Logistik-Dienstleister

Outsourcing boomt

Outsourcing boomt

Unternehmen schaffen sich Freiräume für ihr Kerngeschäft, indem sie immer mehr Dienstleistungen an Kontraktlogistiker outsourcen. Die danken es ihnen mit Flexibilität, Qualität und Innovationen. Materialfluss-Autor Andreas Pietsch hat sich umgehört, welche Dienstleistungen verstärkt außer Haus gegeben werden. Erkundigt man sich bei Kontraktlogistikern, wie das Geschäft läuft, erhält man durchgängig positive Antworten: großes Potenzial, mehr Ausschreibungen, ungebrochener Trend zur Auslagerung logistischer Tätigkeiten. Die Gründe für das boomende Geschäft der externen Dienstleister sind vielfältig: Die Unternehmen schaffen gedanklichen und räumlichen Freiraum für ihre Kernkompetenzen, sie wollen im Logistikbereich immer genügend (aber nie zu viel!) Personal und Equipment vorhalten und möglichst wenig Kapital in unproduktiven Bereichen binden. Außerdem wollen sie von der Prozess­ und IT­Kompetenz ihres Kontraktlogistikers profitieren. Denn der nimmt heutzutage erst einmal eine Computersimulation der logistischen Abläufe vor, bevor er irgendwelche Regale verrückt.

Die Topkunden der Kontraktlogistiker sind in allen erdenklichen Wirtschaftszweigen zu Hause: Healthcare, Maschinenbau, E­Commerce, Großhandel, Chemie, Sports and Fashion, Food, Energie und – natürlich – die Automobilindustrie. Jede Branche findet bei den Kontraktlogistikern ein spezialisiertes Dienstleistungsangebot, das an ihre logistischen Anforderungen andockt. Wobei nicht jeder das Gleiche will, wie ein Sprecher vom Branchenprimus DHL, Bonn, sagt: „Kunden aus der Automobilindustrie etwa fragen vor allem produktionsnahe Value Added Services wie Montage, Sequenzierung und Line Feeding nach, um durch eine hoch effiziente Supply Chain auch ihre Produktion zu optimieren. Für Unternehmen aus dem Sektor Life Sciences und Healthcare hingegen haben die Produktqualität und Produktverfügbarkeit höchste Priorität. Neben reinen logistischen Dienstleistungen werden insofern auch Services wie Qualitätsprüfungen, Umpacken, Verpacken, Set­Building und Postponement gefordert.“

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Von der verlängerten Werkbank zum multifunktionalen Arm

Industrie und Handel haben längst erkannt, dass ihre Logistiker wesentlich mehr auf dem Kasten haben als das Standardprogramm. Von einer Verschiebung innerhalb der Nachfrage ist die Rede. Neben einfachen Logistikleistungen werden vermehrt komplexe Wertschöpfungstätigkeiten verlangt, die einen hohen Spezialisierungsgrad seitens des Logistikers voraussetzen.

Nachgefragt

Materialfluss wollte von Logistik-Dienst- leistern wissen, ob sich ,Kontraktlogistik hierzulande‘ von ,Kontraktlogistik in der Welt‘ unterscheidet. Die Antworten in Auszügen: „In Deutschland ist der Outsourcing-Anteil in der Kontraktlogistik im Vergleich zu ande- ren europäischen Ländern eher gering, so dass ein stärkeres Wachstum als in anderen Industrien erwartet wird. (…) Eine besondere Herausforderung für ‚Kontraktlogistik in der Welt‘ ist es, eine effektive globale Organisation zu schaffen und dennoch die Expertise der lokalen Mitarbeiter zu nutzen. “ Sabine Hartmann, DHL

„Um den durchaus unterschiedlichen Anforderungen in den globalen Regionen gerecht zu werden, haben wir vier Competence Center mit Sitz in Miami, Osnabrück, Dubai und Singapur gegründet. Auf diese Weise können wir die lokalen Anforderun- gen ideal erfüllen. Durch das standardisierte Ausrollen unserer Best-Practice Prozesse können wir zusätzlich weltweit ein einheit- liches Qualitätsniveau in der Logistikabwicklung gewährleisten. “ Stefan Porcher, Leiter Produktmanagement Contract Logistics, Hellmann Worldwide Logistics

