Gastbeitrag

Marius Schröder,

Drohnenlogistik: From Lüdenscheid to beyond

Viele Logistiker kennen es: das Problem der letzten Meile. Für Marius Schröder, Geschäftsführer und Co-Founder von Third Element Aviation, liegt die Lösung in der Luft – Drohnenlogistik! In Lüdenscheid betreiben das Bielefelder Tech-Startup und die Koerschulte Group die bundesweit erste kommerzielle Linienflugverbindung für Transportdrohnen. Wie der Weg dorthin war und welches Potenzial in dieser neuen Form der Logistik liegt, beschreibt Schröder in einem Gastbeitrag.

Realisierten in Zusammenarbeit die bundesweit erste kommerzielle Linienflugverbindung für Transportdrohnen (v.l.): Norman Koerschulte, Marius Schröder © Third Element Aviation

Die Logistikbranche sieht sich vor einer ganzen Menge Herausforderungen: steigende Energiekosten, Personalmangel und nicht zuletzt marode Infrastrukturen und wachsende Staus. Lüdenscheid ist mit der gesprengten Autobahnbrücke dafür gerade ein Paradebeispiel. Drohnen können hier wortwörtlich neue Wege eröffnen: Wo Lieferwagen im Stau stehen, können sie einfach hinwegfliegen.

Gleichzeitig wird die ökologische Bilanz in der Logistik immer wichtiger. Auch hier punkten Drohnen. Die Akkus für den Flugbetrieb werden mit Strom geladen, idealerweise mit Ökostrom. Das spart Emissionen. Und was den Personalmangel betrifft: Eine Person kann gleich mehrere Drohnenflüge gleichzeitig überwachen, das macht die Skalierung einfacher. Das alles zeigt, wie groß die Vorteile – und damit das Potenzial – für Drohnenlogistik ist. Transportdrohnen punkten aktuell vor allem da, wo immer wieder kleine Mengen transportiert werden. Das Spektrum geht von Medikamenten über Laborproben bis zu dringend benötigten Ersatzteilen. Mit bis zu zehn Kilogramm Zuladung ist das Anwendungsspektrum also breit. 

Anzeige

„Es gibt genug relevante und lukrative Anwendungsfälle für Drohnenlogistik“

Natürlich ist es unrealistisch zu glauben, dass künftig Drohnen jeglichen Warentransport übernehmen werden. Doch es gibt genug relevante und lukrative Anwendungsfälle, denkt man an die Notfall- und Medizinlogistik oder an ländliche beziehungsweise abgelegene Gebiete. Es gibt viele Bereiche, in denen Drohnen hochgradig automatisierte Logistikprozesse unterstützen können. Das Procedere ist relativ simpel: Es wird ein Paket mit den gewünschten Waren gepackt und an der bereitstehenden Drohne angebracht. Dann leitet ein Operator oder eine Operatorin den Start ein und überwacht den gesamten Flug bis zur  erfolgreichen Landung. So kann im Notfall direkt eingegriffen werden. Am Zielpunkt wird das Paket vollautomatisch abgelegt. Optional gibt es dafür einen speziell entwickelten Drohnen-“Briefkasten“. Seit Februar läuft so die Linienflugverbindung für Transportdrohnen mit unserem Partner und Kunden Koerschulte Group in Lüdenscheid erfolgreich. Dort sind die Drohnen fast täglich im Einsatz und werden bis Ende des Jahres bis zu 80 Transporte am Tag abbilden. 

© Third Element Aviation

Die Idee für die Logistik per Drohne hatten mein Co-Founder Benjamin Wiens und ich schon 2017 bei der Gründung von Third Element Aviation. Unser erstes Projekt war ein Konzept für die  werksinterne Ersatzteil-Logistik. Seitdem hat sich viel getan: in puncto Technik, Organisation und auch bei der Rechtslage. Das war eine wichtige Voraussetzung, um unsere Idee verwirklichen zu können. Denn die Anforderungen bei der Drohnenlogistik sind ganz andere als für „typische“ Drohnenanwendungen „auf Sicht“ wie beispielsweise Dachflächeninspektionen. Für die Transportlogistik und auch alle anderen Anwendungen, die automatisiert und damit außerhalb der Sichtweite des Piloten stattfinden, beyond visual line of sight (BVLOS), gibt es daher einen eigenen Genehmigungsprozess. Dieser bewertet die Risiken in der Luft und am Boden und das Risikomanagement. Nur mit der richtigen Technik, den richtigen Abläufen und Ausbildungen darf man auch in ambitionierten Szenarien einen Drohnenbetrieb aufbauen. Das ist völlig richtig so: Wenn Drohnen ganz automatisiert über den Köpfen von Menschen fliegen, dann muss das sicher sein und ordentlich reguliert werden. Leider waren die vergangenen Jahre durch viele Neuregulierungen und Veränderungen in der Rechtslage sehr unübersichtlich, das bremst Innovation schon aus. Andererseits fordert eine solche Situation Unternehmen wie uns, sich aktiv zu beteiligen und Wege durch den „Genehmigungsdschungel“ zu finden, das hilft auch anderen.

