Aus materialfluss 4/2020
Tube-Picking: Manuelle Eingriffe sind passé
Mit einem Tube-Picking-System von Trafö-Förderanlagen bestückt Sedus Stoll die Rohrlaseranlage mehrschichtig im Takt von weniger als einer Minute vollautomatisch mit neuem Material: Roboter, 3D-Erkennung, Vakuumwerkzeug und Förderstrecke greifen inneinander.
Sedus Stoll, weltweit tätiger Anbieter für Büromöbel, stellt seit 1871 hochwertige Sitzmöbel her, seit 1926 ausschließlich für Büros. Was einst mit dem „Federdrehstuhl“ begann, ist heute zigtausendfach in verschiedenen Variationen in der ganzen Welt verbreitet. Die Firma expandiert, wächst und erweitert fortlaufend das Firmengelände. 2018 wurde eine vollautomatische Beladeeinheit eingeführt, die auf die speziellen Bedürfnisse und Anforderungen der bestehenden Rohrproduktion angepasst ist. Diese Beladeeinheit beschleunigt den Produktionsablauf im mehrschichtigen Betrieb. In Zusammenarbeit mit Trafö-Förderanlagen entstand eine Lösung, mit der Sedus Stoll den bestehenden BLM-Rohrlaser über eine Robotereinheit mit spezieller, dreidimensionaler Lasertechnik und eigens entwickelter Software mit Einzelrohren aus dem Langgutlager vollautomatisch versorgt.
Material Handling mit Roboter
Trafö-Förderanlagen erhielt von Sedus Stoll den Auftrag, das bestehende Rohrlager technisch zu erweitern, sodass einzelne Arbeitsschritte automatisch und effizient durch Roboterhandling erfasst und ausgeführt werden können. Die gesamte Einheit besteht aus einem Roboter mit einem 3D-Erkennungssystem, einem produktspezifischen Vakuumwerkzeug, einer Förderstrecke vom Langgutlagersystem bis zum Rohrlaser und einer Abgabestelle am Rohrlaser. Das noch vor der technischen Erweiterung bereits vorhandene Langgutlagersystem bei Sedus Stoll wurde mit einem Trafö-Retrofit auf den neuesten technischen Stand gebracht. Damit alle Handling-Komponenten exakt miteinander kommunizieren können, hat Trafö eine spezielle Softwarelösung für den prozesssicheren Ablauf auf allen Produktionsstufen entwickelt.
Auftrag per Tablet
Interne Arbeitspläne verschaffen den Mitarbeitern einen Überblick über anstehende Laseraufträge. Der dafür benötigte Materialbedarf wird mittels Tablet direkt am Rohrlaser angefordert. Das Lagersystem erhält nun die Info, das angeforderte Material an der Roboterzelle bereitzustellen. Gleichzeitig erhält der Roboter alle wichtigen Daten der angeforderten Rohre: Abmessungen, Geometrie, Gewicht und Stückzahl. Die angeforderten Systemkassetten, in denen unterschiedliche Rohrtypen eingelagert sind, werden am Roboter in Stellung gebracht. Dann beginnt das „Tube-Picking“.
Nachgreiffunktion für chaotische Lage
Der Roboter scannt mit dem 3D-Scanner die Systemkassette und erfasst Lage und Position der Rohre. Sind die Daten ermittelt, findet ein Datenabgleich mit den zuvor gesendeten Informationen statt. Bei Übereinstimmung wählt der Roboter selbständig eines der Werkzeuge aus und greift in die Kassette, um das Rohr aufzunehmen. Position, Lage und Neigungswinkel des Werkzeugs werden automatisch an die tatsächlich ermittelte Lage des ausgewählten Rohrs angepasst. Bei chaotischer Lagerung in der Kassette sorgt die Zusatzfunktion „Nachgreifen“ dafür, dass der Roboter das erforderliche Material zuverlässig aufnimmt. Sollten sich Rohre verkanten oder das Vakuum nicht zuverlässig aufgebaut werden, wird über die Nachgreiffunktion die Kassette erneut gescannt und das ermittelte Rohr wieder aufgenommen. Die Nachgriffintervalle sind individuell einstellbar.
Förderstrecke als Vorpuffer
Das aufgenommene Rohr wird in eine Förderstrecke oberhalb der Station abgelegt und zum Rohrlaser transportiert. Hier wird das Rohr mittels Senkförderer direkt an die Aufnahmevorrichtung des Rohrlasers übergeben. Die Länge der geteilten Förderstrecke wird gleichzeitig als Vorpuffer genutzt. Es werden also mehrerer Rohre hintereinander in die Förderstrecke eingebracht, woraus eine durchgängige Versorgung der Laseranlage resultiert. Durch dieses Tube-Picking-System kann Sedus Stoll die Rohrlaseranlage mehrschichtig im Takt von weniger als einer Minute vollautomatisch mit neuem Material bestücken – ohne manuellen Eingriff. Diese Art der Produktionstechnik hat für Betriebe, die im Mehrschichtbetrieb sicher und effizient Rohrlasermaschinen betreiben wollen, Vorteile – besonders dann, wenn im Produktionsalltag mehrere Materialwechsel stattfinden. Durch die automatische Zuführung von Einzelrohren wird der Transport ganzer Bunde oder auch Restbunde überflüssig. Manuelle Eingriffe werden auf ein Minimum reduziert, Maschinenauslastungen erhöht und der Anlagenbetrieb wirtschaftlich besser ausgeschöpft.
Über den Lösungsanbieter
Trafö bietet Lösungen für innerbetriebliche Logistikanforderungen. Das Unternehmen ist Vertragspartner von Linde Material Handling und positioniert sich als Partner für Gabelstapler und Lagertechnik in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Trafö bietet zudem einen Mietservice mit 500 Geräten, unter anderem Elektrostapler, Dieselstapler, Arbeitsbühnen und Sonderfahrzeugen zur Kurz-, Mittel- und Langzeitmiete an.
1990 wurde die Transport- und Fördertechnik – kurz Trafö GmbH – gegründet. 1993 hatte das Unternehmen, laut eigenen Angaben, in der Region im Staplervertrieb bereits einen Marktanteil von rund 49 Prozent. 2006 gaben die Firmengründer Dieter Henning und Ulrich Stropp die Geschäftsleitung an die nächste Generation ab: Volkmar und Ralph Henning, Ulrike Heinemann geb. Stropp und Jörg Kollmorgen. Das Unternehmen wuchs beständig: Ende 2016 feierte Trafö die Eröffnung eines neuen 3.300 Quadratmeter großen Bürokomplexes im GVZ Wustermark. Trafö hat zudem im Juni 2019 das bisherige Vertriebsgebiet Berlin/Brandenburg um die Region Mecklenburg-Vorpommern mit einem weiteren Standort in Neubrandenburg erweitert.











