Pallet Flow oder Pallet Shuttle System?

Daniel Schilling,

Der passende Weg zur hochdichten Lagerung

Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik hat in einer Studie das Pallet Flow System und das halbautomatische Pallet Shuttle System miteinander verglichen. Partner der Studie waren unter anderem Euroroll, Interroll, Bito und Mecalus. Im folgenden geben wir einen Einblick in die Ergebnisse der Studie.

Charakteristisch für das Pallet-Flow-Regalsystem ist der Einsatz von mechanischen Rollenbahnen zur Beförderung der Paletten in den Kanälen. © Euroroll

Das Whitepaper des Dortmunder Spitzenforschungsinstituts betrachtet zwei Regalsysteme für eine hochdichte Lagerung.

Sowohl das Pallet Flow als auch das Pallet Shuttle System gehören zu den sogenannten "hochdichten Lagersystemen" und erlauben eine optimale Raumausnutzung im Lager. Im Gegensatz zu herkömmlichen Regalsystemen mit einfach- bis zweifachtiefer Palettenlagerung im "Direktzugriff" bieten sie den Vorteil, den verfügbaren Raum effizienter auszunutzen, da zahlreiche Paletten in Kanälen dicht hintereinander gelagert werden und somit die Anzahl der Gassen stark reduziert wird.

Die Tiefe der Kanäle, also die Anzahl der Paletten hintereinander, variiert je nach Anwendungsfall und Technologie stark. Ein Lagersystem besteht in der Regel aus einem oder mehreren Lagerblöcken. Jeder Lagerblock setzt sich dabei aus mehreren Kanälen zusammen, die neben- und übereinander angeordnet sind. Die Relevanz der hochdichten Lagerung wird durch die Vielfältigkeit der Anwendungsfälle deutlich, die in nahezu jeder Branche zu finden sind. Zu den relevanten Faktoren bei der Technologieauswahl zählen neben den Budgetüberlegungen auch Kriterien wie Durchsatzanforderungen, Betriebsstrategien oder branchenspezifische Anforderungen. Auch der Automatisierungsgrad spielt eine Rolle.

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Das passende Regalsystem finden

Charakteristisch für das Pallet-Flow-Regalsystem ist der Einsatz von mechanischen Rollenbahnen zur Beförderung der Paletten in den Kanälen. Mit einer Vier-Prozent-Neigung der Rollenbahnen wird die Schwerkraft für den Transport der Paletten vom Ein- zum Auslagerpunkt genutzt. Dabei werden die Paletten üblicherweise in Längsrichtung befördert, in Ausnahmefällen und mit deutlich höherem Aufwand, ist die Beförderung auch in Querrichtung möglich.

Das Pallet Shuttle System ist eine halbautomatische, hochverdichtete Lagerlösung für die Handhabung von Paletten im Regalkanal. Anders als beim Pallet-Flow-Regal bedient sich das System nicht der Schwerkraft, sondern hier kommt die Shuttle-Technologie zum Einsatz. Die Shuttle-Fahrzeuge verfahren halbautomatisch in den Kanälen und transportieren die Paletten in der Tiefe. Es wird keine materialintensive Stahlrollenkonstruktion und somit auch keine Neigung benötigt.

Entscheidungshilfe: Pallet Flow oder Pallet Shuttle System? © Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik

Die Regalkonstruktion, die Shuttle-Fahrzeuge sowie die Führungsschienen unter jedem Regalkanal bilden die wesentlichen Hauptkomponenten des Pallet Shuttle Systems. Die eingebaute Sensorik und mechanische Sicherungen sorgen für eine genaue Positionierung und Prozesssicherheit. Dieses Regalsystem wird üblicherweise für Europaletten eingesetzt. Die Auswahl der Paletten wird in diesem Regalsystem durch die Bauweise der Shuttle eingeschränkt. Das Shuttle beeinflusst ebenfalls die Förderrichtung der Paletten. Beim Transport der Paletten in Querrichtung ist eine seitliche Aufnahme des Ladehilfsmittels bei der Ein- und Auslagerung erforderlich.

Vorteile und Kombinationsmöglichkeiten der Systeme

Beide Technologien haben unterschiedliche Stärken und Schwächen, sodass die Empfehlung für ein System sehr stark vom jeweiligen Szenario abhängt. Pallet Flow Systeme sind technisch und prozessual in den meisten Fällen die präferierte Wahl. Sie zeichnen sich besonders durch eine hohe Leistungsfähigkeit, eine einfache Integration in das Gesamtsystem und schlanke Prozesse aus. Diese Vorteile spiegeln sich im Vergleich in geringeren Betriebskosten wider. Das System ist besonders für Unternehmen mit hohen Durchsätzen sowie Materialflüssen mit durchgängiger Längsausrichtung der Paletten geeignet. Hierbei sind typischerweise Kanallängen bis etwa 14 Palettenstellplätzen ein geeigneter Dimensionierungsrahmen.

