FTS

Ein Hin und ein Her: Drei FTS helfen bei der Wartung bei Lufthansa

Flugzeuge sind wahre Hightech-Produkte, deren Instandhaltung einigen Aufwand mit sich bringt. Im Überholungs-, Entwicklungs- und Logistikzentrum der Lufthansa Technik AG in Hamburg ist ein Fahrerloses Transportsystem von MLR im Einsatz, um die einzelnen ausgebauten und wieder einzubauenden Teile zu transportieren und zu lagern.

Ein Hin und ein Her: Drei FTS helfen bei der Wartung bei Lufthansa
Ein Hin und ein Her: Drei FTS helfen bei der Wartung bei Lufthansa © Lufthansa Technik AG

Das Flugzeug gilt als sicherstes Verkehrsmittel. Mehr als drei Milliarden Mal im Jahr landen Flugpassagiere sicher an ihren Zielorten. Damit das so bleibt, werden Verkehrsflugzeuge regelmäßig intensiv auf ihre Sicherheit überprüft, gewartet und überholt. Zu den Unternehmen, die solche Wartungen, Reparaturen und Überholungen durchführen, gehört die Lufthansa Technik AG (LHT). 1994 als hundertprozentige Tochtergesellschaft der Deutschen Lufthansa AG gegründet, ist die LHT die Obergesellschaft des Lufthansa-Geschäftsfeldes Technik und der weltweiten Technik-Gruppe mit insgesamt 53 Gesellschaften. Anders als der Name vermuten lässt, arbeitet man aber nicht nur für die Lufthansa: Fast 800 weitere Fluggesellschaften und sonstige Betreiber von Verkehrsflugzeugen zählen zu den Kunden.

Herzstück des Unternehmens ist das Überholungs-, Entwicklungs- und Logistikzentrum in Hamburg am Flughafen. Heute arbeiten hier mehr als 7.500 Menschen. Die sorgen für die Instandhaltung von Motoren, Geräten und Komponenten und die Ausstattung von großen Geschäftsflugzeugen. Als einer der ganz wenigen Unternehmen hat die Lufthansa Technik als internationaler Konzern die gleichzeitige Lizenz als Herstellungs- und Entwicklungsbetrieb. „So gerüstet machen wir so ziemlich alles am Flugzeug - sogar die aufwendigen Ausrüstungen von VIP-Flugzeugen mit Live-TV, Internetzugang, speziellen Ausstattungen und anderen Sonderwünschen“, fasst Thomas Erich von der LHT-Unternehmenskommunikation zusammen.

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Gabelhubfahrzeug Phoenix
Gabelhubfahrzeug Phoenix lagert selbstständig eine beladene Rollpalette aus.

Überholt werden Airbus und Boeing In Hamburg sind es vor allem die größeren Langstreckenflugzeuge wie die Baureihen von Airbus A330, A340 und Boeing 747, die überholt werden. Während der A-Check, eine Wartung mit routinemäßiger Überprüfung von technischen Systemen, die für den sicheren Flugbetrieb wichtig sind, über Nacht im Hangar durchgeführt werden kann, dauern Überholungen wesentlich länger. Sie sind - je nach Flugzeugtyp - alle fünf bis sechs Jahre fällig. Dazu wird das Flugzeug entsprechend dem Arbeitsaufwand zwischen 23 und 30 Tagen aus dem Verkehr gezogen. In dieser Zeit werden in Hamburg in einem Dock, dem Dock 10, alle Kabinenteile wie Sitze, Küchen, Toiletten, Gepäckfächer, innere Wandverkleidungen und das Ladesystem im unteren Deck ausgebaut, auf Rollpaletten (LHT-Paletten) verladen und auf diesen unter tatkräftiger Mithilfe eines Fahrerlosen Transportsystems (FTS) von MLR in ein Zwischenlager, das bei LHT Hochregallager heißt, mit 260 Plätzen gebracht. Hier lagern auch Ersatzteile, Vorrichtungen und Werkzeuge. Die drei fahrerlosen Fahrzeuge (FTF) sind es auch, die das Material an sieben Tagen in der Woche in drei Schichten in die richtigen Werkstätten auf Anforderung der dort tätigen Mitarbeiter transportieren. In den Werkstätten wird jedes einzelne Teil gründlich untersucht, gegebenenfalls repariert und wenn nötig ausgetauscht. Sind diese Arbeiten abgeschlossen, kehren die Komponenten auf den Rollpaletten auf Geheiß der Werker mittels FTS zurück in das Zwischenlager und stehen dort mit dem Status „serviceable“ solange bereit, bis sie von einem Dock-10-Mitarbeiter zum Einbau in das Flugzeug abgerufen werden.

