Operative Resilienz

Robert Kellner / Redaktion: Alexandra Hose,

Lieferketten im Stressmodus

Zersplitterte Systeme, fragile Liefernetzwerke, fehlende Transparenz: Unternehmen stehen zunehmend unter Druck, ihre Supply Chains krisenfester zu machen. Doch der Weg zur Resilienz führt nicht nur über mehr Kontrolle, sondern über bessere Datenarchitekturen.

© stock.adobe.com/Lalida

Operative Resilienz erfordert nicht nur schnelle Prozesse, sondern belastbare Informationen – verfügbar in Echtzeit, auswertbar bis auf Auftragsebene und anschlussfähig an strategische Entscheidungen. Technisch bedeutet das eine Abkehr von starren Datensilos hin zu integrierten Plattformarchitekturen, in denen Daten aus Produktion, Logistik, Einkauf, Bestandsmanagement oder Qualitätssicherung konsolidiert und kontextualisiert werden. Aktuelle Zahlen verdeutlichen den Handlungsdruck: Laut einer aktuellen IDC-Studie im Auftrag von Intersystems sehen 56 % der befragten Unternehmen die mangelnde Echtzeit-Datenverfügbarkeit als zentrales Hindernis für resiliente Lieferketten, 55 % beklagen die schlechte Datenqualität als Blockade bei der Operationalisierung entsprechender Strategien.

Operative Resilienz durch konsolidierte Datenarchitekturen

Eine resiliente Supply Chain erkennt Risiken, bevor sie eskalieren, etwa durch Abweichungen bei Lieferzeiten, Qualitätsmängel oder Engpässe in der Produktion. Voraussetzung ist eine IT-Infrastruktur, die Daten nahtlos aus verschiedenen Systemen aggregiert, anreichert und in einem zentralen Kontext verfügbar macht. Häufig scheitert diese Integration jedoch an inkompatiblen Schnittstellen, unvollständigen Datenmodellen oder schlicht an der fehlenden Interoperabilität zwischen Alt- und Neusystemen. Datenplattformen wie beispielsweise ,IRIS‘ von Intersystems können als Grundlage für unternehmensweite Datenkonsolidierung dienen, indem sie Echtzeitintegration, Analytics und Transaktionsverarbeitung kombinieren. Die Architektur ermöglicht es, Daten aus OT- und IT-Systemen, etwa Maschinensteuerung, ERP, WMS oder SCM, miteinander zu verknüpfen und mit zentralen Identifikatoren wie Auftrags- oder Chargennummern zu versehen. Diese Semantik ist essenziell für die Nachverfolgbarkeit, Fehlerursachenanalyse und automatisierte Prozesssteuerung.

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Ein Beispiel: Das Gesundheitsunternehmen Paltac hat mithilfe von ‚IRIS‘ eine skalierbare, hochverfügbare Datenarchitektur aufgebaut, die in der Lage ist, täglich Millionen von Daten- sätzen zu verarbeiten. Damit kann das Unternehmen auf Schwankungen im Logistikaufkommen flexibel reagieren, Lagerbestände optimieren und Engpässe frühzeitig erkennen. Die Plattform hat es Paltac ermöglicht, durchgängige Transparenz über alle Lager- und Logistikprozesse zu schaffen. Ein entscheidender Vorteil in einem Marktumfeld mit hoher Volatilität. Laut einer Umfrage von Intersystems konnten Unternehmen mit vollständig integrierten Datensystemen eine 25 bis 30 % schnellere Reaktion auf Störungen entlang ihrer Lieferkette realisieren – ein bedeutender Resilienzgewinn.

Transparenz über die gesamte Supply Chain

Resilienz beginnt mit Sichtbarkeit. Sie entsteht durch eine technische Infrastruktur, die Daten aus verteilten Quellen in Echtzeit nutzbar macht. Datenplattformen ermöglichen es, heterogene Systeme über standardisierte APIs, Messaging-Protokolle und Datenpipelines miteinander zu verbinden. Die Datenströme werden dabei nicht nur gesammelt, sondern auch normalisiert, angereichert und für die Weiterverarbeitung bereitgestellt. Zentrales Element ist die semantische Verknüpfung der Daten.

Über sogenannte Business Identifiers, wie Kundenaufträge, Produktionschargen oder Lieferanten-IDs, lassen sich unterschiedliche Datenpunkte logisch zusammenführen. Die resultierende Datenbasis erlaubt es, prozessübergreifende Auswertungen zu fahren: von der Lieferhistorie über Qualitätsabweichungen bis hin zur Energieeffizienz einzelner Fertigungsschritte. Mit einem integrierten Regelwerk können zudem automatisierte Reaktionen definiert werden: etwa Warnmeldungen bei Temperaturabweichungen im Lager, automatische Neubestellungen bei Unterschreitung von Mindestbeständen oder die Einleitung von alternativen Beschaffungswegen bei Lieferstörungen. Diese Event-getriebene Automatisierung ist ein Schlüsselelement moderner Supply-Chain-Systeme.

Ein konkretes Beispiel für den Einsatz solcher Technologien findet sich beim japanischen Unternehmen Being Holdings. Dort wurde eine Plattformarchitektur auf Basis von ,IRIS´ etabliert, die verschiedene Business Units miteinander verbindet und eine zentrale Datenlage für Supply Chain, Finanzen und Kundenmanagement bereitstellt. Die Lösung ermöglicht nicht nur eine hohe Reaktionsgeschwindigkeit auf Marktveränderungen, sondern dient auch als digitale Basis für das strategische Business Development des Unternehmens.

Eine Frage der Weitsicht

Die Praxisbeispiele zeigen, dass Resilienz in der Supply Chain keine Frage der Unternehmensgröße ist, sondern der technologischen Weitsicht. Erfolgreiche Unternehmen starten mit einem klar definierten Use Case und einer Plattform, die sowohl bestehende Infrastrukturen integriert als auch neue Anwendungsfälle flexibel aufnimmt. Ein solcher Use Case ist etwa die unternehmensübergreifende Nachverfolgbarkeit von Materialien entlang der gesamten Wertschöpfungskette. In einer vernetzten Plattformlösung lassen sich etwa CO₂-Fußabdrücke, Energieverbräuche oder Durchlaufzeiten für einzelne Produktgruppen automatisiert erfassen und zur Optimierung heranziehen; ein relevanter Aspekt im Kontext regulatorischer Berichtspflichten wie der CSRD.

Robert Kellner ist Director of Sales für den Data Platform Bereich bei Intersystems (DACH-Region). © Intersystems

Zudem zeigt sich: Resiliente Architekturen lassen sich nicht von der Stange einführen. Es braucht modulare, interoperable Systeme, die vorhandene IT-Landschaften nicht ersetzen, sondern erweitern. Die Integration erfolgt idealerweise über offene Standards, sodass sich auch Drittanbieter oder Legacy-Systeme problemlos anbinden lassen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist die enge Zusammenarbeit zwischen IT und Fachbereichen. Nur wenn die Plattform nicht als reines IT-Projekt, sondern als operatives Steuerungsinstrument verstanden wird, entfaltet sie ihr volles Potenzial. Das bedeutet: Use Cases müssen aus dem Tagesgeschäft kommen, nicht aus abstrakten Digitalstrategien. Wer Datensilos konsequent auflöst, Prozesse durchgängig abbildet und Entscheidungen auf belastbare Daten stützt, kann nicht nur schneller reagieren, sondern strukturell widerstandsfähiger werden. 

Web-Tipps
Laut einer IDC-Studie im Auftrag von Intersystems priorisieren 64 % der befragten Unternehmen den Aufbau resilienter Lieferketten. 60 % beklagen dabei jedoch mangelnde Visualisierung und fehlende Integration über die gesamte Supply Chain hinweg. https://bit.ly/4lnDHAS
Eine ergänzende Umfrage unter 450 europäischen Fach- und Führungskräften bestätigt das Bild: 60 % sehen datengestützte Lieferketten als strategische Priorität, doch fragmentierte Systemlandschaften und die schlechte Nutzbarkeit operativer Daten bremsen ihre Fortschritte aus. https://bit.ly/45wN2kg
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