„Aus unserer Sicht unterscheidet sich die Kontraktlogistik nicht von einem Land zum anderen, sondern von Kunde zu Kunde. “ Andreas Wellbrock, Vorstand BLG Logistics

Kontinuierliche Prozessoptimierungen aufseiten der Auftraggeber haben Auswirkungen auf das Angebot und Selbstverständnis der Logistiker. Die verlängerte Werkbank hat etliche Evolutionsstufen durchlaufen und ist zu einem multifunktionalen Arm gereift. Die externe Werkbank war eine wenig vernetzte Außenstelle, die Herstellern ein paar lästige Arbeiten abgenommen hat. Der multifunktionale Arm hingegen ist Teil des organischen Ganzen – mit direkter Anbindung an das zentrale Nervensystem des Auftraggebers, sprich an seine IT.

BLG Logistics Group AG & Co. KG

Service-Skala nach oben offen Kommissionierung, Displaybau und Retourenabwicklung gehören noch zu den eher einfachen Übungen. Die nach oben offene Dienstleistungs­ und Ser­vice­Skala stößt in ganz andere Dimensionen vor. So unterhält die BLG Logistics Group in Krefeld ein Logistikzentrum für die Werksversorgung eines Herstellers von Schienenfahrzeugen. Dazu haben die Bremer in ein halbautomatisches, kranbedientes Jochlager, zwei Hochleistungssägen und einen Laser zur Reinigung von Profilen und Modulen investiert. Eine Großkomponentenwaschanlage wurde vom Kunden gestellt. Aber den Betrieb übernehmen Fachkräfte mit BLG­Logo auf der Arbeitskleidung.

Eine immer stärkere Einbindung in die Prozesse des Kunden erlebt auch Hellmann Worldwide Logistics aus Osnabrück. „Wir verzeichnen eine erhöhte Nachfrage nach unseren JIT­ und JIS­Services“, erklärt Stefan Porcher, Leiter Produktmanagement Contract Logistics. Er führt das auf die zunehmende Variantenvielfalt und den sich daraus veränderten Teilemix in der Automotive­Produktion zurück. „Zudem werden vermehrt Tätigkeiten aus den Bereichen Vormontage und Kitting bei uns angefragt.“

Robotergestützte Retourenabwicklung

In Sachen Innovation müssen Industrie und Handel keineswegs befürchten, dass ihren Kontraktlogistikern die Puste ausgeht und die Ideen ausbleiben. Die BLG verfolgt zum Beispiel in Frankfurt seit Anfang 2015 ein nach eigenen Angaben in Europa einzigartiges robotergestütztes Logistikkonzept für die Retourenabwicklung von Engelbert Strauss, dem Marktführer im Bereich Workwear. Das System basiert auf der Grundidee eines mobilen Kommissionierlagers: Vollautomatisch werden die Regale zu einer multifunktionalen, flexiblen und darüber hinaus ergonomisch angelegten Pick­Station gebracht. Die dafür eingesetzten Transportfahrzeuge mit niedriger Bauhöhe unterfahren die mobilen Warenträger, heben sie an und transportieren sie auf einem festgelegten Weg zum Pick­Platz. Dort führen Pick­by­Light­ und Put­to­Light­Techniken die Mitarbeiter durch den Kommissionierprozess. „Für uns als Logistiker ruhen große Hoffnungen auf diesem System“, so BLG­Vorstand Andreas Wellbrock.

„Wenn Frankfurt unsere Erwartungen erfüllt, werden wir auch an anderen Standorten einen Einsatz des Systems prüfen.“ Dabei denkt man bei BLG unter anderem an die Ersatzteilelogistik für die Automobilindustrie – vor allem an die Kommissionierung, die Bereitstellung von fahrzeugspezifischen Warenkörben oder an die Produktionsversorgung aus einem weiteren Nachschublager.

Andreas Pietsch

Kontakt:

DHL / Deutsche Post AG

Hellmann Worldwide Logistics GmbH & Co. KG www.hellmann.de

BLG Logistics Group AG & Co. KG www.blg-logistics.com

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