Aus materialfluss 1-2/2020

Marvin Meyke,

FTS mit Refit gut gerüstet

EK Automation bringt Fahrerlose Transportsysteme, angepasst an veränderte Aufgaben, elektronisch und mechanisch auf den Stand der Technik und verhilft diesen so zu einem neuen Lebenszyklus.

Mit einem Refit-Konzept erhalten FTS einen neuen Lebenszyklus. © EK Automation

Fahrerlose Transportsysteme (FTS) leisten einen entscheidenden Beitrag zur Optimierung von Prozessen in der Intralogistik. Sie sorgen dafür, dass das richtige Teil immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Diese Systeme, für die robuste Fahrzeuge eingesetzt werden, können über Jahrzehnte in Betrieb sein und ihre Aufgabe mit unveränderter Präzision verrichten. EK Automation zeigt, dass dies mit einem entsprechenden Retrofit-Konzept möglich ist.

„Die Lebensdauer einer Anlage berechnet sich nach Betriebsstunden. Für automatisierte Serienflurförderfahrzeuge – also Fahrzeuge namhafter Hersteller, die wir für den automa­tisierten Betrieb umrüsten – rechnen wir mit etwa 30.000 Betriebsstunden, das sind mindestens zehn Jahre. Für Sonderfahrzeuge, die wir individuell auf die besonderen Anforderungen unserer Kunden konzipieren und konstruieren, setzen wir sogar 60.000 bis 80.000 Betriebsstunden an. Das entspricht ­einer Lebensdauer von mehr als 20 Jahren“, erklärt Ronald Kretschmer, Director Marketing & Sales bei EK Automation. Trotz so vieler Betriebsstunden muss das Fahrzeug in diesem Zeitraum jederzeit mit unveränderter Präzision arbeiten. Nach Ablauf dieser Zeit muss der Anwender nicht in eine komplett neue Anlage investieren. Vielmehr kann mit vorausschauender Planung das vorhandene System schrittweise auf den neuen technischen Stand gebracht und bei Bedarf an veränderte Aufgaben angepasst werden.

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Mechanische und elektronische Auffrischung
EK Automation gibt seinen Kunden langfristige Garantien für die Nachlieferung von Komponenten. Refit bedeutet für den Transportrobotik-Spezialisten allerdings, dass nicht nur punk­tuell Bauteile ersetzt werden – wie beispielsweise bei einer ­regelmäßigen Wartung. Vielmehr werden die automatisierten Fahrzeuge komplett überholt. Zentrale Aufgabe ist das elektronische Verjüngungsprogramm: Die komplette Fahrzeugsteuerung und die Verkabelung wird ausgetauscht. Die mechanische Auffrischung beinhaltet das Auswechseln der Verschleißteile wie Lager, Räder, Rollen, Ketten und Riemen – vergleichbar mit einer regulären Wartung. So werden die Fahrzeuge elektronisch und mechanisch auf aktuellen Stand gebracht – und ihr Lebenszyklus beginnt wieder von vorn.

Zuverlässigkeit muss gegeben sein
Drei Fahrzeuge eines Berliner Krematoriums trafen jüngst nacheinander zum Boxenstopp bei EK Automation in Rosengarten ein. Seit mehr als zwei Jahrzehnten sorgt ein FTS von EK im Kühlhaus des Krematoriums für die Platzierung der Särge in der mehrstöckigen Lagerfläche. Hier sind die drei flächen­beweglichen Fahrzeuge der Sparte Custom Move vorwärts, rückwärts, seitwärts und quer auf engem Raum unterwegs. Die eigens von EK für diesen Zweck konstruierten Fahrzeuge sind mit einem Hubmast samt Teleskopgabel ausgestattet. Darauf befindet sich ein Tray, in dem die Särge sicher transportiert und auf ihren vorgesehenen Platz befördert werden. Nach einem Einsatz von mehr als zwanzig Jahren rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche war eine Rundumüberholung inklusive ­Aktualisierung erforderlich. Da die Originalsteuerung verständlicherweise nicht mehr am Markt verfügbar ist, wurden die drei Fahrzeuge mit einer neuen Steuerung und aktuellster Sicherheitstechnik nachgerüstet – um in den nächsten Jahrzehnten ihre Aufgabe ebenso zuverlässig wie bisher zu übernehmen.

Von Anfang an zukunftsfähiges System planen
Damit Anwender im Zuge der Refit-Maßnahmen nicht plötzlich für längere Zeit auf ihren kompletten automatisierten ­Materialfluss verzichten müssen, sollte die FTS-Modernisierung sorgfältig geplant werden, bestenfalls bereits bei der Konzep­tion. Denn die Aufgabe ist anspruchsvoll: Ein Gesamtsystem besteht aus Fahrzeugen, die sowohl untereinander als auch mit übergeordneten Stellen kommunizieren. In der Branche gibt es keine einheitlichen technischen Standards für ein Refit. Jedes FTS-Unternehmen setzt seine eigenen Komponenten ein, viele neue Technologien erobern den Markt. Nicht jeder Anbieter hat sich ausreichend Gedanken über den zukunftsfähigen Einsatz seiner Systeme gemacht, wenn diese erst einmal in die Jahre gekommen sind. Hier sieht sich EK bestens aufgestellt und verwendet zum Beispiel schon seit mehr als zwei Jahrzehnten eine Steuerung, die langfristig am Markt verfügbar und seit 1996 in immer weiter aktualisierter Version einsetzbar ist. Das ­er­möglicht es, bei einer sukzessiven Modernisierung auch alte und neue Fahrzeuge in bestehenden Systemen zu mischen.

Refit erfolgt schrittweise
Erster Step im Refit-Prozess ist die Engineering-Phase, in der eine neue Fahrzeugleitsteuerung konstruiert und vorbereitet wird. Die zentrale Leitsteuerung wird üblicherweise zuerst ­umgestellt und kommuniziert dann zunächst mit den alten Fahrzeugen. Danach werden diese nacheinander auf neuesten technischen Stand gebracht. Für eine bestimmte Zeit ist also die neue Steuerung sowohl mit alten als auch aufgefrischten Fahrzeugen in Betrieb. Irgendwann ist dann auch beim letzten ­Fahrzeug das Refit vollzogen. Möglicherweise wurden während des Prozesses bereits schrittweise neue Fahrzeuge in das System integriert. Zum Schluss kann im Rahmen des Refits auch eine Optimierung des Layouts, also der Streckenführung und des Zusammenspiels der Fahrzeuge, vorgenommen werden.

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