Von Borkum bis Berchtesgaden: Betrieb über weite Entfernungen möglich

Mit Koerschulte haben wir echte Pionierarbeit geleistet: Es ist bundesweit die erste  kommerzielle Linienflugverbindung, die auch im besiedelten Gebiet mit Transportdrohnen der anspruchsvollen Risikokategorie SAIL III fliegen darf. Beim gesamten Genehmigungsprozess haben wir eng mit dem Luftfahrtbundesamt (LBA) zusammengearbeitet. Auf dieser Basis kann der Betrieb Koerschultes sogar auf ganz Deutschland ausgeweitet werden: von der Nordseeinsel Borkum bis Berchtesgaden ist alles drin. Die Genehmigung kann jederzeit um weitere Flugbereiche erweitert werden. Außerdem ist es möglich, mit weiteren Kunden und Partnern in den Genehmigungsprozess zu gehen und so neue Potenziale in deren Logistik zu eröffnen. Denn inzwischen sind die Prozesse etabliert und erprobt – nicht zuletzt dank unserer Pionierarbeit.

Dabei ist SAIL III erst der Anfang, denn theoretisch ist es „nur“ eine von sechs verschiedenen Genehmigungskategorien (von I niedriges Risiko bis VI hohes Risiko) für den Betrieb von Drohnen. Praktisch aber ist SAIL III aktuell die höchste Kategorie, für die Genehmigungen ausgestellt werden. Erstmals ist damit der BVLOS-Betrieb auch über Wohn- und Industriegebieten möglich – da wo die relevanten Anwendungen und Kunden für Drohnen auch tatsächlich zu finden sind. Ein Wort zum Risiko: Dieses richtet sich nach der Größe und dem Gewicht der Drohne und damit nach der maximalen Last, die sie transportieren darf, und nach der Art des Gebiets, über das sie fliegt. Neueste Technologien und Überwachungsmethoden werden den Drohnentransport künftig immer sicherer machen und so die Logistik buchstäblich beflügeln. Gemeinsam mit Koerschulte beispielsweise wollen wir weitere Projekte und die nächste Herausforderung angehen: SAIL IV.

Potenzial ist gerade im B2B-Bereich groß

Insgesamt ist das Potenzial für Drohnenlogistik gerade im B2B-Bereich groß. Während die klassischen Use-Cases wie Dachinspektionen oder Filmaufnahmen schon gut funktionieren, schaffen neue Technologien und die neuen Möglichkeiten der Regulierung nun auch die Basis für ganz andere Märkte. Schon 2025 soll jede dritte Drohne im B2B genutzt werden, 2023 war es noch nur jede neunte. Dabei wächst vor allem der Logistikmarkt. Allied Market Research schätzt bis 2030 ein jährliches Wachstum von mehr als 20 Prozent. Gleichzeitig gibt es viel zu wenig Anbieter für dieses Potenzial. Daher freue ich mich über jeden Einsatz und jedes realisierte Projekt – ob nun mit uns oder einem Wettbewerber. Denn, um auf den Einstieg zurückzukommen, Drohenlogistik bietet viele Vorteile: Straßen werden entlastet, Emissionen eingespart, Abläufe durch den schnellen Transport reibungsloser. Gerade bei der Just-in-Time-Logistik können Drohnen-Lösungen einen innovativen, hochflexiblen und grünen Beitrag leisten. Das sollten wir nutzen.

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Geis Air + Sea

Neuer strategischer Standort eröffnet

Die Geis Gruppe expandiert: Ihre auf Luft- und Seefracht spezialisierte Tochtergesellschaft Geis Air + Sea hat Anfang Januar einen neuen Standort in Mönchengladbach eröffnet. Damit stärkt der Logistikdienstleister seine Präsenz in...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Personelle Veränderung

Heuel baut Geschäftsführung aus

Heuel Logistics hat Gerald Mayrhofer in die Geschäftsführung berufen. In seiner Funktion verantwortet er seit Oktober 2022 unter anderem die Vertriebsentwicklung und die Kontraktlogistik. Außerdem betreut er den Ausbau der See- und Luftfracht als...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren