Logistikimmobilien
Herausforderung Fläche
Allein 2019 entstanden über vier Millionen Quadratmeter Neubaufläche für die Logistik. Seit mehreren Jahren erlebt die Branche einen Boom, Investoren haben Logistikimmobilien als attraktive Assetklasse für sich entdeckt. Die großen OEMs, ihre Zulieferer und die Logistikdienstleister gehören zu den Hauptnachfragern. Doch vor allem an den Hotspots der Automobilproduktion, etwa in Bayern oder Baden-Württemberg, sind die Flächen schon lange knapp. Der Ausbau der Elektromobilität verschärft die Situation zusätzlich.
Der Boom bei den Logistikneubauten hält nach wie vor an. Laut Beratungsunternehmen Logivest wurde 2019 am deutschen Logistikmarkt ein Flächenumsatz von rund 4 Millionen Quadratmetern erzielt, allein zum Jahresende entstanden rund 1,3 Millionen Quadratmeter neue Logistikfläche. Auch die jährlichen Transaktionsvolumina erzielen Rekordwerte. Neben Wohn- und Büroimmobilien konnten sich Logistikimmobilien als eigene, attraktive Assetklasse etablieren, Investoren aus dem In- und Ausland haben deutsche Logistikimmobilien längst für sich entdeckt.
Erweiterungsbau als Glücksfall für ZF
Getrieben wird das Flächenwachstum derzeit vornehmlich vom Onlinehandel. Aber auch die Automobilindustrie braucht dringend Flächen. Wie Projektrealisierungen im Bereich Automobilherstellung und -logistik trotz der erschwerten Bedingungen zum Erfolg werden, zeigt beispielhaft das Logistikzentrum von ZF, das 2018 mit rund 13.700 Quadratmeter Logistikfläche in Alfdorf, Baden-Württemberg, eingeweiht wurde. Die ZF-Tochter TRW Automotive GmbH produziert und lagert hier Automotive-Produktionsmaterial und Komponenten für Insassenschutzsysteme. Die Gesamtinvestitionskosten beliefen sich auf deutlich mehr als 15 Millionen Euro. Projektentwickler der Immobilie ist Panattoni mit Hauptsitz in Hamburg, einer der Marktführer im Bereich Industrie- und Logistikimmobilien: Seit seinem europäischen Markteintritt 2005 hat Panattoni mehr als 9,3 Millionen Quadratmeter neuer Flächen erschlossen. In Deutschland, einem der Fokus-Märkte des Unternehmens, entwickelte Panattoni in den letzten drei Jahren über 50 neue Projekte.
Dabei ist die Entwicklung für ZF nicht das einzige Projekt, das Panattoni im Bereich Automobile realisierte. So begann der Projektentwickler im September 2019 mit dem Bau eines Logistikzentrums für den international führenden Hersteller von Frontend-Modulen HBPO am Standort Kleinblittersdorf im Saarland. Realisiert werden eine Hallenfläche von rund 15.000 Quadratmetern, rund 1.500 Quadratmeter Büro- und Sozialfläche sowie circa 1.200 Quadratmeter Mezzanine.
Zudem lässt Panattoni am Standort Ludwigsfelde in Brandenburg nahe Berlin eine Produktionsanlage für den Anbieter von Energiespeichersystemlösungen Microvast GmbH entstehen. Panattoni beginnt mit dem Bau im April 2020. Entwickelt werden rund 10.500 Quadratmeter Produktionsfläche, rund 5.300 Quadratmeter Hallen- sowie etwa 3.300 Quadratmeter Büro- und Sozialfläche. Besonders die Standortwahl dürfte sich nach den Ansiedlungsbestrebungen des US-amerikanischen Herstellers Tesla am Standort Brandenburg als Gewinn herausstellen.
Strukturwandel im Automotive-Sektor verschärft Situation
Trotz der geplanten sowie bereits abgeschlossenen Realisierungen der Projekte wie im Falle von ZF steht auch der Automotive-Sektor vor zahlreichen Herausforderungen bei zukünftigen Ansiedlungen. „Die Entwicklung von Logistik- und Industrieflächen wird vor allem aufgrund mangelnder Grundstücksflächen, einem akuten Fachkräftemangel, langer Genehmigungsprozesse und knappen Baukapazitäten immer komplexer. Deshalb ist aus unserer Sicht die Kooperation aller Beteiligten bei diesem Erweiterungsprojekt für ZF vorbildlich verlaufen“, erklärt der Experte Fred-Markus Bohne, Managing Partner von Panattoni.
Bei den Hot Spots der Automobilindustrie beunruhigt Bohne vor allem die herausforderne Kombination aus Flächenknappheit und Personalmangel. Laut einer Studie der Logix Initiative Logistikimmobilien verfügt keine Region in Deutschland gleichermaßen über die Faktoren Fläche und Personal. Gerade die Flächenknappheit ist die große Herausforderung für die benötigten Kapazitäten der Automobilindustrie. Experten gehen davon aus, dass sich die Situation für die Automotive-Branche weiter zuspitzen wird. So steigt der Bedarf an Logistik- und Light-Industrial-Flächen durch das Voranschreiten der Outsourcing-Prozesse.
Langen Genehmigungsprozessen begegnet Panattoni damit, sich dort, wo es möglich ist, frühzeitig verfügbare Flächen zu sichern und auch immer öfter ohne Vorvermietung zu bauen. Damit kann den Nutzern benötigte Logistikkapazitäten zur Verfügung stellen. Der Bedarf ist hoch, sodass das Risiko der spekulativen Entwicklung gering ist. Knappen Baukapazitäten begegnet Panattoni mit langfristigen Partnerschaften zu Bauunternehmen wie zum Beispiel Goldbeck International.
Gleichzeitig steht die Automobilindustrie vor einem tiefgreifenden Wandel durch die Elektromobilität. Dieser Wandel vollzieht sich parallel zu der Produktion herkömmlicher Benzin- und Dieselfahrzeuge. Sie wird nach Expertenschätzungen als Brückentechnologie mindestens bis 2025 parallel benötigt werden. „Das bedeutet, dass sich in den Hotspots der Automobilproduktion etwa in Baden-Württemberg und vor allem im Ballungsraum Stuttgart die Flächenknappheit weiter verschärfen wird. Produktion und Logistik im Automotive-Sektor sind bereits unter Druck, sie finden nicht annähernd die benötigten Grundstücke,“ berichtet Bohne.
Nutzung von Brownfields und Mehrstöckigkeit als Lösung
Als einer der Auswege aus der Flächenknappheit sehen führende Projektentwickler vor allem die Nutzung so genannter Brownfields, Brachflächen mit vorangegangener industrieller oder militärischer Nutzung. Die Grundstücke sind meist voll erschlossen, verkehrstechnisch gut angebunden und stadtnah oder sogar innerstädtisch gelegen. Allerdings sind Brownfield-Entwicklungen wegen möglicher Altlasten, Artenschutzaspekten und der komplizierten Baurechtschaffung in der Regel mit einem erhöhten Risiko für den Projektentwickler verbunden. Ein weiterer Lösungsweg liegt darin, die vorhandene Fläche schlicht intensiver zu nutzen. Ob diese Maßnahmen allein ausreichen werden, um den Bedarf zu decken, darf jedoch bezweifelt werden. Panattoni plädiert dafür, dass Politik und Wirtschaftsförderungen der bestehenden Flächenknappheit an den hießigen Automotive-Hotspots mehr Aufmerksamkeit widmen und so dafür sorgen soll, dass die Wirtschaft handlungs- und leistungsfähig bleibt.









