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Nur nicht den Anschluss verpassen

Es droht eine Knappheit an Logistikführungskräften. Deshalb ist Weiterbildung berufserfahrener Mitarbeiter heute notwendiger denn je und eine lohnende Investition in die Zukunft.

Topmeldungen: Nur nicht den Anschluss verpassen

Logistik steht schon seit vielen Jahren nicht mehr für das simple „Kistenschubsen“, für das sie früher einmal belächelt wurde. Logistik, mittlerweile immer öfter auch Supply Chain Management (SCM) genannt, ist für viele Unternehmen zu einer Quelle strategischer Wettbewerbsvorteile geworden, und die Logistikwirtschaft selbst belegt mit einem Umsatzvolumen von ca. 218 Mrd. Euro den 4. Platz der bedeutendsten Wirtschaftszweige in Deutschland. Die stetig steigende Arbeitsteilung in unseren modernen, international vernetzten Volkswirtschaften stellt Unternehmen dabei vor immer größere Herausforderungen und macht die Aufgabenstellungen in der Logistik und im SCM immer anspruchsvoller.

Die Orte von Produktion und Konsum fallen räumlich immer weiter auseinander. Der Anteil der aus China importierten Konsumgüter steigt und weist zweistellige Wachstumsraten auf. Die Konsequenzen: Es werden immer hochwertigere Güter in immer größeren Mengen über immer weitere Strecken transportiert, gelagert und umgeschlagen – mit allen positiven und negativen Auswirkungen für Wirtschaft, Mensch und Umwelt. Innovative Technologien und Methoden im Bereich des Materialhandlings, des Transports wie auch bei Informations- und Kommunikationssystemen ermöglichen zukünftig neue Organisationsformen und Prozessabläufe bei stetig kürzer werdenden Innovationszyklen.

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Auf diese Trends und die damit verbundenen Anforderungen muss sich auch das Management von Industrie-, Handels- und Logistikunternehmen einstellen. Logistik-Schlagworte wie „Cloud Computing“, „Hub and Spoke Netzwerke“, „Pick by light“ oder „Kontraktlogistik“ gehören heute immer mehr zum Standardwissen im Managementalltag und das Repertoire an Fachwissen über neueste Entwicklungen in Technik und Management wächst stetig. Insbesondere bei Mitarbeitern im mittleren bis höheren Management besteht angesichts dieser kontinuierlichen Fortschritte heute ein akuter Nachholbedarf. Zudem ist bereits heute absehbar, dass der Bedarf an Fachkräften zunehmen wird. Roth geht in ihrer Untersuchung von einem jährlichen Gesamtbedarf in Höhe von ca. 14.000 Logistik-Führungskräften in Deutschland aus.

Demgegenüber steht eine sicherlich hohe Zahl von – leider bisher in noch keiner Studie ermittelten – beruflich qualifizierten Mitarbeitern oder gar fachfremden Quereinsteigern, die sich bereits im Job mit Erfolg als Führungskräfte unter Beweis gestellt haben. Diese bieten aber das Potenzial, die Ausbildungslücke schneller zu schließen, als dies mit frischen Uniabsolventen möglich wäre. Roth weist darauf hin, dass die Universitäten mit jährlich ca. 11.600 Absolventen den Bedarf zurzeit nicht decken können. Da versteht es sich von selbst, dass das lebenslange Lernen im aktiven Berufsleben einen immer höheren Stellenwert einnehmen wird und heute bereits auch schon einnehmen muss. Eine Erkenntnis, die sich allerdings in vielen Unternehmen der Branche erst langsam durchzusetzen scheint.

Der Aus- und Weiterbildungssektor muss dafür sorgen, dass es genügend gut ausgebildete Fachleute gibt, die den neuen Managementherausforderungen komplexer global ausgerichteter Wertschöpfungsnetzwerke gewachsen sind. In Zukunft sind nachhaltige Lösungen gefragt, die nicht allein wirtschaftliche, sondern auch ökonomische, ökologische und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigen. Die höhere Logistik-Ausbildung, ob beruflich oder akademisch, Erstausbildung oder Weiterbildung, muss das Bewusstsein hierfür wecken. Klare Handlungsstrategien sollen aufzeigen, wie in einer globalen arbeitsteiligen Welt intelligente Logistik- und Transportlösungen dazu beitragen können, mögliche negative Auswirkungen für Mensch und Umwelt zu verringern oder gar ganz zu vermeiden.

