Lager- und Regalsysteme
Metamorphose: Vom Möbelwerk zum Fertigwarenlager
Der Automobilzulieferer Mubea hat in Weißensee, Thüringen, die ehemalige Produktionsstätte eines Büromöbelherstellers in ein zentrales Fertigwarenlager verwandelt. Mubea konnte in der bestehenden Halle seine Vorstellungen von einer effizienten Infrastruktur für die Intralogistik umsetzen. Auch bei den Regalen. Sie stammen vom internationalen Regalspezialisten Nedcon.

Wenn man sich von Erfurt kommend dem kleinen Städtchen Weißensee nähert, ist das Werk der Mubea Fahrwerksfedern GmbH nicht zu übersehen. Hier in Thüringen produziert der Automobilzulieferer Muhr und Bender seit 1992 Stabilisatoren und Achsfedern. Direkt neben der Fertigung steht das Lager. In dem Gebäude, das sich heute nahtlos in das Firmengelände einfügt, entstanden früher Büromöbel. Als sich der Hersteller zurückzog, war plötzlich diese Halle vakant: 20.000 Quadratmeter, keine 500 Meter von der Mubea-Produktion entfernt. Ideal gelegen für ein zentrales Fertigwarenlager. Die Routenzüge aus der Produktion erreichen es, ohne das Betriebsgelände zu verlassen.
„Kein Hochregallager, aber ein hohes Palettenlager“

So ideal die Lage – so ungewiss waren die Voraussetzungen. „Wir mussten erst einmal in Erfahrung bringen, ob die ehemalige Produktionshalle für unsere Zwecke überhaupt geeignet ist“, erinnert sich Philip Uszkurat (Mubea Corporate Logistics). Immerhin schwebte den Intralogistikern eine stattliche Anlage vor, die nach Uszkurats Worten „zwar kein Hochregallager, aber allemal ein sehr hohes Palettenlager werden sollte“. Die 105 Meter langen und acht Meter hohen Regale, insgesamt sind es 14 Reihen, schaffen 7.300 Stellplätze. Belegt werden sie mit sowohl mit internen als auch OEM-Ladungsträgern. Das Werk verpackt die fertigen Teile in die etwa 30 verschiedenen Behälter, die chaotisch im Regal ihren Platz finden. Jeder Behälter wiegt zwischen 500 und 800 Kilogramm.
Nedcon frühzeitig eingebunden
Schon in einer frühen Planungsphase wurde der Regalbauer Nedcon eingebunden. Die Tochtergesellschaft des Stahlkonzerns Voestalpine konzipiert und realisiert Systeme für voll- und halbautomatische Lager sowie manuelle Regale mit integrierten Systembühnen.
U-Profile verringern punktuelle Bodenbelastung
Weil ein Gutachten fehlte, mussten Kernbohrungen darüber Klarheit schaffen, ob der Boden unter dem Hallenbelag die schweren Regale trägt. Um auf Nummer sicher zu gehen, schlug Nedcon vor, die Regale auf Lastverteilern zu platzieren. „Der punktuelle Druck, den konventionelle Regalfüße auf den Boden ausüben, wäre zu groß gewesen“, erläutert Nedcon-Kundenberater Bart Pulles. Deshalb stehen alle Regale auf U-Profilen aus Stahl, die an der schmalen Seite die gegenüberliegenden Füße miteinander verbinden.
Geringe Gangbreite dank Schubmaststaplern
In der Halle befinden sich 16 Säulen, die das Dach stützen. „Nedcon hat eine Idee entwickelt, wie wir die Säulen in die Regale integrieren“, sagt Uszkurat. „Das bringt den Vorteil, dass sie unseren Staplern bei der Ein- und Auslagerung nicht im Weg stehen.“ Bei besagten Flurförderzeugen hat sich Mubea für Schubmaststapler entschieden. Im Gegensatz zu konventionellen Frontstaplern begnügen sie sich mit einer Arbeitsgangbreite von drei Metern. Ein echtes Plus für die Nutzfläche. Schließlich galt es, so viel Lagerkapazität wie möglich zu schaffen. Da kann niemand überbreite Gänge gebrauchen.
Eingelegte Gitterroste als Regalböden

Als weitere Herausforderung für die Planer erwiesen sich die von den OEMs vorgegebenen Transportbehälter. Denn manche von ihnen besitzen kleinflächige Füßchen, die an die Absätze von Stöckelschuhen erinnern und eine entsprechende Belastung auf den Regelboden bringen. Von solchen Besonderheiten wollte sich Mubea in seiner Freiheit bei der Nutzung des Lagers nicht beeinträchtigen lassen. Die Vorgabe lautete: Die Regale so konzipieren und auslegen, dass Mubea jeden Stellplatz mit jedem OEM-Ladungsträger belegen kann. Das galt ungeachtet von Format und Gewicht für unterschiedliche Paletten, Gitterboxen und andere Mehrweg-Lademittel. Man könnte auch sagen: Der Automobilzulieferer wollte chaotische Lagerhaltung in Reinkultur. „Ausnahmen oder Kompromisse ließ Mubea für keinen Quadratmeter der Regalanlage zu“, betont Pulles die Konzepttreue seines Kunden. Es kommen ausschließlich massive Gitterroste als Regalböden zum Einsatz. Jeder davon kann alle Ladungsträger aufnehmen. Um die Höhe der einzelnen Regalplätze besser zu nutzen, hat sich Mubea für eingelegte Roste entschieden. Dadurch gewinnt das Regal an Stabilität.
„Nicht einfach alles abreißen“
Mubea und Nedcon ist es gelungen, aus den vorgegebenen Räumlichkeiten das Optimum herauszuholen. Entstanden ist ein hochfunktionales Fertigwarenlager, dessen Regalanlage den logistischen Mittelpunkt bildet. Heute gehen täglich 800 Behälter rein ins Lager und wieder heraus. Nichts erinnert daran, dass hier früher Büromöbel produziert wurden. Geblieben sind die Halle und ein gewisser Respekt vor der fünfundzwanzig Jahre alten Bausubstanz. „Man kann ja nicht einfach alles abreißen und neu hinstellen“, sagt Uszkurat.
Andreas Pietsch









