Lager- & Kommissioniertechnik
Nedcon realisiert modernes Lager bei Roy Robson
An der Peripherie von Lüneburg hat Roy Robson ein neues Lager errichtet, das seit April 2018 in Betrieb ist. Anzüge, Sakkos, Hosen, Jacken und Mäntel der Lifestyle-Marke für Männermode erreichen und verlassen das Warehouse hängend. Die Stahlkonstruktion hat Nedcon konzipiert. Als Projekt-Realisierer entwickeln, produzieren und montieren die Niederländer kundenspezifische Lagersysteme jeder Art und Größe.
Im Lager rumhängen. Was den meisten Chefs eher ein empörtes Räuspern entlockt, hat bei Roy Robson seine Richtigkeit. Denn im neuen Warehouse dreht sich fast alles um hängende Ware: erstklassige Anzüge, Sakkos, Hosen, Jacken und Mäntel sowie alles was man noch für den perfekten Auftritt benötigt. Wären alle 75.000 Einwohner Lüneburgs Männer, sie könnten sich komplett einkleiden mit dem, was Roy Robson hier auf 90 mal 90 Meter vorhält.
Als das mitten in Lüneburg angesiedelte Unternehmen in den 1980er-Jahren seine Fertigung mehr und mehr ins Ausland verlagerte, wurde die alte Produktionshalle zum Lager umfunktioniert. Dieses bot lange ausreichend Platz. Doch in City-Nähe gab es keine Expansionsmöglichkeiten. Deshalb entschied sich die Inhaberfamilie für einen Neubau in der Peripherie. Seit April 2018 ist dieser in Betrieb.
Größtenteils hängende Ware
Das Gros der Produktion erfolgt in einem eigenen Werk im türkischen Izmir. Die meisten Kleidungsstücke erreichen das Warehouse hängend. Lediglich Hemden, Strick- und Wirkteile, Krawatten und Socken werden liegend angeliefert und gelagert. Dementsprechend ist der Standort auf hängende und liegende Ware eingerichtet.
Planung und Bau lagen bei IWL und der Bremer AG. Die Fördertechnik stammt von Dürkopp. Den Stahlbau auf drei Etagen übernahm der Spezialist für Lagersysteme Nedcon. Das Unternehmen mit Sitz im niederländischen Doetinchem und einer deutschen Niederlassung in Bocholt hat massive Stahlträger, verchromte Stangen, Gitterroste und Treppen konzipiert, produziert und montiert. „Nedcon versteht sich weniger als Regallieferant, sondern mehr als Projekt-Realisierer“, erläutert Martijn Eckhardt, Vertriebsleiter Deutschland. Standardisierte Regale von der Stange sind nicht sein Ding. Wohl aber individuelle Lösungen, die die Anforderungen weiterer Gewerke von Anfang an berücksichtigen; etwa die der Elektriker und Installateure für Beleuchtung und Sprinkler. Da Nedcon seine Lagersysteme selbst fertigt, können die Planer individuelle Ergänzungswünsche der Auftraggeber mit einbeziehen. Das schafft Freiräume für die Umsetzung branchen- und gebäudespezifischer Anforderungen.
Teleskopkonstruktion für Be- und Entladung der Lkw
Der Weg ins Roy-Robson-Lager erfolgt über zwei Ladetore. Für jedes hat Nedcon eine Teleskopkonstruktion angefertigt. In einer Endlosschleife führt sie einen Metalltrolley nach dem anderen bis in den hinteren Bereich der Lkw-Ladeflächen. Dort werden die einzelnen Träger manuell mit rund 20 Kleiderbügeln behängt und gelangen über eine automatisierte Förderanlage ins Lager. Zwei baugleiche Teleskopkonstruktionen an den Ladetoren drei und vier befördern die Versandware in die Lkw.
Neuralgischer Punkt: Übergänge zwischen den Rohren
Im Innenbereich hat Nedcon dreizehneinhalb Kilometer verchromte Stahlrohre für die Hängeware verlegt. Nedcon hat die Rohre aus bis zu sechs Meter langen Einheiten zusammengefügt und wusste dabei die Spezialwünsche von Chef-Logistiker Thomas Drexler zu erfüllen. „Das muss rutschen“, hatte der Geschäftsführer der Roy Robson Logistik GmbH vorgegeben. Gemeint ist der möglichst kanten- und somit reibungslose Übergang zwischen den einzelnen Komponenten. „Wenn unsere Mitarbeiter gleichzeitig vierzig und mehr Bügel über die Rohre schieben, darf es an den Nahtstellen nicht haken.“ Deshalb hat er Nedcon gerade für diese neuralgischen Stellen höchste Präzision ins Pflichtenheft geschrieben. Die Lösung ist eine vierfach verschraubte Schnittstelle, die den einzelnen Elementen kein Spiel lässt.
Vor Produktionsbeginn der Stahlrohre baute Nedcon eine Probekonstruktion für seinen Kunden auf. Drexler und sein Team haben diese zuerst im Nedcon-Testzentrum Doetinchem begutachtet. Es folgten kleinere Anpassungen. Ein paar Tage später konnten sich die Logistiker bei einem weiteren Test im neuen Lager davon überzeugen, dass die Bügel optimal gleiten. „Solche Probeläufe geben schon vor der Installation die Sicherheit, dass man sich für die richtige Lösung entschieden hat“, weiß Drexler.
Projektabwicklung ohne Stolperfallen
Präzision war auch bei der Verlegung der Bodenplatten auf den von Nedcon errichteten Etagen eins und zwei gefordert. Verwendet wurden 5.000 Quadratmeter Gitterrost und 10.000 Quadratmeter Spanplatten. „Wir setzen regelmäßig Hubwagen ein“, erläutert Drexler. „Dabei dürfen keine Versprünge entstehen, die sich später zu Stolperfallen für unsere Mitarbeiter entwickeln.“ Apropos Stolperfallen. Die sollte es weder im übertragenen noch im echten Wortsinn geben. Voraussetzung sind möglichst wenig Schnittstellen im Prozess. Nedcon gewährleistet das durch persönliche Präsenz und Kompetenz. Aufträge werden von der Planskizze bis zur letzten Verschraubung begleitet. Nach Drexlers Einschätzung gibt es nur wenige Systemanbieter, die auf dem geforderten Niveau arbeiten. Dass die Niederländer dazugehören, wusste er, seit er zwei von Nedcon ausgestattete Lager für Hängeware besichtigt hatte. „Auch wenn wir die dortigen Konzepte nicht eins zu eins übernehmen wollten: Wir waren überzeugt, dass Nedcon der richtige Partner ist.“ Diese Einstellung hat sich während der Projektphase weiter gefestigt: „Mit allen beteiligten Unternehmen würde Roy Robson noch ein Lager bauen.“
Andreas Pietsch













