Modernisierung von Lagern

Strategien gegen den Zahn der Zeit

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Modernisierung von Lagern ist aus der Anbietersicht ein interessantes Geschäftsfeld und aus Sicht des Betreibers oft eine interessante, weil kostensparende Alternative zum Neubau. Was aber muss der Betreiber beachten, der eine Modernisierung ins Auge fasst? Wir klären auf. Die 80er und 90er Jahre waren Boom-Zeiten für die Materialflusstechnik: Die Automatisierung schritt immer weiter voran, die Warenströme wurden größer und globaler, Speditionen wurden zu Logistik-Unternehmen mit eigenem „Warehousing“ - kurz: Es wurden viele Lager gebaut, die nun in die Jahre gekommen sind. Entsprechend groß ist der Bedarf an Modernisierungsmaßnahmen, mit denen das Lager „up to date“ gehalten oder in seiner Leistungsfähigkeit gesteigert wird.

Dass das ein interessantes Aufgabenfeld ist, zeigt sich schon daran, dass einige Anbieter wie SSI Schäfer und Westfalia eigene Geschäftsbereiche eingerichtet haben, die sich ausschließlich mit dem Themenfeld der Modernisierung befassen. Und nahezu jeder Hersteller von Anlagen der Förder- und Lagertechnik kann aktuelle Beispiele für solche Modernisierungen nennen.

Drei Arten der Modernisierung

Durch eine Generalüberholung der Mechanik im Rahmen einer Revision kann man die System-Lebensdauer deutlich verlängern.

Genauer betrachtet, sind unter diesem Begriff verschiedene Aufgaben zusammengefasst. Wenn ein Lagerbetreiber seine Anlagen nicht „in Schuss“ gehalten hat und plötzlich feststellt, dass es z.B. für einen ausgefallenen Antrieb, ein defektes Regalbediengerät oder eine Steuerung älteren Datums kein Ersatzteil bzw. keinen Support mehr gibt, muss schnell und punktuell modernisiert, d.h. Neues gegen Altes ausgetauscht werden .

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Ist der Betreiber vorausschauender, wird er seine Anlagen sukzessive erneuern und z.B. abgekündigte Steuerungen gegen aktuelle Generationen austauschen wollen. Das kann man mit größerem zeitlichen Vorlauf erledigen und dabei - falls gewünscht - neue Funktionen einbringen oder Kommissionierzeiten verkürzen.

Die dritte, grundlegende Art der Modernisierung ist dann erforderlich, wenn das Lager oder einzelne Bereiche höhere Anforderungen an Kapazität, Umschlagsmengen oder Kommissionierqualität (um nur Beispiele zu nennen) erfüllen müssen.

Bei allen drei Arten der Modernisierung ist es zumeist unerlässlich, die Arbeiten bei laufendem Betrieb durchzuführen. Das setzt eine sehr sorgfältige Planung voraus. Der alte Grundsatz „Gute Planung ist die halbe Arbeit“ ist hier fast untertrieben: Der Anteil, der auf eine sorgfältige Planung entfällt, dürfte eher noch höher sein. Einige der Fragen, die sich Anwender und Planer dabei stellen, sind im Textkasten (s.u.) aufgeführt. Einige Anbieter haben eine eigene Systematik entwickelt, um Modernisierungsaufgaben möglichst planvoll abzuarbeiten. Bei Vanderlande heißt diese Systematik „RMR - Revision, Modifikation und Retrofit.“ Wichtigen Input für die Planung liefert dabei das System-Monitoring, das in die Anlagen implementiert ist: Mit der „Supervisory Control and Data Aquisition“-Technik (Scada) steht eine Software bereit, die alle relevanten Betriebsparameter aufzeichnet. Sie registriert z.B. auch Veränderungen in der Störhäufigkeit und den Störursachen - ein wichtiger Indikator, dass etwas nicht stimmt und dass u.U. der Austausch von Komponenten empfehlenswert ist.

Betreiber, die diese Informationen sammeln und Konsequenzen daraus ziehen, können mit einer hohen Gesamtlebensdauer der Anlage rechnen. Dies wird deutlich am Beispiel des Gepäckfördersystems eines deutschen Flughafens, für das Vanderlande im Rahmen eines Vollwartungsvertrags die Instandhaltung und Störungsbeseitigung übernommen hat.

