Flurförderzeuge

Martin Schrüfer,

Trendbericht Stapler - Autonomie macht produktiv

Wie die fundierten wie ausführlichen Antworten auf die materialfluss-Umfrage zeigen, sind „Autonome Flurförderzeuge“ ein wichtiges Thema für die Gabelstapler-Hersteller. Beachtlich, um diesen Aspekt vorwegzunehmen, ist auch die enge Kooperation mit den Kunden, wenn es darum geht, Stapler für den autonomen Betrieb auszurüsten ...

autonome Flurförderzeuge
Mit autonomen Flurförderzeugen lassen sich viele interne Transportprozesse effizienter gestalten. © Jungheinrich

Welche Ihrer Flurförderzeuge sind bislang für autonome Einsätze ausgestattet?“, lautete unsere erste Frage. „Bisher haben wir unseren Kommissionierer CX 20 als autonomes Fahrzeug in Serie verfügbar“, so Christian Fischer, Leiter Produktmanagement Business & Automation Solutions bei Still. „Weitere Fahrzeuge werden zeitnah folgen“.

„Zum Produktportfolio der automatisierten Geräte von Linde gehören Niederhubwagen Linde T-Matic, Hochhubwagen Linde L-Matic sowie L-Matic AC (mit freitragender Gabel), Schlepper Linde P-Matic und Schmalgang-Kommissionierstapler Linde K-Matic“, erläutert Philipp Stephan, Product Manager Linde robotics, Linde Material Handling. „Noch dieses Jahr planen wir, einen autonomen Schubmaststapler, den R-Matic, auf den Markt zu bringen. Somit können wir eine große Bandbreite an Aufgaben automatisieren, wie zum Beispiel Palettentransport, Ein-/Auslagern, Maschinen befüllen und Produktionslinien beliefern“.

Philipp Stephan
Foto: Linde MH
„Durch die stetige Weiterentwicklung von Prozessoren, Sensortechnologien und Verbesserungen der Navigationstechnologien lassen sich immer mehr Prozesse im Lager mit Flurförderzeugen automatisieren“

Philipp Stephan, Linde MH

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Seriengeräte werden automatisiert

„Jungheinrich automatisiert ausschließlich Seriengeräte aus der eigenen Linienproduktion“, so Irene Pichlmaier, Produktmanagerin Automatisierte Fahrzeuge bei Jungheinrich. „Dies hat den Vorteil, dass es sich um einsatzerprobte, ständig weiterentwickelte Fahrzeuge handelt, auf die wir dann die Automatisierung mit Navigations- und zusätzlicher Sicherheitstechnik aufsetzen“.

„Die Fahrerlosen Transportsysteme (FTS) von Jungheinrich umfassen Fahrzeuge mit einer Transportleistung von bis zu 5,0 t und Hubhöhen bis zu 6,0 Meter. So können wir auf unterschiedlichste Anforderungen reagieren. Folgende FTS sind im Portfolio: Der kompakte ERC 215a ist auch für Einsätze auf engstem Raum geeignet. Der Niederhubwagen ERE 225a ist gut für den Flächen- und auch für den Mehrpalettentransport geeignet, da er mit unterschiedlichen Gabellängen realisiert werden kann. Der automatische Schlepper EZS 350a mit fünf Tonnen Zugkraft ist vor allem für Betriebe interessant, die derzeit die Produktionslinien mit manuellen Routenzügen versorgen. Die Hochregalstapler EKXa und ETXa runden die Flotte ab“.

Ausgereifte Lasersensorik bei Crown

Flurförderzeugen
Den Anwendern steht bei Jungheinrich ein breites Spektrum an automatisierten Flurförderzeugen zur Verfügung. Foto: Jungheinrich

„Crown bietet verschiedene Technologien zur Halbautomatisierung an“, so Ken Dufford, Vice President Europe, Crown. „Die QuickPick Remote Kommissioniertechnologie ist seit kurzem für weitere Produktserien erhältlich. Mit dieser steuert der Bediener seinen Stapler dank Lasersensorik über die in einen Arbeitshandschuh integrierte Fernbedienung, ohne den Fahrerstand betreten zu müssen.

Das System ist fortan für die komplette GPC 3000 Kommissionierer-Serie erhältlich und kann auch mit den Multifunktionsstaplern der MPC 3000 Serie sowie den Schleppern der TC 3000 Serie eingesetzt werden. Damit eröffnen sich neue Potenziale für mehr Produktivität und zur körperlichen Entlastung der Bediener. Der Handschuh wird auch bei der QuickPick Remote Hubtechnologie eingesetzt. Mit dieser können die Bediener der ES/ET 4000 Hochhubwagen, die Gabelhöhe ferngesteuert bedienen und stets auf ergonomische Arbeitshöhe bringen.

QuickPick Remote Kommissioniertechnologie
Die mehrfach ausgezeichnete QuickPick Remote Kommissioniertechnologie ist für immer mehr Produktserien von Crown erhältlich. Foto: Crown

„Für die Schmalgangstapler der TSP Serie bieten wir RFID-basierte Navigations- und Sicherheitssysteme wie die Auto Fence-Technologie an. So wird das Risiko von Schäden oder Verletzungen minimiert. Und das Auto Positioning System steigert die Produktivität um bis zu 25 Prozent.

Status bisher: Projektbasis

Schubmaststapler
Auch im Bereich Schubmaststapler hat UniCarriers bereites Lösungen für den autonomen Betreib erfolgreich implementiert. Foto: UniCarriers

„Bislang haben wir nur auf Projektbasis Flurförderzeuge für den autonomen Einsatz ausgestattet“, erläutert Mikåel Persson, Vice President Products bei der UniCarriers Europe AB. „Bei den Modellen handelt es sich vor allem um Deichselstapler mit klappbarer Plattform, wie unseren Hochhubwagen PSP. Auch bei Schubmaststaplern haben wir bereits Lösungen für den autonomen Betrieb erfolgreich implementiert“. „Wir haben keine unserer manuellen Flurförderzeuge für autonome Einsätze ausgestattet, sondern die Fahrzeuge speziell für den autonomen Betrieb entwickelt“, so Markus Beck, FTF-Spezialist bei Stöcklin Logistik. Eagle-Ant-0 ist für den bodenebenen Transport von Paletten konzipiert, Eagle-Ant-1 für den das Heben von Paletten bis zu einer Höhe von einem Meter, beispielsweise auf eine Fördertechnik“.

Autonomie – aber wo?

Ein breites Einsatzspektrum schildern die Antworten auf die zweite Frage: „Für welche Einsatzbereiche ist der autonome Betrieb am besten geeignet, wie zum Beispiel Warenein- und –ausgang, Taxibetrieb, längere Transportstrecken, Routenzug-Einsätze, Kommissionieren?“

„Generell gibt es viele Einsatzgebiete für autonome Fahrzeuge. Wir haben die Kommissionierung als einen der Bereiche identifiziert, in dem diese Entlastung und Unterstützung der Mitarbeiter bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung bringen – dafür haben wir den iGo neo CX 20 entwickelt“, erläutert Fischer .„Aber auch Taxibetrieb oder längere Transportstrecken sind optimal für den Einsatz autonomer Fahrzeuge. Die intelligenten Fahrzeuge erkennen und umfahren Hindernisse“.

„Automatisierung in Lager- und Produktionshallen kommt vor allem in Frage, wenn sich Logistikprozesse routinemäßig wiederholen und längere Wegstrecken umfassen“, so Stephan. „Laufen die Geräte zudem mindestens im Zwei-Schicht-Betrieb, sind die wesentlichen Voraussetzungen erfüllt, um von den Vorteilen einer robotergesteuerten Logistik zu profitieren“.

„Wenn ein Unternehmen die internen Transportprozesse effizienter gestalten möchte, ist der Einsatz von FTS oft ein sinnvoller Weg“, konstatiert Irene Pichlmaier. „Insbesondere standardisierte Routine-Aufgaben und wiederkehrende innerbetriebliche Transportaufgaben, die sonst in erheblichen Umfang Mitarbeiter binden, lassen sich gut automatisieren“.

