Logistik-Dienstleister
Es grünt so grün
14 bis 23 % aller Kohlendioxid-Emissionen werden durch die Logistik verursacht. Wo sind die Hebel, an denen Unternehmen ansetzen, um ihre Logistik umweltverträglicher zu gestalten? Was bieten die Dienstleister - und nehmen ihre Kunden diese Angebote an?

Green Logistics ist offenbar im Trend. Zumindest alle größeren Logistik-Dienstleister wie CEVA, Deutsche Post DHL, Fiege, Hellmann und Schenker haben sich nicht nur Gedanken zu diesem Thema gemacht, sondern haben bereits konkrete „grüne“ Dienstleistungen im Portfolio. Viele Logistik-Unternehmen berechnen im Auftrag ihrer Kunden auch die CO2-Emissionen der jeweiligen Dienstleistungen und bieten Kompensationsmaßnahmen an. Bei Hellmann kann der Kunde zum Beispiel klimaneutrale Transporte ordern. Hier werden die Emissionen berechnet und entsprechende Ausgleichsmaßnahmen angestoßen. Dies geschieht über einen externen Kompensations-Dienstleister. Hellmann kann dabei aber auch auf ein Netzwerk von Partnerschulen zurückgreifen, die auf lokaler Ebene Auf-
forstungen durchführen. Zu den Kunden der ersten Stunde gehört ein Unternehmen, das Naturfarben produziert. Auch andere Unternehmen nutzen dieses nachhaltige Angebot. Allerdings schrecken viele Interessenten noch davor zurück, dass diese Art des nachhaltigen Transportes zwar CO2-, aber nicht kostenneutral ist. Die Kompensationsmaßnahmen müssen also bezahlt werden.
Darüber hinaus hat Hellmann eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die gezielt nach Möglichkeiten der CO2-Reduzierung sucht. Dies betrifft Logistikgebäude, die beispielsweise durch Erdwärme beheizt werden können, ebenso wie die Auswahl des Verkehrsträgers. So konnte Hellmann beispielsweise mit dem Konzept „Rail Solutions“ erreichen, dass täglich rund 400 Wechselbrücken von der Straße auf die Schiene verlagert wurden. Damit werden pro Tag 73 Tonnen CO2 weniger emittiert - aufs Jahr gerechnet sind es 18.250 Tonnen.
Zunehmende Nachfrage
Bei Schenker registriert man immer mehr Nachfragen von Kunden und potenziellen Kunden zu umweltverträglichen Produkten. Dr. Hansjörg Rodi, Vorstandsvorsitzender der Schenker Deutschland AG: „Wir haben grüne Logistik auf oberster Konzernebene fest in unseren Unternehmensleitlinien verankert und setzen dies auch konsequent um.“ Eine Maßnahme dabei ist die Bildung von „Grünen Netzwerken“, die den Warenverkehr langfristig von der Straße auf die Schiene und von der Luft auf die See verlagern. Dies ist um so wichtiger, als das globale Transportvolumen weiter wächst, die logistikbedingten CO2-Emissionen also nach wie vor steigen (siehe Textkasten). Ziel muss es somit sein, die CO2-Emissionen vom steigenden Verkehrswachstum zu entkoppeln.
Für Kunden, die dieses Ziel ebenfalls verfolgen, hat DB Schenker die „EcoSolutions“ entwickelt - das sind CO2-freie, CO2-reduzierte und CO2-neutrale Angebote. Für die Berechnung setzt man das Online-Tool „EcoTransIT World“ ein, das den CO2-Ausstoß über die gesamte Lieferkette analysiert. Einfache Berechnungen kann der Anwender selbst unter http://www.ecotransit.org durchführen. Auch bei Schenker sieht man allerdings ein Problem darin, eventuelle Mehrkosten weiterzugeben. Dr. Rodi: „Die Bereitschaft, für umweltfreundliche Transporte etwas mehr zu zahlen, ist noch nicht so weit verbreitet.“
CO2-Emissionen um 10 % reduziert
Die Deutsche Post DHL hatte sich für die Zeit von 2007 bis 2012 eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 10% vorgenommen. Dieses Ziel hat man schon 2010 erreicht, nun soll bis 2020 der CO2-Ausstoß nochmals um 30 % reduziert werden. Das will DHL unter anderem durch verbrauchsarme Lkw und Flugzeuge sowie durch intermodale Logistikketten erreichen, die allein eine CO2-Reduktion um bis zu 40% bewirken können. Eine Umfrage zeigte, dass 57 % der Geschäftskunden einen umweltfreundlichen Logistikdienstleister einem billigeren Anbieter vorziehen. Dennoch ist die faktische Zahlungsbereitschaft für besonders ökologische Angebote (noch) eher gering.
Nach Erfahrung von Fiege ist diese Bereitschaft noch am ehesten in der Konsumgüterindustrie vorhanden. Hier verlangen Endkunden zunehmend und aktiv nach nachhaltig produzierten Gütern, und der Nachweis CO2-reduzierender Maßnahmen wird als positiv gewertet. Fiege hat dazu ein ganzes Bündel von Einzelmaßnahmen etabliert, das die gesamte Wertschöpfungskette abdeckt und auch die Nutzung regenerativer Energien (seit 1992) vorsieht. Seit 2004 ist das Umweltmanagementsystem von Fiege nach DIN EN ISO 14001 zertifiziert.
