Modernisierung
Nachhaltiges Retrofit für einen zukunftsorientierten Buchversand
Um weiter nachhaltig, zukunftssicher und effizient den Versand von über 100 Millionen Büchern jährlich zu gewährleisten, hat die zur Arvato gehörende Vereinigte Verlagsauslieferung (VVA) ihr über 40 Jahre altes Paletten-Hochregallager am Standort in Gütersloh in weniger als einem Jahr fundamental modernisiert. Allein in diesem Lager werden 60.000 Euro-1-Paletten vorgehalten und täglich im Schnitt rund 2.500 Paletten ein- und ausgelagert.
Nach mehr als 40 Jahren im Dauereinsatz und insgesamt rund 50 Millionen Fahrten werden alle 14 Regalbediengeräte im Hochregallager in Gütersloh aufgrund von Materialermüdung ausgetauscht.“ Mit dieser Meldung begleitete die zu Arvato gehörende Vereinigte Verlagsauslieferung (VVA) im März 2023 den Beginn ihres umfangreichen Retrofits an einem Wahrzeichen: Das in den 1980er Jahren weltweit größte vollautomatische Lager der Welt – bis heute Kernsystem seines ostwestfälischen Logistikzentrums – sollte durch die intelligente Investition in neueste, energieeffiziente Anlagen- und Steuerungstechnologie für die nächsten Jahrzehnte ausgerüstet werden. Ohne Neubau. Bei laufendem Betrieb.
Ein knappes Jahr und viele spannende Momente später überzeugt seit Anfang 2024 das Ergebnis. Mit neuer Regalbedienung sind in dem 60.000 Paletten-Stellplätze umfassenden Hochregallager 20 Prozent mehr Ein- und Auslagerleistung möglich. Durch intelligente Zwischenkreiskopplung (die aus Bremsenergie gewonnene Elektrizität wird unmittelbar anderen Antrieben zur Verfügung gestellt) und einer neu entwickelten, sinusförmigen Rückspeisung können heute mehr als 12 Prozent Energie ins Netz zurückgespeist und insgesamt 30 Prozent Energie eingespart werden. Und Kameras auf den Regalbediengeräten ermöglichen nun eine visuell gestützte Betriebsüberwachung und beschleunigte Entstörung im Problemfall.
Zum Projektumfang gehörte der komplette Austausch der alten Regalbedienanlage und die Installation der neuen Systeme für das 14-gassige Palettenhochregallager – ohne Unterbrechung des laufenden Betriebs. In fünf Etappen sollten dazu jeweils zwei bis drei Gassen umgerüstet werden, ohne die Arbeit in den anderen Bereichen zu stören und ohne Auswirkungen für die Kunden im Hinblick auf Artikel-Verfügbarkeit und Liefergeschwindigkeit. Zu dem Plan gehörte, die jeweils 34 Meter hohen und 16 Tonnen schweren ausgedienten Regalbediengeräte in der Halle zu zerlegen und mit einem Schwerlastkran durch das geöffnete Dach zu entfernen – und die neuen Geräte komponentenweise durch das Dach in das Lager zu bringen, um sie dort zu montieren.
Das dies möglich ist und sich lohnt, hatte ein Jahr zuvor ein unmittelbarer Nachbar gezeigt: 2022 hatte der Haushaltsgerätehersteller Miele sein achtgassiges Hochregallager in Gütersloh in ähnlicher Weise modernisiert. Hier konnte sich die Stöcklin Logistik AG als Modernisierungspartner und Anbieter innovativer und zukunftsfähiger Intralogistik-Systemlösungen empfehlen. Anfang 2023 entschied sich auch Arvato für Intralogistik-Technik und Umsetzungskompetenz von Stöcklin. Von März 2023 bis Januar 2024 wurden bei laufendem Betrieb innerhalb von jeweils neun Wochen je drei Gassen überarbeitet und
mit neuen Fahrschienen sowie 14 leistungsstarken Stöcklin-MASTer42-RBG ausgestattet.
Erfolgreicher Projektverlauf und Abschluss
Das Ausheben der alten Fahrschienen und demontierten Geräte sowie das Einbringen der neuen Hochleistungstechnik durch das Hallendach erfolgten jeweils an vier Tagen mit Hilfe eines 700-Tonnen-Schwerlastkrans. Da die Wareneingangs- und -ausgangshallen im Fahrbereich des Krans lagen, galt es, auf aufladende und ausladende Lkw Rücksicht zu nehmen, um den Speditionsbetrieb nicht zu stören. Zusätzlich erschwerte bei allen Einsätzen zwischenzeitlicher Starkwind mit Sturmböen den Betrieb des Lastenkrans und die zentimetergenaue Hebearbeit.
Bei alledem und trotz anfänglicher Material-Lieferverzögerungen am Beginn der Lieferkette in Folge des russischen Angriffskriegs gab es nur wenige Verzögerungen. Langjährige Retrofit-Kompetenz, die partnerschaftliche Zusammenarbeit aller Beteiligten und nicht zuletzt ein hoher Eigenfertigungsgrad von Stöcklin in seinem Technologie-Center in Laufen (Schweiz) waren die Basis, um die Schwierigkeiten erfolgreich zu kompensieren. Die gesamten Modernisierungsphase verlief ohne Unterbrechung des laufenden Gesamtbetriebes. Gewünschte Kundenanpassungen wurden während der Bauphase möglich gemacht. Alle Anforderungen von Arvato konnten erfüllt werden.
„Wir sind stolz, dass wir trotz manchmal widriger Bedingungen, inklusive des Ausbruchs des Ukrainekrieges, das gestartete Projekt bei laufendem Betrieb ohne Verzögerungen abschließen konnten. Ein entscheidender Vorteil war sicherlich, dass wir fast die gesamte Anlagen- und Steuerungstechnik unter einem Dach im Technologie-Center in Laufen entwickeln, konstruieren und fertigen und alles aus einer Hand koordinieren konnten. So konnten wir auf zuverlässig gute Qualität und eine schlanke Abwicklung bauen“, zieht Urs Hasler, verantwortlicher Projektleiter bei Stöcklin für die Modernisierung bei VVA/Arvato, schließlich Bilanz.