Im Fokus vieler Modernisierungsprojekte von SSI Schäfer steht die Energieeffizienz - hier beim Austausch von RBG-Antrieben.

Teil der Aufgabe ist auch die Planung und Durchführung von Generalüberholungen in Abhängigkeit vom Verschleißgrad der Förder- und Sortiertechnik. Auswertungen belegen, dass eine Generalüberholung positive Wirkung auf den Gesamtaufwand zur Instandhaltung hat. Vor allem gehen die ungeplanten korrektiven Eingriffe zurück, die u. U. längere Stillstände zur Folge haben. Obwohl die Gepäckförderanlage bereits seit 1992 ganzjährig nahezu 24 Stunden pro Tag am Netz ist, liegt die technische Verfügbarkeit gleichbleibend bei durchschnittlich mehr als 99 Prozent.

Steuerungstechnik nutzen

Es gibt zahlreiche aktuelle Referenzen aus der Modernisierungspraxis der Anbieter. So hat die KDL Logistiksysteme GmbH gemeinsam mit TGW Systems Integration die gesamte Steuerungstechnik des 1998 errichteten Ersatzteillagers von Panasonic in Hamburg modernisiert. Die S5-SPS wurden durch die neueste S7-Generation ersetzt, der Lagerverwaltungsrechner erneuert,  auf der Hardware-Seite wurde die Kommissionierzone grundlegend erneuert - mit dem Ziel, die Durchlaufzeit zu verkürzen und den Materialfluss zu vereinfachen. Zudem wurden u.a. zusätzliche Steuerungsmöglichkeiten realisiert.

Als Auftragnehmer von Swisslog hat Bito das Logistikzentrum der Papstar-Gruppe in Kall/ Eifel gründlich modernisiert, nachdem Papstar als Logistikdienstleister sein Programm von 6.000 auf rund 8.000 Artikel erweitert hat. Unter anderem wurde die Kommissioniertechnik durch ein automatisch bedientes Palettenlager (APL) und ein automatisches Kleinteilelager (AKL) erweitert. Beim Bau des APL konnte man zu 10 % vorhandene Teile verwenden. Die vorhandene dreigeschossige Stückgut-Durchlaufregalanlage (SDS) wurde vollständig automatisiert. Insgesamt kann das Logistikzentrum nun rund 1.500 Aufträge täglich abwickeln - das entspricht rund 65.000 Picks.Alle Arbeiten wurden so getaktet, dass sie bei laufendem Betrieb des Logistikzentrums stattfinden konnten.

Tuning von RBG Westfalia

Westfalia hat in der Vergangenheit unter anderem  das Lager eines Kontraktlogistikers mit RFID-Technik nachgerüstet.

Logistics Services hat in der Vergangenheit u.a. das Lager eines Kontraktlogistikers mit RFID-Technik nachgerüstet, um für einen Lebensmittelhersteller die lückenlose Rückverfolgbarkeit von einzelnen Chargen zu gewährleisten. In mehreren anderen Fällen wurden die Fahr- und Hubachsen von Regalbediengeräten auf digitale Servotechnik umgestellt, die sich nicht nur durch geringeren Verschleiß auszeichnet, sondern auch ein schnelleres Positionieren erlaubt. Ähnlich wirkungsvoll ist der Ersatz von Inkrementalgebern an den Regalfahrzeugen durch die berührungslose Laserdistanzmessung.

SSI Schäfer hat innerhalb der Serviceabteilung ein Spezialistenteam für die Anlagenmodernisierung gebildet, das pro Jahr eine zweistellige Anzahl an Retrofit-Projekten umsetzt. Zum Beispiel hat das Team kürzlich bei KHS in Dortmund an zehn aufeinander folgenden Wochenende die gesamte Tablarfördertechnik nebst Antriebs- und Steuerungstechnik für die Regalbediengeräte ausgetauscht. Aktuell steht bei einigen Projekten die energetische Optimierung der Förder- und Lagertechnik im Fokus. Derartige Aufträge werden gegenwärtig für Logistikdienstleister wie Geodis sowie für Plastal in Hambach umgesetzt. Für SKF, Berlin, konnte in den vergangenen Monaten die Ablösung des bestehenden Lagerverwaltungssystems durch die SSI Schäfer Software „ant“ abgeschlossen werden. Bei dem Projekt wurden zudem die vorhandenen Kommissionierarbeitsplätze modernisiert und die Rechner-Hardware wurde erneuert.

