Lager- und Regalsysteme

Franken, Spanien, Schweiz. Das Regal hält.

Um Lager- und Regaltechnik wird in der Intralogistik meist eher wenig Aufhebens gemacht – gerade im Hype um Industrie 4.0. Dabei wird ihr sehr viel abverlangt: Funktionalität, höchste Qualität und Zuverlässigkeit, Modularität und Erweiterungsfähigkeit. Die folgenden Beispiele zeigen, wie maßgeschneiderte Lager- und Regalanlagen das ihre dazutun, um Lagerprozesse effizienter und wirtschaftlicher zu gestalten.

Nürnberger Logistikzentrum von Kühne + Nagel
Mit dem Stützen- und Traversen-System der PRO-Familie hat Bito im Nürnberger Logistikzentrum von Kühne + Nagel Palettenregale für jede Belastung konfiguriert. Foto: Bito-Lagertechnik

Bito-Lagertechnik hat das neue Logistikzentrum von Kühne + Nagel im Bayernhafen in Nürnberg mit unterschiedlichen Lagertechniken ausgestattet. Entsprechend den sehr unterschiedlichen Waren und Gütern wurden in den beiden insgesamt 30.000 Quadratmeter großen Hallen Kragarm-, Fachboden- und Palettenregalanlagen, eine Stückgut-Durchlaufregalanlage sowie eine mehrgeschossige Bühnenanlage eingebaut. Da sich nicht alle Waren in Behältern oder auf Paletten aufbewahren und stapeln lassen, wie beispielsweise lange und schwere Wellen oder Motoren, installierte Bito für beide Hallen ein- und zweiseitige Kragarmregale des Typs ES. „Mit unserem Baukasten stellten wir die Regale für die geforderte Aufgabe aus standardisierten Komponenten zusammen“, so Michael Blum, Projektleiter bei Bito. Der Baukasten enthält unterschiedliche Ständer und Füße, Kragarme in unterschiedlichen Nutztiefen und Dimensionierungen, Horizontal- und Diagonalverbinder, Armbrücken und Gitterebenen.

Belastbar und anpassungsfähig

Kabeltrommeln
Die bis zu 2.000 Kilogramm schweren Kabeltrommeln im Lager von Dimel Castilla sind für das Ablängen der gewünschten Kabelstücke gut erreichbar. Foto: AR Racking

Da die meisten Produkte auf Europaletten gelagert werden, installierte Bito Palettenregalanlagen des Typs PRO, insgesamt mehr als 7.000 Stellplätze. Blum: „Mit dem System ist jede Palette für die Mitarbeiter leicht zugänglich. Die Regalaufteilung lässt sich leicht verändern und bei Bedarf Fachhöhen anpassen, um neue Einlagerungsebenen einzufügen. Das ist für Kühne  + Nagel wegen des geplanten Wachstums wichtig. Mit dem Stützen- und Traversen-System der PRO-Familie können für jede Belastung anforderungsgerechte Palettenregale konfiguriert werden. Bito hat zudem eine zweigeschossige Bühnenanlage aufgebaut. Im Erdgeschoss wurden mehrere Regalzeilen für KLT-Behälter von Bito aufgestellt, die von den Mitarbeitern von beiden Seiten bedient werden können. Die Bühnenanlage lässt sich bei Bedarf in Richtung Hallenmitte erweitern. In der zweiten Halle hat Bito Einfach- und Doppelregalreihen errichtet, die mit Stützenschutz und Schutzplanken vor Beschädigungen geschützt werden.

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Für die Schnelldreher-Artikel ist die Stückgut-Durchlaufregalanlage (SDS) für Kartons mit unterschiedlichen Abmessungen und Gewichten bestimmt, mit der sich das Fifo-Prinzip einfach umsetzen lässt. Die Kommissionierung ist von der Beschickung getrennt, und die Artikel-Verfügbarkeit ist durch den selbständigen Nachlauf des Lagergutes stets sichergestellt.

Umhängen der Fachböden ist jederzeit möglich

Auf 10.000 Quadratmeter Logistik- und Lagerfläche in Berlin-Rudow lagert der An- und Verkaufsshop reBuy mehr als 2,5 Millionen gebrauchte Elektronik- und Medienartikel. Nun hat das Unternehmen seine fünfstöckige Fachbodenregalanlage, die jetzt insgesamt 3.900 Quadratmeter umfasst, zum zweiten Mal mit der Franz X. Rauscher KG erweitert. Der neue Teil mit 23,5 x 31 Meter Grundfläche schließt direkt an die 1.300 Quadratmeter von 2013 an. Nach sechs Wochen Montagezeit hat Rauscher F.X. den fast baugleichen Abschnitt im Juni 2016 termingerecht übergeben. Die Anlage umfasst wie der erste Teil vier Zwischendecken, ein rauchdicht eingefasstes Treppenhaus und eine durchgängige Sprinkleranlage.

