Gastbeitrag Logistikimmobilien

Carsten Lümkemann, Philipp Oevermann,

Ökologisch nachhaltig und ökonomisch sinnvoll

Die Logistikbranche steht vor großen Herausforderungen, und die Ansprüche an Logistikimmobilien sind hoch. Sie müssen die geltenden Nachhaltigkeitsstandards erfüllen. In einem Gastbeitrag legen Carsten Lümkemann, Director Technical Development, sowie Philipp Oevermann, Director Logistics bei Segro Germany, dar, wie dies umgesetzt werden könnte.

© Segro Germany

Die Herausforderungen der Logistikbranche sind immens: Ukraine-Krieg, Inflation, steigende Energie- und Verpackungskosten, Flächenmangel sowie die Nachwehen der Pandemie. Dies ist auch deshalb eine große Herausforderung, weil der boomende E-Commerce die Anforderungen an Produktion und Logistik weiter verschärft: Möglichst nachhaltig und effizient soll die Lieferkette sein.

Ein großes Hindernis bei der Effizient von Logistikflächen ist der Flächenmangel. Er ist ein akutes Problem – seit Jahren: In den Köpfen vieler Menschen löst der Gedanke an Logistikimmobilien Assoziationen an lärmenden Verkehr, eine hohe Feinstaubbelastung und Nachteile für Natur um Umwelt aus. Entsprechend befinden sich viele Logistikflächen in peripheren Lagen. Dabei sind Logistikimmobilien heutzutage in der Lage, einen Mehrwert für die Umgebung zu schaffen. Dazu braucht es neben einer ansprechenden Architektur vor allem eines: ein ausgefeiltes Nachhaltigkeitskonzept. Die Wege, den „Carbon-Footprint“ einer Logistikimmobilie zu verringern, sind vielfältig. Dabei heißt ökologisch nachhaltig häufig auch ökonomisch sinnvoll. Eine gute Logistikimmobilie vereint beides.

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Nachhaltigkeit bei der Bauweise

Die Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit setzen sich im Bauprozess fort. Die Verwendung ressourcenschonender Materialien senkt den Anteil von „Embodied Carbon“, also der beim Bau freiwerdenden CO2-Emissionen. Regional bezogene, nachwachsende und klimaverträgliche Ressourcen zahlen positiv auf die Ökobilanz der Immobilie ein – genauso wie nachhaltig hergestellter Zement.

Ein weiterer Hebel für mehr Nachhaltigkeit beim Bau ist die Verwendung digitaler „Building Information Modelings“ (BIM). Dies sorgt für mehr Transparenz für alle Beteiligten und erleichtert damit die Zusammenarbeit während der Bauphase sowie den laufenden Betrieb. Eine rechtzeitige Lebenszyklusanalyse der Immobilie lohnt sich ebenfalls für einen langfristig klimaschonenden Betrieb. Wie kann bereits beim Bau eine spätere Weiternutzung gestaltet werden? Schließlich sollen die Flächen möglichst flexibel nutzbar sein, um den Bauaufwand bei einer Wiedervermietung so gering wie möglich zu halten.

Energiesparen allein reicht nicht aus

Mit Blick auf die aktuellen Energiepreise sind Photovoltaikpaneele eine gute Alternative, um die Nebenkosten einer Logistikimmobilie zu senken. Die eigene Stromversorgung aus erneuerbaren Quellen gleicht Emissionen aus und sorgt zudem für die nötige Unabhängigkeit bei der Energiefrage. Großflächig installiert können Photovoltaikanlagen die Umweltbilanz der Immobilie nicht nur verbessern, sondern ins Positive kehren. Ein weiterer Pluspunkt: Die aus erneuerbaren Quellen gewonnene Energie kann zusätzlich für den Betrieb von E-Ladestationen genutzt werden. Die Photovoltaikanlage auf dem Dach stellt damit die Weichen für eine grüne letzte Meile im Sinne der Mobilitätswende.

Wenn die nachhaltige Energieversorgung der Immobilie gesichert ist, kommen Einzelheiten wie moderne Gebäudetechnik ins Spiel: Eine automatische Lichtsteuerung im Außen- wie Innenbereich, energieschonende Leuchtmittel und intelligente Wärmesysteme stellen sicher, dass die Immobilie im laufenden Betrieb nicht zum Klimasünder wird. Um dennoch etwaige Schwachstellen zu identifizieren, gibt es Smart-Metering-Systeme: Die intelligenten und vernetzen Zähler liefern Echtzeitdaten zum Ressourcenverbrauch und zeigen damit auf, an welchen Stellen zu justieren ist. So verbessert sich die Energiebilanz im laufenden Betrieb.

Eigeninitiative ist gefragt

Sind all diese gebäudetechnischen Nachhaltigkeitsaspekte abgeschlossen, müssen die Vermieter von Logistikimmobilien weiterdenken. Kreativität ist gefragt: Wie gestalten wir Freiflächen? Wo setzen wir an, um das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu steigern? Denn Nachhaltigkeit ist kein rein technisches Thema. Statt Sparen und Reduktion stehen abschließend Renaturierung und Stärkung der regionalen Biodiversität auf dem Anforderungsprofil. Grünflächen auf dem Areal als Schutzräume für Tiere sowie Bienenhotels mit entsprechender Bepflanzung – davon profitiert das lokale Ökosystem. Für Mitarbeiter braucht es ausreichend Breakout-Flächen, die zur Erholung einladen, sowie generell Räume mit hoher Aufenthaltsqualität. Die Umgebung muss auf die Leistung der Mitarbeiter einzahlen und ihren Bedürfnissen gerecht werden.

Das Resultat all dieser Bemühungen ist eine nachhaltige Logistikimmobilie, die mehr Energie produziert, als sie verbraucht. Zur Bestätigung der Energiebilanz lohnt es sich, eine Zertifizierung nach DGNB-Standard in Gold oder Platin anzustreben, die genau auf das deutsche Baurecht abgestimmt ist und zusätzlich im Einklang mit der EU-Taxonomieverordnung steht. Mit einer solchen Zertifizierung im Gepäck stehen Kommunen dem Thema Logistikimmobilie offener gegenüber – denn die Immobilien halten in puncto Nachhaltigkeit auch den rechtlichen Standards deutscher Kommunen nachweislich stand.

Fazit: Intelligente Lösungen sind gefragt

Mit Hilfe digitaler Systeme gibt es lohnende Ansätze, die sowohl einen maximal effizienten Bau als auch Betrieb der Logistikimmobilie ermöglichen. Der moderne Typus von Logistikimmobilien ist gekennzeichnet durch eine umfassende Umsetzung der geltenden Nachhaltigkeitsstandards; auf dem Weg in die Zukunft führt daran kein Weg vorbei.

Ökologisch nachhaltig und ökonomisch sinnvoll

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