Irene Pichlmaier
Foto: Jungheinrich
„Unser Ziel ist es, unseren Kunden ein optimales Portfolio von automatisierten Fahrzeugen anzubieten, das Ihren Anforderungen entspricht und ihren Nutzen maximiert“

Irene Pichlmaier, Jungheinrich

Automatisierung zählt laut Dufford „eindeutig zu den wichtigsten Herausforderungen in der Materialflussbranche und ist überall dort sinnvoll, wo sich standardisierte und vorhersehbare Prozesse identifizieren lassen. Unsere Technologien setzen im weitesten Sinne am Kommissionierprozess an, sind aber keinesfalls darauf limitiert. So stellen zum Beispiel die QuickPick Remote-Technologien auch in der Produktionsversorgung eine wertvolle Unterstützung dar“.

Längere, gleichbleibende Strecken

„Der autonome Betrieb eignet sich grundsätzlich für das Materialhandling im Produktionsbereich, da dort ein gleichmäßiger, sich kontinuierlich wiederholender Warenfluss stattfindet“, erläutert Persson. „Hier kommen beispielsweise Routenzüge mit Schleppern zum Einsatz. Auch für die Kommissionierung ist er geeignet“. Autonomer Betrieb ist laut Beck „für den Transport von Paletten zwischen Lager- und Produktionsbereich und innerhalb des Produktionsbereichs sowie für längere, gleichbleibende Transportstrecken im Indoorbereich geeignet“.

Palettentransport
Die speziell für den autonomen Betrib entwickelten Fahrzeuge sind für den Palettentransport sowie für das Heben von Paletten bis zu 1 Meter Höhe konzipiert. Foto: Stöcklin

Entscheidend ist stets der Nutzwert, daher: „Welche operativen und wirtschaftlichen Vorteile bieten Flurförderzeuge mit Autonomiefunktion?“ „Beim iGo neo CX 20 sieht man deutlich, wie der Fahrer entlastet wird: Dieser steigt normalerweise beim Kommissionieren durchschnittlich 1.600 Mal pro Schicht auf und ab; da ihm das Gerät aber auf Schritt und Tritt folgt, entfällt das“, betont Fischer. „Der iGo neo hält immer direkt neben dem Fahrer, so dass dieser sich nur drehen, die Ware vom Regal entnehmen und auf die jeweilige Palette legen muss. Insgesamt erreichen wir Effizienzsteigerungen von bis zu 47 Prozent.“

„Durch den Einsatz autonomer Geräte steigt die Transparenz der Abläufe, und die Prozesssicherheit nimmt zu; zudem steigt die Verfügbarkeit der Geräte, da sie ohne Pause arbeiten“, betont Philipp Stephan. „Ein weiterer Vorteil ist das sinkende Risiko von Fehlern und Transportschäden“.

„Mit dem Einsatz von FTS können sich Mitarbeiter auf ihre Kernarbeit fokussieren“, so Irene Pichlmaier. „Schäden an Waren und Lagereinrichtung, wie sie beim Einsatz manueller Flurförderzeuge an der Tagesordnung sind, lassen sich in erheblichem Umfang reduzieren. Gerade im Mehrschichtbetrieb lohnt sich Automatisierung, da hier die Amortisationszeit der Investition besonders attraktiv ist“.

„In erster Linie bringen automatisierte Prozesse erhebliche Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen mit sich“, betont Ken Dufford. „So kann ein Berufseinsteiger mit dem Crown Auto Positioning System dieselbe Präzision erreichen wie ein Profi. Sicherheitssysteme wie Auto Fence verhindern zudem Verletzungen und Beschädigungen.

Mindestens genauso wichtig ist die physische Entlastung der Mitarbeiter. Mit der QuickPick Remote Kommissioniertechnologie profitieren die Bediener von bis zu 50% geringeren Laufstrecken mit und ohne Last sowie von bis zu 70% weniger Ein- und Aussteigevorgängen“. „Zentrale Vorteile sind eine geringere Fehlerquote und höhere Sicherheit beim Betrieb der Flurförderzeuge“, so Mikael Persson.

Ken Dufford
Foto: Crown
„Eine Vielzahl von Kunden bestätigt uns die hohe Praxistauglichkeit unserer Automatisierungstechnologien. Der Einsatz von Quick Pick Remote erbringt bis zu 25 % höhere Produktivität“

Ken Dufford, Crown

Die Vorteile aus Sicht von Stöcklin: „Kontinuierlicher 24-Stunden-Betrieb ist möglich, festen Pausen sind nur zum Laden der Batterie erforderlich. Es sind weniger Fahrer für manuelle Flurförderzeuge nötig, es werden diesen gleichbleibende Transporte abgenommen, und die Gefahr von Unfällen wird reduziert“.

Und was sagen die Praktiker dazu?

iGo neo CX 20
Mit dem im autonomen Betrieb eingesetzten iGo neo CX 20 lassen sich Effizienzsteigerungen von bis zu 47 Prozent erreichen. Foto: Still

Wie die Antworten auf die Frage: „Gibt es bereits Rückmeldungen von Kunden, bei denen Flurförderzuge mit Autonomiefunktion im Einsatz sind? Wenn ja, wie haben sich die Geräte bisher bewährt?“ zeigen, herrscht intensive Kommunikation mit den Kunden: „Die Kunden wie die Bediener sind vom neo begeistert. Die Kommissionierer waren bereits nach einem halben Tag mit dem Fahrzeug und der neuen Arbeitsweise vertraut“, so die Erfahrungen von Still. „Auch berichteten alle, dass sie sich am Ende einer Schicht fitter fühlten als zuvor. Der iGo neo CX 20 wurde allseits als wirkliche Innovation wahrgenommen. Durch die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Kunden konnten die Fahrzeuge bereits während der Testphasen weiterentwickelt werden.“.

Unkomplizierte Integration in bestehende Flotten

autonome Geräte
Durch den Einsatz autonomer Geräte steigt die Transparenz der Abläufe, und die Prozesssicherheit nimmt zu. Foto: Linde MH

„Die Rückmeldungen unserer Kunden sind sehr positiv“, meldet Linde. „Wichtigstes Kriterium dabei ist, dass die Technik zuverlässig funktioniert. Zudem schätzen unsere Kunden die schnelle und einfache Installation der Lösung und die Geo-Navigation, bei der sich die Geräte an vorhandenen Strukturen wie Wänden, Regalen oder Säulen orientieren. Änderungen in Streckenführung oder Umgebung lassen sich somit leicht anpassen, die Fahrzeuge fügen sich unkompliziert in bestehende Flotten oder Lagerlayouts ein und erlauben einen schrittweisen Ausbau“. „Ja, sehr viele“, meldet Jungheinrich und verweist auf die zahlreichen auf der Unternehmens-Web-Site aufgeführten „Referenzen Automatische Förderzeuge“, beispielsweise über Einsätze bei BMW Group. Hero, ThyssenKrupp und Rudolph Logistik.

„Eine Vielzahl von Kunden bestätigt uns regelmäßig die hohe Praxistauglichkeit unserer Automatisierungstechnologien“, so die Erfahrungswerte von Crown. „Mit QuickPick Remote profitieren unsere Kunden von bis zu 25 Prozent höherer Produktivität bei weniger Belastung der Mitarbeiter“.

„Vollautomatisierte Geräte wie fahrerlose Transportfahrzeuge (FTF) werden häufig noch als zu langsam für den intensiven Einsatz in Distributionscentern angesehen“, meldet UniCarriers. „An der Maximalleistung eines Flurförderzeugs kann der Nutzer nichts ändern. Diese muss den Anforderungen entsprechen und einen Return on Invest sicherstellen – erst dann sind FTF eine wirkliche wirtschaftliche Alternative“.

„Bisher haben wir nach der Eingewöhnungszeit hauptsächlich positive Rückmeldungen bekommen“, so die Erfahrungswerte von Beck. „Kunden planen auch schon Erweiterungen ihrer Systeme“.

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