Praxisorientierte Weiterbildung

Das sind hohe Ansprüche, die sich nur durch qualitativ hochwertige Programme mit ausgewiesenen Fachexperten realisieren lassen. Ein praxisorientiertes Weiterbildungsprogramm sollte die Stärkung der Führungs-, Management- und Gestaltungskompetenzen durch die gezielte Verbindung von Managementwissen sowie betriebswirtschaftlichem, ingenieurwissenschaftlichem und IT-bezogenem Methodenwissen anstreben. Gerade bei Praktikern geht es um die Vermittlung neuer Kompetenzen und die Auffrischung bestehender Fachkompetenzen.

Berufliche Weiterbildungen müssen Wert darauf legen, dass die Teilnehmer konkrete Problemlösungen für eigene Praxisprojekte im Rahmen von z.B. Studien- und Diplomarbeiten finden, denn das macht die Wissensvermittlung besonders greifbar und wirtschaftlich nützlich. Aus Sicht der Unternehmen sollte die Förderung der unternehmerischen Initiative in Bezug auf die aktuellen Logistik-Herausforderungen im Unternehmen und aus Sicht der Teilnehmer die Erweiterung des persönlichen Erfahrungshorizonts und gezielte Förderung der persönlichen Entwicklung (Social Skills) eine Rolle spielen.

Die gezielte und regelmäßige Weiterbildung der Mitarbeiter ist vor dem Hintergrund der eingangs dargestellten Entwicklungen ein wesentlicher Erfolgstreiber. Aber gerade fundierte und qualitativ hochwertige Weiterbildung kostet neben der investierten Zeit, die der/die Mitarbeiter außer Haus verbringt, auch Geld. Das lässt viele Unternehmen davor zurückschrecken, ihre fähigsten Leute qualitativ hochwertig fortbilden zu lassen. Die typischen Gründe sind, dass der/die Mitarbeiternde entweder angesichts hohen Arbeitsbelastung gerade unabkömmlich ist, oder die aktuelle wirtschaftliche Lage den Budgetposten ‚Weiterbildung‘ dahinschmelzen lässt. Diese kurzsichtige Argumentation kommt zumeist auch deshalb auf, weil die Kreativitätspotenziale und die innovativen Impulse, die gerade praxisorientierte Ausbildungsprogramme bei Teilnehmern zu setzen vermögen, allzu leichtfertig unterschätzt oder schlichtweg nicht gesehen werden und damit ungenutzt bleiben.

Stichwort Praxis

Gerade eine praxisnah ausgerichtete und zugleich akademisch fundierte Weiterbildung kann unmittelbar Verbesserungspotenzial für das Unternehmen bedeuten. In praxisnahen Weiterbildungsprogrammen sollten nämlich die praktischen Projektthemen aus den Unternehmen als Themengeber für Studien- und Diplomarbeiten dienen. Die hier unter Betreuung von einschlägigen Experten erarbeiteten Lösungen sind häufig direkt in der Praxis umsetzbar. Dies wurde z.B. im Rahmen des berufsbegleitenden Diplomstudiums Logistikmanagement der Universität St. Gallen deutlich.

Topmeldungen: Nur nicht den Anschluss verpassen

Dort wurde im Zuge der obligatorisch zu erstellenden Diplomarbeit ein Modell zur Retourenlogistik für ein Textilhandelsunternehmen entwickelt. Die hieraus abgeleiteten Handlungsmaßnahmen führten zu einer Kostenreduktion in einstelliger Millionenhöhe. Als Investition betrachtet, hatte die Weiterbildung des betreffenden Mitarbeiters für das Unternehmen damit einen ROI von mehreren hundert Prozent: Ein Grund mehr, die Weiterbildung von High Potentials als Investition in die Zukunft zu betrachten.

Universität St. Gallen Lehrstuhl für Logistikmanagement, E-Mail: [email protected], www.diplom-logistik.unisg.ch

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