Kommissioniertechnik

Swisslogs Roland Martin im Interview: „Ziel ist es, Visionen in bestehende Lösungsansätze einzubringen“

Roland Martin ist Teamleader Sales & Consulting Retail / E-Commerce bei Swisslog. Im Gespräch mit Martin Schrüfer erklärt der E-Commerce-Fachmann, welche Robotik-Lösungen Swisslog in diesem Marktsegment zu bieten hat und wie sich die Schweizer von Mitbewerbern abgrenzen wollen.

„Wir arbeiten mit Hochdruck daran, unsere Vision von der vollautomatischen Einzelstückkommissionierung schnell zu einer marktreifen Lösung weiterzuentwickeln.“ Roland Martin, Swisslog © Swisslog

materialfluss: Herr Martin, welche Rolle spielt die Robotik im E-Commerce?

Roland Martin:
Schon heute ist es fast unmöglich, genügend Fachpersonal für die Logistik- und Verteilzentren des E-Commerce zu rekrutieren. Sieht man sich die Prognosen für die Branche genauer an, steht fest, dass die Logistik im E-Commerce ohne den Einsatz von Fahrerlosen Transportsystemen oder von Robotern, die eine gewisse Pickleistung allein und ohne menschliche Hilfe bringen, in Zukunft gar nicht mehr zu bewältigen sein wird. Wir von Swisslog arbeiten deshalb mit Hochdruck daran, unsere Vision von der vollautomatischen Einzelstückkommissionierung schnell zu einer marktreifen Lösung weiterzuentwickeln. Außerdem sehen wir ein großes Potenzial in der Entwicklung von schwarmintelligenten Fahrzeugen, um die Produktivität in den Verteilzentren weiter zu erhöhen. Ich bin mir sicher: Beide Ansätze werden der Durchschlagskraft von Robotersystemen noch einmal einen deutlichen Schub verleihen.

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mfl: Wie ist Swisslog hier aufgestellt und wie wird es mit dem Thema Robotik im E-Commerce organisatorisch und produktseitig weitergehen?

Martin:
Wir haben aktuell drei Robotiklösungen für die E-Commerce-Branche auf dem Markt. Zum Einen AutoStore, das platzsparende Ware-zur-Person-Kommissioniersystem, das wir mittlerweile schon in mehr als 100 Kundenanwendungen zum Einsatz bringen. Zum Anderen unsere beiden Eigenentwicklungen ItemPiQ für die vollautomatische Kleinteilekommissionierung und CarryPick, unsere FTS-Lösung für die Multichannel-Logistik. Für unser Lösungsangebot planen wir, den Fokus verstärkt auf den Softwarebereich zu richten. Unser Ziel ist es, neue Visionen in unsere bestehenden Lösungsansätze einzubringen. Allem voraus verfolgen wir die Vision des Learning Warehouse – einem Lager, das sich selbständig optimiert – und das softwareseitig die dafür notwendige Intelligenz zur Vermeidung von Auftragsstaus an den Kommissionierstationen bietet. Mit KUKA an unserer Seite sind wir gut aufgestellt, um Robotik-, Software- und Branchenkompetenz in unsere innovative Produktpalette einzubringen.

mfl: Haben Sie Zukäufe von spezialisierten Unternehmen geplant?

Martin:
Zu unseren konkreten Plänen kann und will ich mich an dieser Stelle natürlich nicht äußern. Fakt ist aber, dass wir uns in einem permanenten Evaluationsprozess befinden, wenn es um die Integration neuer Technologien in unser Portfolio geht. Entdecken wir Lücken in unserer Produktpalette oder neue Technologien, die gut zu uns passen, werden wir unser Know-how durch strategische Zukäufe verstärken.

mfl: Welche Felder für Intralogistikanwendungen sind für Swisslog neben dem E-Commerce-Bereich weiter wichtig?

Martin:
Swisslog verfügt über knapp 100 Jahre Erfahrung in der Logistikautomatisierung. In dieser Zeit haben wir einen enormen Erfahrungsschatz und sehr gute, partnerschaftliche Verbindungen zu Unternehmen aus dem Handel, der Lebensmittel- und Getränkeindustrie sowie der Pharmabranche aufbauen können. Wir kennen die spezifischen Herausforderungen dieser Branchen sehr genau und bringen ein exzellentes Verständnis für die Sicherheits- und Compliance-Vorschriften der Pharmabranche oder auch für die Anforderungen bei der Logistikautomatisierung in temperaturgeführten Bereichen mit.

mfl: Wofür steht Swisslog, oder anders gefragt, wie grenzen Sie sich vom Mitbewerber ab?

Martin:
Swisslog steht in erster Linie für Qualität, Innovation und langjähriges Branchen-Know-how. Wir verfügen über einen großen Erfahrungsschatz in der Realisierung maßgeschneiderter Großprojekte. Wir sind in 25 Ländern vertreten, und somit immer auch in geografischer Nähe zu unseren Kunden angesiedelt. Das heißt, wir bieten unseren Kunden die Möglichkeit, mit unserer Innovationskraft mitzuwachsen. Unser größtes Pfund ist unsere effiziente Produktpalette. Gerade im Hochregallagerbereich grenzen wir uns stark von unserem Wettbewerb ab, da wir unseren Kunden große Energieeinsparungseffekte ermöglichen. Durch den Zusammenschluss mit KUKA haben wir in eine sehr gute Ausgangslage, um unsere Robotikexpertise zu erweitern und zu einem Full-Service-Anbieter von Automatisierungslösungen im Industrie 4.0-Umfeld heranzuwachsen.

mfl: Ist E-Commerce in China ein Thema für Swisslog?

Martin:
China ist für Swisslog einer der attraktivsten E-Commerce-Märkte weltweit - und das nicht allein wegen der Größe des Landes und seiner verhältnismäßig geringen Ladendichte, sondern vor allem auch wegen der großen Aufgeschlossenheit der E-Commerce-Anbieter gegenüber Innovationen. Auf der Anbieterseite gibt es zurzeit einige Firmen, die neue Logistiklösungen auf den Markt bringen, so dass für Swisslog durchaus auch ein Mitbewerb entsteht. Die meisten Anbieter sind auf dem Markt aber nur mit einem einzigen Produkt, und nicht wie wir mit einer ganzen Produkt- und Lösungspalette, vertreten. Außerdem verfügt keines dieser Unternehmen über einen vergleichbaren Erfahrungsschatz in der Beratung, Planung und Durchführung von Großprojekten. Das sind genau die Punkte, die zum Beispiel bei JD.com, einem der größten Player des chinesischen Online-Handels dazu geführt haben, sich für Swisslog zu entscheiden.

mfl: Unterscheiden sich die Anforderungen an Anlagen von Swisslog dort von, sagen wir mal, europäischen Lagern?

Martin:
In China ist die Mentalität in der E-Commerce-Branche grundsätzlich eine andere. Es gibt zum Beispiel viele Unternehmen, die die Software-Integration neu dazu gekaufter Lagerkomponenten selbst vornehmen wollen. Außerdem trifft man im Unterschied zu den europäischen Logistik- und Verteilzentren in China noch sehr viel mehr auf manuelle Prozesse. Der Schwerpunkt bei der Lagerautomatisierung hat sich über die Jahre aber schon verändert. Während der Fokus anfangs noch auf dem Handling sperriger Güter lag, stoßen wir mittlerweile immer mehr auch im Leichtgut-Bereich auf großes Interesse.

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