Fachbodenregalanlage
Die Fachbodenregalanlage im Berliner Logistikzentrums von reBuy wurde auf insgesamt 3.900 Quadratmeter erweitert. Die Anlage lässt sich durch einfaches Umhängen der Fachböden jedem Wandel im Sortiment anpassen. Foto: Rauscher F.X.

Die zwei Bauabschnitte von Rauscher F.X. nutzen im Vergleich zur ursprünglich angeschafften Regalanlage mit Fachböden im Standardmaß von 100 und 1.300 Millimeter Länge rund fünf Prozent mehr Platz. Bei einer Fachtiefe von 300 bis 400 Millimeter sind die Längen der leicht nach hinten abfallend eingehängten Fachböden mit 1.225 und 1.075 Millimeter exakt auf die Kunststoffbehälter und die Geometrie der Halle abgestimmt. Die Anlage lässt sich werkzeuglos durch einfaches Umhängen der Fachböden jedem Wandel im Sortiment anpassen und jederzeit durch den nächsten Bauabschnitt erweitern.

Platz für schwere Kabeltrommeln

Das zur Sonepar-Gruppe gehörende Unternehmen Dimel Castilla, Distributor für Elektrobedarf und Spezialist für Beleuchtung und Elektromaterial, hat AR Racking mit der für die intralogistischen Anforderungen adäquaten Auswahl und Realisierung der Lagertechnik in seinem neuen Logistikzentrum im spanischen Leganés beauftragt. AR hat ein aus unterschiedlichen Lagertypen bestehendes Lagersystem installiert, das drei verschiedene Bereiche umfasst: eine Zone mit einem konventionellen Palettenlagersystem, eine weitere zur Lagerung von Kabeltrommeln sowie einen Picking-Bereich.

Das konventionelle Palettenlagersystem bietet den Vorteil eines direkten und unmittelbaren Zugriffs und passt sich jeder Art von Lagergut und Flurförderzeugen an. Die Anlage mit sieben Meter Rahmenhöhe bietet 2.732 Stellplätze für bis zu 900 Kilogramm schwere Paletten. Der Kommissionierbereich ist für 1.064 Picking-Positionen ausgelegt. Als Fachböden der 3,5 Meter hohen Anlage dienen Gitterpaneele. Bei Bedarf kann das System als Mehrgeschoss-Anlage auf acht Meter Höhe erweitert werden. Zudem wurde ein sechs Meter hohes Lager für die Aufnahme von 528 bis zu 2.000 Kilogramm schweren Kabeltrommeln errichtet.

Mit dem neuen Lagersystem will Dimel Castilla seine Wettbewerbsfähigkeit erhöhen, die Effizienz des Kundenservice steigern und weiteres Wachstum generieren, wie Geschäftsführer Roberto Martinez betont, der die gute Zusammenarbeit mit AR Racking hervorhebt.

Ware rollt einfach nach vorne

Verteilzentrum der Denner AG
Im Verteilzentrum der Denner AG in Schmitten bewähren sich Durchlaufregale für die Kommissionierung von Getränkepaletten. Foto: Galler

Die Denner AG, ein Lebensmittel-Handelsunternehmen in der Schweiz, hat in einem mehrjährigen und vier Phasen umfassenden Projekt ihr Logistikzentrum in Schmitten mit neuen Lagersystemen ausgestattet. Realisierungspartner war die Galler Lager- und Regaltechnik, Kulmbach, mit der Denner seit 2010 zusammenarbeitet.

In der ersten Phase wurden im Jahr 2010 zwei Paletten-Durchlauflager für die Getränke-Kommissionierung installiert. Wie Philippe Honegger, der Leiter der Verteilzentrale, erläutert, sind die „Palettendurchlaufregale sehr kompakt gebaut“, und die maximale Tragfähigkeit kann individuell definiert werden. Ist der richtige Anstellwinkel in den Regalen einmal eingestellt, rollt die Ware ohne jegliche elektrische Antriebe nach. Wie Honegger betont, „sollte es unseren Kommissionierern durch lagertechische Maßnahmen ermöglicht werden, bei gleicher Aktivität mehr Ware kommissionieren zu können. Der Kommissionierer geht heute kürzere Wege und er muss nicht mehr warten, bis neue Ware am Lagerplatz bereit steht“. Hierzu tragen auch die Einschubregale bei, die in der zweiten Phase in das Hochregallager eingebaut wurden. Diese bringen hinsichtlich der Anzahl der Paletten eine Kapazitätssteigerung und verbessern die Effizienz bei der Kommissionierleistung.

