Innovation bei Logistik-Dienstleistern

Martin Schrüfer,

Containertracking auf Packstückebene

Produkt- und Prozessqualität stellen in der globalisierten Wirtschaft einen entscheidenden Wettbewerbsfaktor dar. Auf der Suche nach mehr Transparenz und Flexibilität beschränken sich die meisten Industrie 4.0-Lösungen bisher jedoch auf die Fertigung oder auf Teilabschnitte der Lieferkette. Das Forschungsprojekt SaSCh hat sich der Vernetzung der Logistik verschrieben. Mit der Echtzeit-Überwachung von Transporten durch Sensoren auf Packstückebene wurden wichtige Erkenntnisse für die transparente Supply Chain gewonnen.

© BLG

Multimodale Lieferketten sind komplex. Wenn überhaupt, werden bislang nur einzelne Transportabschnitte überwacht. Die Positions- und Qualitätsdaten aus der Lieferkette werden zudem nur marginal genutzt. Ein unternehmensüber-greifender Datenaustausch erfolgt nicht. Das Forschungsprojekt SaSCh (Digitale Services zur Gestaltung agiler Supply Chains) schließt diese Lücke indem es sich der durchgängigen Über-
wachung von Position und Qualität der Ware in multimodalen Lieferketten widmet. Bislang sind überwiegend isolierte, heterogene IT-Systeme im Einsatz, mit denen Packstücke punktuell in der Transportkette manuell erfasst werden. Hinzu kommt, dass diese Daten oftmals weder mit den Partnern aus der Lieferkette geteilt werden noch Aufschluss über den Zustand der Ware geben. Im Projekt SaSCh geht es also gleich um mehrere Faktoren: Sensoren auf Packstückebene senden zustandsrelevante Daten kontinuierlich und in Echtzeit an ein Gateway, über das sie wiederum zusammen mit Positionsdaten in die Cloud gelangen und so unternehmensübergreifend nutzbar sind. Das Packstück wird gewissermaßen intelligent und autonom: Es meldet sich an den Meilensteinen sowie während des Transportes kontinuierlich zurück. Der unternehmensübergreifende Datenaustausch erfolgt eventbasiert im Epcis-Netzwerk.

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Gesamter Lebenszyklus überwacht
SaSCh betrachtet dabei sowohl die technischen Voraussetzungen als auch konkrete Anwendungsmöglichkeiten. Unter Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums haben sich Experten aus verschiedenen Branchen im November 2016 zu dem dreijährigen Forschungsvorhaben zusammengeschlossen. Gemeinsam mit dem Bremer Institut für Produktion und Logistik ­(BIBA) an der Universität Bremen, der Standardisierungs-
organisation GS1 Germany, dem IT-Dienstleister queo und dem Logistikdienstleister BLG Logistics entwickelt Bosch eine durchgängige end-to-end-Überwachung der Qualität von Bauteilen, Komponenten und Produkten während ihres Lebenszyklus mit Fokus auf der Supply Chain. Die Einheit Bosch Connected Industry beschäftigt sich bereits seit einigen Jahren intensiv mit der vernetzten Lieferkette und lässt die Erkenntnisse nach Projektabschluss in die eigene Lösung Nexeed Track and Trace mit einfließen.

Transkontinentale Teststrecke
BLG Logistics bringt nicht nur das Fachwissen auf Anwenderseite ein, sondern stellt als Logistikdienstleister auch die Infrastruktur zur Verfügung. Als konkreter Anwendungsfall dient eine transkontinentale Lieferkette der Automobilindustrie von Deutschland in die USA. Nach dem Versand vom Bosch Werk in Bühl durchlaufen die Container unterschiedlichste Transportarten: Lkw auf deutschen Straßen, Überseetransport per Schiff, dann weiter im Zug und im Lkw durch die USA bis zum BLG-Standort in Vance, Alabama.

Um die Daten unternehmensübergreifend zugänglich und nutzbar zu machen, braucht es einen gemeinsamen Standard zum Austausch, also der Erfassung und Abfrage der Informationen. Dafür hat GS1 Germany den Standard Epcis entwickelt. Dabei handelt es sich um einen weltweiten ISO/IEC Standard, mit dem beispielsweise Tracking-Daten einer Lieferung erfasst werden können. Das sind Informationen zu den Aspekten: was, wann, wo und warum. Bislang fehlte allerdings die Integration von Sensordaten hinsichtlich des aktuellen Zustands der Ware. Entsprechend werden die relevanten sensorbasierten Qualitätsdaten wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit jetzt in den Standard integriert.

Signifikanter Mehrwert für alle Parteien
Bereits jetzt ist es den SaSCh-Projektpartnern gelungen, die Transparenz in der Lieferkette deutlich zu steigern. Das hat für Anwender eine Reihe von Vorteilen: Zum einen können sie den aktuellen Ort und Zustand einer Lieferung auf Packstückebene überprüfen. Zum anderen lassen sich Qualitätsprobleme, die während des Transports entstehen können, frühzeitig erkennen, Gegenmaßnahmen einleiten und ein Verzug in der Fertigung vermeiden. Auch Zulieferer können ihren Teil zur reibungslosen Produktion beisteuern, indem sie im Fall potenzieller Schäden schnell Ersatzware auf den Weg bringen und bei Verspätungen agil gegensteuern.


Außerdem lässt sich leichter nachvollziehen, wo es zur Beschädigung kam – das erleichtert die Abwicklung von Schadensfällen deutlich. Auch die Lagerhaltung lässt sich aufgrund der Daten mittelfristig verschlanken. Die für das Tracking nötige Technik müssen Hersteller nicht einmal selbst erwerben und in ihren Systemen integrieren: Sie können die Sensorik auf Mietbasis, inklusive Datenschnittstellen und User Interface, als erweiterte Track and Trace Lösung in einem Paket erhalten. Dafür werden die Sensoren an der Ware angebracht und über einen optischen Scan mit der Sendungsinformation verknüpft. Somit ist die Lösung in kurzer Zeit einsatzbereit. Das Projekt hat mit seiner end-to-end-Betrachtung Leuchtturmcharakter für den gesamten Logistikmarkt: Mit dem Tracking auf Packstückebene bringt SaSCh die Lieferkette einen großen Schritt weiter in Richtung vernetzte Zukunft.

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