Interview

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Modernisierung: ein stabil wachsender Markt

Wie hat sich das Thema Retrofit in der Intralogistik verändert? Welche Einsparpotenziale lassen sich realisieren, insbesondere bei Fördersystemen? Markus Gorlt, General Manager bei Transitic Systems, gibt dazu spannende Einblicke im Interview.

Markus Gorlt, General Manager bei Transitic Systems, kennt die Trends im Bereich Retrofit. © Transitic Systems

materialfluss: Wie hat sich die Nachfrage nach Modernisierung und nachhaltigen Lösungen in der Intralogistik in den letzten Jahren entwickelt?

Markus Gorlt: Der Retrofit-Markt befindet sich auf einem stabilen Wachstumspfad. Für die kommenden zehn Jahre erwarten wir ein durchschnittliches jährliches Wachstum von rund 10 Prozent. Treiber dieser Entwicklung sind steigende Anforderungen an Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Investitionssicherheit. Unternehmen verfolgen zunehmend eine klare Strategie: Bestehende Anlagen werden gezielt modernisiert und leistungsfähig gehalten, anstatt sie pauschal zu ersetzen. Der Fokus liegt auf Rationalisierung, Effizienzsteigerung und Flexibilisierung. Ziel ist es, Systeme so weiterzuentwickeln, dass sie zukünftige logistische Veränderungen aufnehmen können, ohne sofort neue Großinvestitionen auszulösen. Retrofit ist damit nicht nur eine technische Maßnahme, sondern ein strategischer Hebel zur Zukunftssicherung.

mfl: Welche Erwartungen haben Kunden heute an Transitic als Systemintegrator, die vor fünf Jahren noch nicht existierten?

Gorlt: Die Erwartungen sind deutlich gestiegen – sowohl technologisch als auch strategisch. Kunden verlangen heute nicht mehr nur eine funktionierende Lösung, sondern eine skalierbare, datengetriebene und langfristig unabhängige Architektur. Vor fünf Jahren standen häufig einzelne Modernisierungsmaßnahmen im Fokus. Heute geht es um ganzheitliche Transformationskonzepte: Transparenz über Echtzeitdaten, modulare Erweiterbarkeit, IT-Integration auf höchstem Niveau und klare ROI-Perspektiven. Zudem erwarten Kunden eine neutrale Beratung. Sie wollen keinen produktgetriebenen Ansatz, sondern eine Lösung, die sich an ihren Prozessen orientiert – unabhängig von Herstellern oder proprietären Systemen. Genau hier positionieren wir uns als strategischer Integrator und nicht nur als Umsetzer.

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mfl: Wie trägt die Fähigkeit zur herstellerunabhängigen Modernisierung zur Differenzierung bei?

Gorlt: Transitic arbeitet ohne herstellerexklusive Bindung und kann dadurch die leistungsstärksten Technologien am Markt gezielt auswählen. Unsere Teams verfügen über interdisziplinäre Expertise und beherrschen die Integration heterogener Systeme innerhalb einer einheitlichen Architektur, gesteuert durch unsere herstellerunabhängige Software OpenWCS. Diese technologische Unabhängigkeit schafft konkrete Vorteile: maximale Entscheidungsfreiheit, Investitionssicherheit und die Möglichkeit, bestehende Intralogistiksysteme ohne Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter weiterzuentwickeln. Gleichzeitig verschafft sie uns strukturelle Agilität. Innovationen können im richtigen Moment integriert werden – nicht dann, wenn es die Roadmap eines Drittanbieters vorgibt, sondern wenn es strategisch sinnvoll ist.

mfl: Welche Hindernisse treten bei Retrofit-Projekten am häufigsten auf, und wie lassen sie sich überwinden?

Gorlt: Retrofit-Projekte stoßen häufig auf ähnliche Herausforderungen: heterogene Anlagenlandschaften mit inkompatiblen Protokollen, unzureichende Bestandsdokumentation, fehlende verwertbare Daten und die Notwendigkeit, Modernisierungen im laufenden Betrieb umzusetzen. Besonders kritisch sind Schnittstellen zwischen Alt- und Neusystemen. Der Schlüssel liegt in einer strukturierten Vorgehensweise. Wir beginnen jedes Projekt mit einem umfassenden technischen Audit, um den Ist-Zustand transparent zu erfassen, Risiken zu identifizieren und Prioritäten zu definieren. Darauf aufbauend erfolgt eine phasenweise Implementierung. So bleibt der Betrieb stabil, während einzelne Module modernisiert werden. Neben der Technik ist die Projektsteuerung entscheidend: Ein erfahrener Projektleiter sowie die enge Abstimmung zwischen IT, Instandhaltung und operativem Betrieb sind essenziell für den Projekterfolg.

mfl: Wie schnell amortisieren sich Retrofit-Projekte im Vergleich zu einer komplett neuen Anlage?

