB-Präparate immer dann abgeholt werden, wenn Kinder geboren werden, also an 365 Tagen im Jahr, 24 Stunden am Tag an jedem Ort Deutschlands.
  • Jeder Transport muss zu einem einheitlichen Preis erfolgen, unabhängig von Zeitpunkt und Ort der Abholung.
  • Auch eine eigene Hotline, geschulte Ansprechpartner und vollelektronische Frachtbrieferstellung setzte das Unternehmen voraus.

„Als wir diese Anforderungen mit Seracell besprachen, wurde schnell klar, dass unsere Strukturen dafür optimale Voraussetzungen bieten“, erklärt Peter Zepezauer, Special Services Teamleiter bei TNT Express in Berlin. „Unser Geschäftsbereich Life Science hat mit seiner Produktlinie Clinical Express große Erfahrungen mit diagnostischen Proben. Mit dem Clinical Express Center innerhalb unseres zentralen Customer Contact Centers sowie dem Special Services Center in Bonn verfügen wir über Koordinationsstellen, die mit Experten für die Medical-Branche besetzt und rund um die Uhr erreichbar sind. Und wir bei Special Services haben das Know-how, auch in den engsten Zeitfenstern Transportlösungen zu finden.“

TNT Special Services (SpS) ist bei dem auf Geschäftskunden spezialisierten Expressdienstleister für all jene Lösungen zuständig, die außerhalb der standardisierten Netzwerke abgebildet werden. SpS-Mann Zepezauer, seine Bonner Kollegen und der Bereich Operations entwickelten gemeinsam jenes Konzept, mit dem Seracell heute arbeitet.

„Zunächst haben wir die Verteilung von Geburten über die Woche analysiert, um die operationellen Abläufe auszuarbeiten und einen Festpreis kalkulieren zu können. Dann hat unsere IT-Abteilung die nötigen Schnittstellen zur Übermittlung der Frachtbriefe an den Kunden sowie eine spezielle Eingabemaske für die Aufträge programmiert. Für derartige Transporte schreibt das Bundesgesundheitsamt die Erfassung einiger Daten vor, die wir sonst nicht erheben“, schildert Peter Zepezauer.

Anschließend wurden die Prozesse zwischen Seracell und den beteiligten TNTExpress- Abteilungen festgelegt. Die Mitarbeiter des Clinical Express Centers, die die Aufträge annehmen und die Transporte überwachen, erhielten eine ausführliche Schulung. Der Ablauf für den Auftraggeber und seine Kunden gestaltet sich heute denkbar einfach: Werdende Mütter, die eine Einlagerung des Nabelschnurblutes wünschen, erhalten von Seracell eine Box, die sie zur Entbindung mit ins Krankenhaus bringen.

Diese Box enthält neben speziellem Verpackungsmaterial und einer integrierten Temperaturüberwachung auch eine Versandanleitung für die Hebamme und den vorher erstellten Frachtbrief, in dem bereits alle für den Transport relevanten Daten in einem Barcode erfasst sind. Gleich nach der Geburt des Kindes meldet die Klinik die Sendung bei einer speziell eingerichteten Rufnummer von TNT Express an. Der Dienstleister holt das Blut aus derzeit rund 550 Kliniken in ganz Deutschland ab und stellt es am nächsten Tag in Rostock zu, auch an Wochenenden und Feiertagen.

Logistik-Dienstleister: KEP: Transportlösung in sehr engen Zeitfenstern

„Wir erhalten viele Zuschriften von Eltern, die mit unserem Service sehr zufrieden sind, und daran hat TNT Express natürlich einen wichtigen Anteil“, betont Seracell-Geschäftsführer Torsten Just. „Selbst wenn es einmal nicht ganz planmäßig läuft, hilft jederzeit das Berliner Special Services Team. Als einmal ein Kurier eines anderen Dienstleisters versehentlich eine Seracell-Sendung mitnahm, konnte TNT Express durch das permanente Monitoring das Paket umgehend aufspüren und brachte es per Direktfahrt rechtzeitig zu uns.“

TNT Express transportiert heute in der Spitze bis zu 20 NSB-Sendungen täglich mit steigender Tendenz. Ob die Spitzen der Geburtenzahlen am Vollmond liegen? Die Vollblut-Logistiker sind auch darauf vorbereitet.

KEP-Markt: zwischen Krise und Aufbruch Dr. Roland Schütze, Geschäftsführer Sales, Marketing & Cusomer Service bei TNT Express GmbH: „Die KEP-Branche hat in den vergangenen Jahren rasante Zuwächse verzeichnet. Der Grund: Sie bedient exakt die veränderten Anforderungen der Wirtschaft, die zunehmend schnelle, flexible, planbare, sichere sowie immer kleinteiligere Transporte nachfragt. Im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise sinken die Sendungsvolumina seit dem zweiten Halbjahr 2008 jedoch.

Logistik-Dienstleister: KEP: Transportlösung in sehr engen Zeitfenstern

Viele Transportunternehmen stecken in einem hausgemachten Dilemma:

  • Ihre Dienstleistungen sind austauschbar – und das in einem Marktumfeld, das zunehmend von Preisdebatten geprägt ist.
  • Unternehmen, die lediglich Waren von A nach B transportieren, laufen Gefahr, den Anschluss zu verpassen und in der Masse unterzugehen.

Die Zukunft gehört deshalb Transportdienstleistern, die sich durch einen effizienten, marktorientierten und ganzheitlichen Beratungsansatz als Partner des Kunden definieren. Die KEP-Anbieter müssen umdenken und mit spezialisierten Dienstleistungen, mit neuen und sowie umfassenden Konzepten punkten. Maßgeschneiderte Angebote, wie unsere NSBTransporte im Bereich Life Science, aber auch Branchenlösungen für Automotive- und Hightech- Unternehmen gewinnen an Bedeutung. Gerade durch Services, die über Standardtransporte hinausgehen, können wir bedeutende zusätzliche Sendungsvolumina gewinnen, weil viele Kunden Transportdienstleister suchen, die sämtliche Leistungen aus einer Hand anbieten.“

Seracell AG, E-Mail: [email protected], www.seracell.de TNT Express GmbH, E-Mail: [email protected], www.tnt.de

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