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Artikel und Hintergründe zum Thema

Regalbediengeräte / Shuttle

Kopf-an-Kopf-Rennen: Shuttle anstatt RBG

Bei der Frage „Shuttle anstatt RBG?“ geht es keinesfalls um einen Ideologiestreit – ausschlaggebend für den Systemeinsatz sind vielmehr die praktischen Einsatzanforderungen, Wirtschaftlichkeit und Effizienz. Wie die Ergebnisse unserer Umfrage zeigen, erfreuen sich Shuttlesysteme allerdings immer stärkerer Nachfrage.

Inter-Aisle-Transfer per Shuttle
Kostensparend und schnell: Inter-Aisle-Transfer per Shuttle für den Warenaustausch zwischen den Gassen. Foto: Dematic

In welchen Einsatzfällen werden Ihrer Erfahrung nach Shuttlesysteme RBG-bediente Lagersysteme auf Dauer komplett ersetzen können?“, so lautete die Frage von Materialfluss an Systemverantwortliche einiger führender Hersteller. Wie die Antworten zeigen, werden beide Systeme auch künftig nicht nur ihre Existenzberechtigung haben, sondern sich auch in unterschiedlichsten Anwendungsumgebungen bewähren. Allerdings gewinnen Shuttlesysteme zunehmend an Boden.

„Auch wenn beide Systeme grundsätzlich ihre Berechtigung haben, im Falle der Einzelstückkommissionierung setzen sich die Shuttlesysteme ganz klar durch ihre hohe Geschwindigkeit ab und haben in diesem Bereich alle anderen Anlagen deutlich verdrängt“, so Notker Steigerwald, Leiter Business Solutions bei Dematic. „Dieser Trend wird sich weiter fortsetzen. Wettbewerber, die in der Vergangenheit nicht so stark auf Shuttlesysteme gesetzt haben, rüsten deshalb derzeit massiv nach“.

Ein Verdrängungswettbewerb?

Shuttle-Systeme
Shuttle-Systeme ermöglichen branchenübergreifend eine hohe Performance und bewähren sich überall dort, wo viele Aufträge in kleiner Stückzahl zu bewältigen sind. Bild: psb

„Im unteren und oberen Leistungsbereich verdrängen bereits jetzt Shuttlesystem klassische RBG vom Markt“, betont Roman Schnabl, Director Product Management bei der Knapp AG. „Es wird aber auch in Zukunft eine Nische geben, wo Regalbediengeräte ihre Berechtigung haben – nämlich dort, wo die Grenzleistung der RBG noch ausreicht und eine Halle zur Verfügung steht, die für den Einsatz von RBG spricht“.

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„Als Anbieter und Hersteller beider Systeme sind wir der festen Überzeugung, dass Regalbediengeräte weiterhin ihre Marktberechtigung haben und Marktanteile halten werden“, so Volker Welsch, Leitung Vertrieb Deutschland bei psb. „Der große Vorteil der Shuttlesysteme liegt in ihrer Leistungsfähigkeit. Diese kann je Gasse deutlich höher sein als mittels RBG. Wenn aber eine solch hohe Leistung in einem Projekt auch auf absehbare Zeit nicht erforderlich sein wird, spielen Regalbediengeräte ihre Vorteile aus, nämlich dann, wenn es um Kosten und Raumnutzung geht. Bei der Entscheidung zwischen Shuttle oder RBG lautet unser primäres Kriterium: Leistungsanforderung an das System.“

„Die einfache Skalierbarkeit machen Shuttles überlegen“

Autonomous Robotic Carrier
Der Autonomous Robotic Carrier gewann 2013 den reddot design Award für seine einzigartige Kombination aus Funktionalität und Design. Foto: Servus Intralogistics

Christian Beer, Inhaber und Geschäftsführer der Servus Intralogistics GmbH, ist von der Überlegenheit des Shuttles überzeugt. „Die Frage ist eher, in welchen Einzelfällen RBG-bediente Lagersysteme Bestand haben werden. Regalbediengeräte wird es immer geben, gewisse Leistungen können mit einem RBG super abgedeckt werden. Was ist aber, wenn man mal mehr, mal weniger Leistung benötigt? In punkto Flexibilität und im Hinblick auf die Anforderungen des Marktes ist das Shuttle überlegen, weil es sich viel leichter an neue Bedingungen anpassen lässt“, betont der Servus-Chef.

„Mit dem zusätzlichen Einsatz oder der Wegnahme von Shuttles kann die Leistung ganz einfach skaliert werden. Die Kunden unserer Kunden erwarten kurze Reaktionszeiten und wollen immer schneller bedient werden. Dort wo also die Intralogistik mit dem Leistungsbedarf des Kunden ‚mitatmen‘ muss, führt kein Weg an den Shuttles vorbei“, unterstreicht Beer.