Dass solche Projekte auch langfristig geplant und umgesetzt werden können, zeigt das Beispiel des Markenherstellers Braun am Standort Marktheidenfeld. Die kontinuierliche Modernisierung einer neungassigen Hochregalanlage durch SSI Schäfer erstreckte sich hier über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Inzwischen sind die Komponenten auf dem neuesten Stand der Technik, und die Anlage aus dem Jahr 1982 hat nachträglich ein CE-Zertifikat erhalten.

Ergebnis: Möglichst systematisch vorgehen

Diese Beispiele zeigen: In vielen Fällen ist Retrofitting eine gute Alternative zur hohen Investition für einen Anlagenneubau. Wer regelmäßig erneuert, bleibt auf dem aktuellen Stand der Technik - und profitiert von höchster Wirtschaftlichkeit seiner Anlage. Das oberste Gebot aller Maßnahmen lautet in jedem Fall: „So viel Optimierung wie möglich, so wenig Störung des täglichen Betriebs wie nötig“. Daher kann es sinnvoll sein, die Modernisierungsmaßnahmen zeitlich zu strecken.

Generell sind - aus der Sicht des Anwenders - die Grundprinzipien jeder Modernisierung: Sorgfältig planen, die Anforderungen genau festlegen und dann systematisch vorgehen. Darüber hinaus ist es sicherlich nicht verkehrt, vom Erfahrunsgsschatz anderer Lagerbetreiber zu profitieren und Referenzanlagen anzuschauen, die das beauftragte Unternehmen nennt. Das gibt vielleicht neue Anhaltspunkte, was noch verbessert werden kann, und der Anwender erfährt, ob der Auftragnehmer zur Zufriedenheit des Kunden gearbeitet hat.

Fragen zur Lagermodernisierung

Zu den Fragen, die sich der Anwender vor einer Modernisierung von Lager-, Förder- und Kommissioniertechnik stellen sollte, gehören:

Komponenten

  • Gibt es abgekündigte Komponenten?
  • Gibt es Komponenten, für die keine Ersatzteile mehr verfügbar sind?
  • Gibt es Bauteile, die zu Ausfällen neigen?
  • Kann man den Energieverbrauch optimieren?

Steuerung

  • Kommt eine zeitgemäße Steuerungsgeneration zum Einsatz?
  • Sollten zusätzliche Anbindungen realisiert oder Teilsysteme integriert werden (LVR/ERP)?
  • Werden zusätzliche Tools benötigt ( etwa für Diagnose, Fernüberwachung,…)?

Kommissionierung

  • Ist die Kommissionierqualität angemessen?
  • Wird der Automatisierungsgrad erhalten?

Lager-/ Fördertechnik

  • Sind nennenswerte Änderungen im Umschlagsvolumen zu erwarten?
  • Entspricht die Flexibilität den (künftigen) Anforderungen?
  • Gibt es sinnvolle Energiesparmaßnahmen (Zonenabschaltung o.Ä.)?

Umbauphase

  • In welchen Schritten erfolgt der Umbau?
  • Wie wird während des Umbaus die Verfügbarkeit der Leistung sichergestellt?

Allgemein

  • Welche Vorschriften sind beim Umbau zu beachten (Stichwort Maschinenrichtlinie)?
  • Sind die vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen angemessen?
  • Auf welche Anlagenteile gibt es nach dem Umbau eine neue Gewährleistung?

Kontakt

Bito-Lagertechnik Bittmann GmbH, D-55587 Meisenheim, E-Mail: [email protected], www.bito.de

KDL Logistiksysteme GmbH, D-22523 Hamburg, E-Mail: [email protected], www.kdl.de

SSI Schäfer, D-57290 Neunkirchen, E-Mail: [email protected], www.ssi-schaefer.de

TGW Logistics Group GmbH, A-4600 Wels, E-Mail: [email protected], www.tgw-group.com

Vanderlande Industries GmbH, D-41066 Mönchengladbach, E-Mail: [email protected], www.vanderlande.de

Westfalia Logistics Solutions Europe GmbH & Co. KG, D-33829 Borgholzhausen, www.westfaliaeurope.com

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