Frei navigierende Radarmstapler auf Tour

Bei den batterie-elektrisch angetriebenen Transportfahrzeugen vom Typ Phoenix R-0,3 MR handelt es sich um Gabelhubfahrzeuge in Dreirad-Ausführung, die automatisch mit einer Geschwindigkeit von maximal 1,5 m/s vorwärts und rückwärts fahren können. Sie haben eine Hubplattform als Lastaufnahmemittel mit 0,3 Tonnen Tragfähigkeit. Die Lastaufnahme und -abgabe erfolgt bodeneben und - im Zwischenlager - bis zu einer Höhe von 5.400 Millimeter. Die Fahrzeuge navigieren frei, das heißt, sie finden ihren Weg ohne Leitdraht im Boden. Anhand der Informationen aus dem Magnet-Navigationssystem bestimmt der Fahrzeugrechner die aktuelle Position und steuert die Fahrzeuge entlang der per CAD-System generierten Fahrstrecken. Die Länge des gesamten FTS-Fahrkurses beträgt rund 500 Meter. Jedes Fahrzeug ist mit allen Sicherheitseinrichtungen, nämlich je ein Laserscanner vorn und hinten sowie seitliche Schaltleisten ausgestattet. Für die Energieversorgung der Fahrzeuge sorgen Panzerplatten-Blei-Batterien PzS 48 Volt / 270 Ah. Die Batteriekapazität ist auf eine Betriebszeit von 16 Stunden ausgelegt. Dadurch ist innerhalb der Hauptbetriebszeit keine Batterieladung vonnöten. Nach Ende der Spätschicht fahren die FTF selbsttätig eine automatische Batterieladestation an. Das Nachladen der Batterien dauert weniger als acht Stunden. Um die Transportleistung im LHT-Zentrum zu einhundert Prozent zu erreichen, hätten auch zwei automatische Gabelhubfahrzeuge ausgereicht. Daher ist das dritte Gerät ein Reservefahrzeug, das aber in den täglichen Ablauf mit eingebunden ist.

LogOS lässt Tore öffnen

Intelligenter Kern des Systems ist das multifunktionale Logistic Operating System „LogOS“, die MLR-eigene Software für die Steuerung komplexer Materialflussströme. Neben den Transportaufträgen steuert der Leitrechner auch die FTF. Die selbstständig fahrenden Fahrzeuge müssen auf dem Fahrkurs vier Rolltore durchfahren. Sobald sich ein Fahrzeug den Toren nähert, sorgt LogOS dafür, dass sich die Tore automatisch öffnen. Zudem gibt es auf dem für die Fahrzeuge eingerichteten Fahrkurs einen Kreuzungsverkehr mit bemannten Staplern und Fußgängern. Selbstverständlich haben die FTF in allen Fahrkursbereichen gegenüber den Staplern Vorrang.

Das Fahrerlose Transportsystem von MLR wird von den Mitarbeitern bei Lufthansa Technik mittlerweile rund vier Jahre genutzt. Während dieser Zeit führt man regelmäßig Buch über die Verfügbarkeit der Anlage. Dazu Joachim Beck aus dem Bereich Fahrzeugüberholung bei LHT, der das System ,wie seine Westentasche‘ kennt: „Die Verfügbarkeit des FTS erreicht pro Woche nicht selten Werte von 99,6 Prozent.“ Ein sehr guter Wert, wie der Fachmann bekräftigt.

Wolfgang Degenhard

Kontakt:

Lufthansa Technik AG 22313 Hamburg Tel.: 0 40 / 5 07 00 E-Mail:

MLR System GmbH 71640 Ludwigsburg Tel.: 0 71 41 / 97 48-0 E-Mail: [email protected] www.mlr.de

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