Transportroboter mit Schwarmintelligenz

„Der Begriff Shuttle greift dabei aber zu wenig weit. Im Zuge von Industrie 4.0 müssen Shuttles weit mehr können, als nur im Lager hin- und herfahren. Wir sprechen bei Servus Intralogistics von Transportroboter. Um Losgröße 1 oder den One-Piece-Flow realisieren zu können, müssen diese Transportroboter mit Schwarmintelligenz ausgestattet sein, autonom handeln und selbstständig den kürzesten Weg zum Ziel finden. Nur so bleibt ein System x-beliebig skalierbar und dennoch schlank und effizient. Die Fähigkeiten der Transportroboter werden in Zukunft noch mehr gefragt sein“, ist Beer überzeugt.

Einzelfall ist maßgeblich

„Zunächst ist ein Shuttle auch ‚nur‘ eine Lagermaschine, wie ein RBG, ein Hubbalken, ein Lagerlift oder ein Karussell. Allein diese Aufzählung verdeutlicht, dass es offensichtlich vom Einsatzzweck abhängt, welches Gerät am zweckmäßigsten ist“, betont Dr. Max Winkler, Vice President Solutions & Technology bei SSI Schäfer, Graz. „Typische Entscheidungskriterien sind dabei Durchsatz, Kosten pro Lagerplatz und Lagerdichte. Konventionelle RBG-Systeme haben bei Anwendungen mit hoher Stellplatzanzahl und moderaten Durchsatzanforderungen weiterhin die Nase vorn. In den letzten Jahren haben wir gesehen, dass die Shuttles sich noch mitten in der Optimierungsphase einer noch recht jungen Technologie befinden. Während sich RBG aufgrund ihrer längeren Reifephase nicht mehr in der gleichen Dynamik hinsichtlich Kosten und Leistung verbessern. Dies hat dazu geführt, dass sich der Kosten-Nutzungspunkt zwischen RBG und Shuttle in den letzten Jahren verschoben hat“.

Koexistenz der Technologien

„Derzeit gibt es primär zwei Kriterien, die wirklich gegen ein Shuttlesystem sprechen könnten – Wirtschaftlichkeit beziehungsweise der ROI und zu hohe Nutzlasten. In der Kommissionierversorgung oder der Warenausgangskonsolidierung, wo hohe Leistungen erforderlich sind, haben heute Shuttlesysteme schon klassische AKL stark verdrängt“, so Eric Große, Head of Product Management Storage Systems bei TGW. „Im Bereich der ‚Massiv Storages‘ mit hohen Lagervolumen und geringen Durchsätzen wird auch weiterhin das klassische AKL die günstigere Lösung sein. Dies wird von dem Trend gestützt, dass die maximale Systemhöhe der AKL-Systeme mittlerweile über 20 Meter beträgt und weiter steigt. Wir bei TGW sind davon überzeugt, dass es auch in Zukunft eine Koexistenz der Technologien geben wird, bei der sich das AKL gerade neu positioniert.“

RBG punktet im Schwerlastbereich und in der Kleinteilelagerung

Shuttlesystem viaflex
Das Shuttlesystem viaflex – hier im Einsatz im Versandlager von Weisser – bietet hohe Flexibilität und ermöglicht eine hohe Lagerdichte. Foto: viastore Systems

„Shuttle und RBG sind zwei Technologien, die beide ihre spezifischen Vorteile haben und innerhalb von Komplettsystemen eingesetzt werden“, so Thomas Preller, Vertriebsleiter bei viastore Systems. „Vor allem im Schwerlastbereich haben die robusten Bediengeräte deutliche Vorteile. Und auch bei der Kleinteilelagerung muss es nicht immer eine Shuttlelösung sein. Wenn ein Anwender mehr Wert auf eine hohe Anzahl an Lagerplätzen legt als auf maximalen Durchsatz, sind RBG nach wie vor die wirtschaftlich sinnvollere Alternative“. Letztlich müssten die Anwender abwägen, welche Variante in ihrem speziellen Fall mehr Vorteile bietet. Daher sei eine technologieunabhängige Beratung sehr wichtig, glaubt der Vertriebsleiter: „Wichtig ist, die konkreten Anforderungen genau zu analysieren und dann das passende System dafür auszuwählen.“

„Anteil der Shuttlesysteme steigt“

Laut Peter Bimmermann, Business Development Manager bei Vanderlande Industries, ist in den letzten Jahren der Anteil der Shuttlesysteme im Vergleich zu den RBG-Systemen deutlich angestiegen: „Waren zu Beginn Shuttlesysteme überwiegend im Bereich sehr hoher Leistungen sinnvoll, ist es heute so, dass es durchaus Shuttlesysteme gibt, die von der Durchsatzleistung her auch im klassischen RBG-Bereich wirtschaftlich sinnvoll sind.“ Der Vanderlande-Manager ist auch davon überzeugt, dass der Anteil der klassischen RBG zukünftig weiter sinken wird. Ein Grund seien zum Beispiel die Zusatznutzen – geringer Energieverbrauch, niedrigere Anschlussleistung, Skalierbarkeit, Ausfallsicherheit und einfachere Wartbarkeit. Er resümiert: „Meiner Meinung nach wird das Standard-RBG immer mehr zum Nischenprodukt, und die Anwendungsfälle, in denen Shuttle nicht eingesetzt werden können, nehmen immer weiter ab.

Reinhard Irrgang

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