Gorlt: Retrofit-Projekte amortisieren sich in der Intralogistik in der Regel deutlich schneller als Neuanlagen. Der Return on Investment liegt typischerweise zwischen zwei und sechs Jahren, während Neuanlagen meist fünf bis zwölf Jahre benötigen. Der Grund liegt in den geringeren Investitionskosten – häufig nur 30 bis 60 Prozent einer kompletten Neuanlage – sowie in der Betriebskontinuität. Lange Stillstandszeiten mit entsprechenden Umsatzeinbußen entfallen weitgehend. Eine Neuanlage kann dennoch sinnvoll sein, wenn bestehende Systeme technisch oder kapazitiv an ihre Grenzen stoßen. Retrofit ist kein Dogma, sondern eine strategische Option, die wirtschaftlich sauber bewertet werden muss.

mfl: Welche Komponenten eines Fördersystems bieten das größte Energiesparpotenzial?

Gorlt: Die größten Einsparpotenziale liegen in Motoren und Antriebssystemen. Der Einsatz moderner Motoren in Kombination mit Frequenzumrichtern kann den Energieverbrauch um 30 bis 50 Prozent reduzieren. Ein weiterer Hebel ist die zonenbasierte Steuerung: Motorisierte Rollenförderer aktivieren nur die tatsächlich genutzten Segmente. Besonders bei schwankenden Materialflüssen lassen sich dadurch erhebliche Einsparungen erzielen. Intelligente Monitoring-Systeme ermöglichen zudem eine dynamische Geschwindigkeitsanpassung oder das automatische Versetzen in den Standby-Modus. Ein oft unterschätzter Faktor ist die mechanische Wartung: Verschleiß oder Fehljustierungen erzeugen Reibungsverluste, die unmittelbar den Energieverbrauch erhöhen.

mfl: Welche Bedeutung hat die Digitalisierung für die nachhaltige Optimierung von Prozessen?

Gorlt: Digitalisierung ist der zentrale Enabler für nachhaltige Optimierung. Ohne valide Echtzeitdaten lassen sich weder Energieverbräuche noch Durchsatzleistungen oder Ausfallrisiken systematisch verbessern. Durch die Vernetzung von Steuerung, Sensorik und übergeordneten IT-Systemen entsteht Transparenz über den gesamten Materialfluss. Diese Daten ermöglichen datenbasierte Entscheidungen, kontinuierliche Performance-Optimierung und den gezielten Einsatz von Predictive Maintenance. Nachhaltigkeit entsteht dadurch nicht nur durch effizientere Technik, sondern durch messbare Steuerbarkeit. Digitalisierung schafft die Grundlage für kontinuierliche Verbesserung statt punktueller Maßnahmen.

mfl: Welche langfristigen Service- und Unterstützungsmodelle bietet Transitic, um die kontinuierliche Wartung modernisierter Systeme sicherzustellen?

Gorlt: Unser Serviceansatz geht deutlich über reaktive Wartung hinaus. Wir strukturieren unsere Leistungen entlang von drei sich ergänzenden Säulen. Zum einem präventive Wartung: Dabei geht es um regelmäßige Inspektionen, geplante Wartungsintervalle, Schulungen und digitale Monitoring-Tools sichern eine kontinuierliche Anlagenüberwachung mit Echtzeit-Alarmierung. Bei prädiktiver Wartung überwacht vernetzte Sensorik permanent den Betriebszustand. Durch Datenanalyse können potenzielle Ausfälle frühzeitig erkannt und ungeplante Stillstände vermieden werden. Drittens gibt es die evolutionäre Wartung: Gezielte Modernisierungen, Ersatzteilverfügbarkeit und strategisches Obsoleszenzmanagement stellen sicher, dass Anlagen langfristig leistungsfähig und technologisch anschlussfähig bleiben. Alle Leistungen werden in maßgeschneiderten Serviceverträgen gebündelt, die exakt auf die jeweiligen betrieblichen Anforderungen abgestimmt sind. Ziel ist maximale Verfügbarkeit bei gleichzeitig planbarer Kostenstruktur.

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