Einschubregale für Schnelldreher

„Die Einschubregale sind für schnell drehende Waren bestimmt, beispielsweise für Toiletten- oder Haushaltspapier“, so Honegger. „Wir müssen eine gewisse Umschlagshäufigkeit vorweisen können, damit sich die Abarbeitung im Einschubregal rentiert“.

In der dritten Phase wurde im Oktober 2014 das bestehende und in die Jahre gekommene Palettenhochregallager komplett saniert. Und in der vierten Phase der Lageroptimierung wurden zwei weitere Einschubregale in das Hochregallager eingebaut.

Stabile Stützen der Intralogistik

Nedcon Lagersysteme
Seit mehr als 40 Jahren produziert Nedcon Lagersysteme und Regaltechnik und kann mit seinen Standardkomponenten Anlagen für die unterschiedlichsten Einsatzanforderungen generieren. Foto: Nedcon

Seit mehr als 40 Jahren produziert Nedcon Lagersysteme und Regaltechnik und bietet für die Lagerung von Kleinartikeln die passenden Lösung. Das Spektrum reicht von Paletten und Durchlaufregalen über Einfahr-, Fachboden- und Großfachregale bis hin zu automatisierten Paletten- und Kleinteilelagern. Wie das Unternehmen meldet, kann es mit dem „Vorrat an Standardkomponenten 98 Prozent des Marktbedarfs problemlos abdecken“. Die Paletten-Regalanlagen lassen sich unkompliziert mit Bühnen, Durchlaufregalen oder anderen Regalen kombinieren. Nedcon bietet ein Angebot an Ständerrahmen und Tragbalken, mit denen sich „optimale projektspezifische“ Lösungen realisieren lassen.

Als Oberflächenbehandlung der Hauptkomponenten wird eine Epoxy-Pulver-Beschichtung eingesetzt, die das Material entsprechend schützt.

Eine weitere Besonderheit: Durch ein verschraubtes Rahmenfachwerk, das aus mehreren Diagonalstreben und zwei Ständerprofilen besteht, bildet sich der fertige Ständerrahmen. Die Diagonalprofile werden mit Schraubverbindungen an den Ständern befestigt.

Verformungen geschützt

Die als U-Profil ausgeführten Diagonalstreben haben an den Enden einen gekanteten Materialsteg, der beim Verschrauben mit dem Ständerprofil vor Verformungen schützt. Somit kann der Ständerrahmen auch unter Einfluss horizontaler Kräfte nicht verdrehen. Das Ständerprofil leitet die Punktlasten über die Fußplatte in den Boden. Durch die Abmessungen und Formgebung der Stahlqualität und Materialstärke werden die auftretenden Druckkräfte so verteilt, dass eine optimale Flächenpressung gewährleistet wird.

Systemregale
In diesen wandelbaren Systemregalen lassen sich Ersatzteile, Räder und Reifen raumeffizient lagern. Foto: Rauscher F.X.

Passgenau für Räder und Reifen

Mit den modularen Regalsystemen P30 und P50 von Rauscher F.X. können Händler, Werkstätten und Hersteller in der Automotive-Branche Ersatzteile, Räder und Reifen raumeffizient lagern. Die Systeme P30 und P50, die aus Grundregalen und Anbaufeldern bestehen, eigenen sich für Satz- und Achslagerung auf mehreren Bühnenebenen. Die Feldbreiten richten sich nach der Größe der Kundenräder. Die Maße der abgeschrägten Radtraversen, die sich werkzeuglos einhängen lassen, reichen von 1.000 bis 2.000 Millimeter. Das für dreigeschossige Anlagen geeignete System P30 bietet dazu ein Raster von 50 Millimeter, während P50 die Planung im 25-Millimeter-Raster auf vier Lagerebenen ermöglicht.

Je nach benötigter Tragfähigkeit kann bei den Ständern aus einer Anzahl von Profilen ausgewählt werden. Die Fußplatte ist in den Ständerrahmen integriert, sodass eine zusätzliche Montage nicht notwendig ist. Da Nedcon Ständerrahmen bis zu 14 Meter Höhe aus einem Stück liefern kann, sind keine Kopplungen notwendig.

Reinhard Irrgang

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