Auch aus der Sicht von Pfenning Logistics zahlt sich ein Engagement in Sachen CO2-Reduzierung langfristig aus. Uwe Nitzinger, Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing: „Insbesondere Kunden im B2C-Bereich und im Lebensmitteleinzelhandel wünschen verstärkt die Bereitstellung entsprechender Kennzahlen.“
Dass die Verlader die stetig wachsenden Anforderungen an Green Logistics zurzeit nicht unbedingt angemessen honorieren möchten, ist für Pfenning nicht der entscheidende Faktor: „Logistikdienstleister sollten Green Logistics und Nachhaltigkeitsbestrebungen nicht als Trend von heute verstehen, sondern als ´business as usual´ von morgen. Zudem bedeutet die Reduzierung von CO2 letztlich nichts anderes als die Erhöhung von Effizienz - und hier bewegen wir uns in der Kerndomäne des Logistikers.“
Wenn es um Effizienz geht, kann und muss auch die Software ihren Beitrag leisten. Sie ist das Schlüsselelement bei der Optimierung der Warenströme und kann, beispielsweise durch genauere Vorausplanung und bessere Auslastung, den logistikbedingten Energieverbrauch senken. Zudem gibt es Systeme, etwa von AEB, die dem Anwender ökologische Kennzahlen zur Verfügung stellen und damit die Entscheidung für CO2-reduzierte Transportvorgänge erleichtern.
Forschen für die Grüne Logistik
Wie aktuell das Thema Grüne Logistik ist, zeigt auch das Interesse an praxisorientierten Verbundprojekten der Forschung. Das Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik (IML) beispielswiese hat ein Effizienzcluster ins Leben gerufen, an dem sich elf Unternehmen beteiligen. Zu den Projekten des Clusters gehört auch die Entwicklung eines CO2-neutralen Luftfracht-Hubs - ein hochaktuelles Thema, denn 2012 startet der Emissionshandel für den Luftverkehr.
Der Überblick zeigt, dass es für Verlader, die Grüne Logistik wünschen, eine Fülle von Angeboten gibt. Viele Anwender fragen gezielt nachhaltige Logistik-Dienstleistungen nach und geben demjenigen den Zuschlag, der auch diese Frage überzeugend beantworten kann. CEVA hat so einen umfassenden Dreijahresvertrag mit der niederländischen Telefongesellschaft KPN verlängert. Dabei zählte auch das Argument, dass CEVA den Standort, an dem ein Großteil der Dienstleistungen erbracht wird, energetisch optimiert und künftig rund 30 % weniger Strom verbrauchen wird.
Der Druck kommt also auch von der Kundenseite, und er wird in Zukunft sicherlich wachsen - Grund genug für jedes Logistik-Unternehmen, sich auch dann als umweltbewusster Anbieter zu profilieren, wenn sich dieses Engagement zurzeit noch nicht in Euro und Cent auszahlt, der Kunde also für dezidiert umweltfreundliche Logistik nicht mehr bezahlen möchte. Aus Kundensicht zeigt die Übersicht: Die Logistikbranche ist gut vorbereitet, die Angebote sind da. Jetzt sind die Anwender am Zuge.
Zahlen zu den logistikbedingten CO2-Emissionen
Dass es durchaus sinnvoll ist, sich mit den Umweltauswirkungen der Logistikkette zu beschäftigen, zeigen folgende Zahlen. Nach Angaben von CEVA steht die „reine“ Logistik für 5,5 % des gesamten internationalen CO2-Ausstoßes. Das „International Panel on Climate Change (IPCC) gibt an, dass Logistik und Transport zusammen für 23 % aller Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich sind.
Absolut gesehen führte der international zunehmende Güterverkehr von 1990 bis 2008 zu einer Steigerung der Emissionen um 45 %, während die gesamten treibhausgasemissionen von 1990 bis 2005 um 2 % sanken. Der CO2-Ausstoß pro Tonne sank in diesem Zeitraum zwar um immerhin 18%, aber der starke Anstieg des Warenverkehrs hat diese Reduzierung mehr als kompensiert. Das heißt: Die Logistik ist gefordert, „grüner“ zu werden und Emissionen zu reduzieren.
Dabei stehen Transport und Verkehr an erster Stelle, denn auf sie sind rund 75 % des gesamten logistikbedingten CO2-Ausstoß zurückzuführen. Rund 25 % werden durch die Förder- und Lagertechnik verursacht. Davon wiederum entfallen nach Untersuchungen von Vanderlande Industries 50 % auf die Technik für Fördern, Lagern und Kommissionieren, 35 % auf Heizung/Lüftung/Klima und 15 % auf die Beleuchtung.

AEB, D-70597 Stuttgart, E-Mail: [email protected], http://www.aeb.de
CEVA Logistics GmbH, D-60327 Frankfurt, E-Mail: [email protected], http://www.cevalogistics.com
Schenker Deutschland AG, E-Mail [email protected], www.dbschenker.com/de
Deutsche Post AG, E-Mail: [email protected], http://www.dp-dhl.com

Fiege Deutschland GmbH & Co. KG, E-Mail:[email protected], http://www.fiege.de
Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, E-Mail: [email protected], www.iml.fraunhofer.de
Hellmann Worldwide Logistics GmbH & Co. KG, E-Mail: [email protected], http://www.hellmann.net
KMP Holding GmbH, E-Mail: [email protected], http://www.pfenning-logistics.com