Pallet Shuttle Systeme: Gut für große Lagerdimensionen

Pallet Shuttle Systeme zeichnen sich durch geringe Anfangsinvestitionen aus und sind die präferierte Wahl bei sehr großen Lagerdimensionen. Das System ist besonders für Lagerbereiche mit geringeren Durchsatzanforderungen und großen Kanallängen geeignet. Zudem kommen die Shuttle-Systeme dann zum Einsatz, wenn Güter länger und besonders schonend gelagert werden müssen. Das System ist besonders für Unternehmen geeignet, die mit einer vergleichsweisen geringen Investition sehr viele Paletten vom gleichen Produkttyp lagern wollen und wo die Querausrichtung der Paletten keinen Nachteil für den Materialfluss darstellt.

Anwendungsfall entscheidet

Beide Systeme sind bei entsprechender Wartung, Sauberkeit und Einhaltung entsprechender Palettenqualität eine robuste und langlebige Lösung für eine hochdichte Lagerung der Paletten. Sie bieten auch im Rahmen einer Integration mit Automatisierungstechnologien bedeutende Möglichkeiten. Dabei müssen sich beide Technologien nicht gegenseitig ausschließen.

Die Stärken beider Technologien können auch in einer hybriden Konstruktion kombiniert werden. Dabei könnte die untere Ebene in Form eines Pallet Flow Systems und die darüber liegenden Ebenen als ein Pallet Shuttle System gestaltet werden. Auf diese Weise könnten Teilmengen in Lastspitzen mit einer hohen Durchsatzleistung und schlanken Prozessen auf der unteren Ebene abgewickelt werden, wobei die oberen Ebenen für Paletten mit einer geringeren Umschlagsrate zu geringeren Investitionskosten gehandelt werden können. Die vollständige Studie kann über die Website des Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik kostenfrei bezogen werden.

Interview mit Geschäftsführer Herr Stephan Holdenried von Euroroll

Euroroll hat die vorliegende Studie des Fraunhofer IML mit angestoßen. Was war ihr eigener Beitrag zur Arbeit an der Studie?

Holdenried: Wir haben mit dem Fraunhofer IML zusammengearbeitet, um unser langjähriges Know-how bei der Entwicklung und dem Vertrieb von Schwerkraft-Palettenlösungen in die Studie einfließen zu lassen. Dabei ging es ihnen darum, unsere Erfahrungen sowie die Standards und Anwendungen auf dem Markt zu verstehen. Wir haben unter anderem Informationen bereitgestellt, welche Branchen typische Zielgruppen sind und in welchen Umgebungen unsere Lösungen eingesetzt werden. Darüber hinaus wollte das IML von uns erfahren, welche Herausforderungen unsere Kunden möglicherweise bei der Nutzung der Systeme haben, welche Funktionen die Lösung bietet und welche potenziellen Probleme im Vergleich zu der Shuttle-Lösungen auftreten können.

Es ging in dieser Studie vor allem darum Orientierung zu geben, in welchem Anwendungsfall Pallet Flow und wann Pallet Shuttle das besser geeignete System ist. Gab es dennoch für Sie überraschende Erkenntnisse? Was nehmen Sie mit?

Das IML wollte ein unabhängiges Whitepaper veröffentlichen, das detailliert beide Systeme vergleicht und die sogenannten „Sweet Spots“ beider Lösungen herausstellt. Dabei wurden spezifische Anwendungen, Umgebungen und Branchen berücksichtigt, bei welchen entweder das eine oder andere System die passendere Lösung bietet.

Die Ergebnisse der Studie sind für uns keine Überraschung; für jede Technologie gibt es ein spezifisches Ziel, und je nach den Anforderungen verschiedener Projekte und Anwendungen ist eine Lösung besser geeignet als die andere. Für Euroroll ist der entscheidende Punkt, dass sowohl Palettendurchlauf- als auch Shuttle-Systeme eine gesteigerte Effizienz für hochdichte Lagerlösungen bieten. Das Whitepaper wird dem Leser bei der Entscheidung helfen, die optimale Lagerlösung für seine Anforderungen und Bedürfnisse zu finden. Und in vielen Fällen, ob es sich um eine hohe Durchsatzleistung oder hohe Lagerkapazitäten handelt, könnte das Palettendurchlaufsystem potenziell die richtige Lösung sein.

Werden sich die Studienergebnisse mittel- und langfristig auch in den Lösungen von Euroroll niederschlagen? Gibt es da schon Ideen, über die Sie heute sprechen können?

Da die Studie viele Faktoren berücksichtigt wie beispielsweise den Platzbedarf, die Prozessintegration, die Nachhaltigkeit, die Investitions- und Betriebskosten , sowie externe Einflüsse, das Automatisierungspotenzial und die Durchsatzkapazität; wird sie Euroroll helfen, sich auf die Entwicklung spezifischer Lösungen und Anwendungen zu konzentrieren. Diese werden unseren Kunden helfen, ihren zukünftigen Lagerbedarf mit langlebigen Lösungen zu decken, welche zudem vollständig in Automatisierungstechnologien integriert werden können. Ziel ist es, Entscheidungsträger in der Intralogistik durch den Vergleich beider Systeme zu unterstützen, für die natürlich Faktoren wie Durchsatzanforderungen, Betriebsstrategien, produktspezifische Anforderungen und Budgetüberlegungen entscheidend sind.

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