Förder- & Hebetechnik

Schweres wird leicht

Schwere Arbeit leichter machen: Das ist ein zentrales Ziel von Automatisierungslösungen in der Intralogistik. Einige Praxisbeispiele zeigen, wie man dieses Ziel sehr wirtschaftlich erreicht. Wie schnell muss sich Automatisierung rechnen? Aber eine Amortisationszeit von maximal vier Jahren für automatisierte Kommissionieranlagen ist zweifellos eine attraktive Größenordnung. Diese Vorteile kann zum Beispiel das BMW-Ersatzteilzentrum in Dingolfing realisieren, nachdem es eine automatisierte Sortier- und Kommissionieranlage in Betrieb genommen hat. Die Bestückung der Händlerwannen erfolgt nun vollautomatisch mit einem „ringsorter“ von psb.

Anlass für die Investition war die Tatsache, dass die Transportkapazität der vorhandenen Fördertechnik aufgrund steigender Volumina und kleiner werdender Auftragsgrößen nicht mehr optimal genutzt werden konnte. Daraufhin wurde ein von psb erstelltes Konzept umgesetzt, das die automatisierte Zu- und Abführung von Leer- und Vollbehältern vorsieht. Ein Pufferlager entkoppelt die einzelnen Anlagenbereiche.

„Order-Assembly mit Split-Case Picking“: Das ist der Fachausdruck für die Lösung, die Dematic bei der Bischofszell Nahrungsmittel AG installierte. Das Unternehmen stellt pro Tag rund 1 000 Tonnen tiefgekühlte, gekühlte oder steril verpackte Lebensmittel her, die alle vom angebundenen Logistikzentrum aus versandt werden. Für das dynamische Kommissionieren wurde eine sechskanalige Multishuttle-Anlage errichtet.

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Den sechs angeschlossenen Kommissionierarbeitsplätzen werden bis zu 2 200 Behälter pro Stunde zugeführt. Aus ihnen stellen die Mitarbeiter ohne Laufwege die Aufträge zusammen. Dabei werden die Quellbehälter aus dem Multishuttle in der für den Point-of-Sale optimalen Packsequenz und in ergonomisch günstiger Griffhöhe an den Kommissionierplätzen präsentiert.

Geführt über Touchscreens mit 3D-Darstellung erfolgt an jedem Kommissionierplatz die vollständige Behälterkomplettierung. Hugo Thaler, Logistikleiter der Bina: „Mit diesem System erzielen wir hohe Flexibilität und zuverlässige Pickraten ohne nennenswerte Fehlerquote.“

Eine ähnliche Aufgabenstellung hat Knapp im Logistikzentrum des slowenischen Handelsunternehmen TUS gelöst. Für das Frischesortiment wurde eine Kombination aus Person-zu-Ware-Kommissionierung mit Unterstützung von Fahrerlosen Transportsystemen (FTS) und einem OSR Shuttle-System realisiert, das nach dem Prinzip „Ware zur Person“ arbeitet. Wenn die Pick-Vorgänge beeendet sind, transportiert ein FTS die vollen Rollcontainer zum Warenausgang.

Speziell für derartige Verteilzentren des Lebensmittelhandels hat TGW eine neue Hocheistungs-Kommisisonierlösung entwickelt. Kennzeichnend für das PerfectPick-System ist die Tatsache, dass jedes Kollo ohne zusätzliche Ladungsträger transportiert und gelagert wird. Dadurch wird, so TGW, der Materialfluss im Verteilzentrum deutlich vereinfacht und man kann auf die gesamte Leergut-Manipulation verzichten. Darüber hinaus kann der Anwender zwischen unterschiedlichen Automatisierungsgraden wählen, weil das System aus Modulen besteht, die wiederum auf standardisierten Komponenten beruhen.

Auch in der Kartonkommissionierung gibt es Neuheiten: Vanderlande Industries hat die Entwicklung des Automated Case Pickers (ACP) abgeschlossen. Dieses System senkt nach Angaben des Herstellers die Kosten pro bearbeiteten Karton verglichen mit einem herkömmlichen Kommissionierbetrieb um 40%. Es eignet sich insbesondere für die Einzelhandelsdistribution, da dort eine hohe Durchsatzleistung erforderlich ist, um eine breite Skala an Produkten mit einer Vielzahl von Kartons zu verarbeiten.

Die Kartons werden nicht einzeln, sondern auf großen Schalen gelagert. Dadurch sinkt die Anzahl der Ein-/Auslagerspiele der Regalbediengeräte erheblich und somit auch die Anzahl der Regalbediengeräte, die zur Bewältigung der Arbeitslast notwendig sind. Die Folge ist eine deutlich geringere Erstinvestition und eine schnellere Amortisationszeit, die - so Vanderlande - bei weniger als vier Jahren liegt. Die ACP-Systeme können einfach skaliert werden; die kleinsten Systeme verarbeiten 30 000 Kartons pro Tag.

Vom manuellen zum automatischen Kommissionieren Der Schritt vom manuellen zum automatisierten Kommissionieren will wohl überlegt sein, und oft sind die unkonventionellen Lösungen die besten. Das zeigt ein Beispiel, das Ro-Ber für einen Hersteller von Badarmaturen plante und installierte. Die auftragsbezogene Aufstellung der Lieferungen bereitete hier hohe Kosten und - bei Kartongewichten bis 50 kg - auch große Mühe, zumal das manuelle Zusammenstellen der Paletten mit Handlinggeräten von den Mitarbeitern als zu langsam empfunden wurde.

Ro-Ber projektierte daraufhin eine robotergestützte Palettierstation, die zwei Paletten gleichzeitig palettiert. Das steigert die Effizienz deutlich, weil dadurch die  Wahrscheinlichkeit steigt, für einen einlaufenden Karton einen geeigneten Absetzplatz zu finden. Zusätzlich wurde im Arbeitsbereich des Roboters als „Parkplatz“ ein Ablagetisch für einlaufende Kartons eingerichtet. So kann man optimale Packbilder erzeugen und bis zu 200 Kartons pro Stunde palettieren - zu günstigen Investitionskosten, denn der Hersteller hatte ausdrücklich eine kostengünstige Lösung gewünscht.

BMW-Ersatzteilzentrum

Dematic GmbH, E-Mail: [email protected], www.dematic.com Knapp Deutschland GmbH, E-Mail: [email protected], www.knapp.com psb GmbH, E-Mail: [email protected], www.psb-gmbh.de ro-ber Industrieroboter GmbH, E-Mail: [email protected], www.ro-ber.de TGW Systems Integration GmbH, E-Mail: [email protected], www.tgw-group.com Vanderlande Industries GmbH, E-Mail: [email protected], www.vanderlande.de

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