Robotik und autonome Kommissionierung
Locus Robotics übernimmt Nexera Robotics und erweitert autonome Lagerlogistik
Der US-amerikanische Lagerautomatisierer Locus Robotics übernimmt das kanadische Robotikunternehmen Nexera Robotics und erweitert damit seine Fähigkeiten im Bereich autonomer Kommissionierung. Mit der Integration der Technologie in die eigene Physical-AI-Plattform verfolgt Locus Robotics das Ziel, sein System 'Locus Array' für weitere SKU-Kategorien und bislang schwer automatisierbare Prozesse zu öffnen. Das Unternehmen sieht darin einen entscheidenden Schritt hin zu vollständig autonomem Fulfillment ohne starre Infrastruktur.
Ein Greifer für Millionen unterschiedlicher Artikel
Im Zentrum steht eine Greiftechnologie namens NeuraGrasp, entwickelt in Vancouver. Sie soll Robotern ermöglichen, mit jener Unordnung zurechtzukommen, die reale Warenlager seit jeher auszeichnet: unterschiedlich geformte Produkte, glatte oder poröse Oberflächen, weiche Verpackungen, wechselnde Gewichte. Wo klassische Automatisierung an standardisierten Abläufen hängt, verspricht die neue Technik Anpassungsfähigkeit. Ein einziger Greifer soll Millionen unterschiedlicher Artikel handhaben können.
Locus Robotics integriert die Technologie in seine Plattform für autonome Kommissionierung. Das Unternehmen verfolgt damit das Ziel, weitere Produktkategorien und bislang schwer automatisierbare Prozesse in die robotische Lagerlogistik einzubeziehen. Dahinter steht eine Entwicklung, die sich seit Jahren abzeichnet: Der Engpass moderner Fulfillment-Systeme liegt nicht mehr allein in der Bewegung von Waren, sondern im präzisen Zugriff auf einzelne Artikel unter realen Bedingungen.
„Die Zukunft der Lagerrobotik liegt in KI-gestützter mobiler Robotik mit intelligenter Greiftechnologie im industriellen Maßstab“, sagt Rick Faulk, CEO von Locus Robotics. „Die Fähigkeit, Millionen unterschiedlicher Artikeltypen schnell und präzise zu greifen, wird die Wertschöpfung des kommenden Jahrzehnts bestimmen. Nexera hat in diesem Bereich technisch Bemerkenswertes geleistet. In Verbindung mit Locus Array bringt uns das an die Spitze einer neuen Entwicklungsstufe der mobilen robotischen Handhabung in der gesamten Branche.“
Technologie von Nexera soll Handhabungsprobleme zu lösen
Die Technologie von Nexera wurde nach Unternehmensangaben über fünf Jahre hinweg entwickelt und in mehreren zehn Millionen Picks getestet. Sie kombiniert Sensorik, Computer Vision, KI-gestützte Greifintelligenz und eine flexible Membranstruktur, die sich an die Eigenschaften eines Artikels anpasst. Das klingt nach technischer Detailarbeit, ist aber wirtschaftlich bedeutsam: Je größer die Vielfalt an Artikeln, die ein Robotersystem zuverlässig handhaben kann, desto attraktiver wird vollautomatisierte Lagerlogistik für Handel, Industrie und Logistikdienstleister.
Auch Roy Belak, CEO von Nexera Robotics, beschreibt die Übernahme als Schritt aus dem Labor in den industriellen Maßstab. „Wir haben NeuraGrasp entwickelt, um die Handhabungsprobleme zu lösen, die das robotische Kommissionieren seit Jahren ausgebremst haben“, sagt er. „Mit Locus Robotics erhalten wir die Plattform, die Skalierung und den Kundenstamm, um diese Durchbruchstechnologie genau dorthin zu bringen, wofür sie konzipiert wurde – in hochfrequente Fulfillment-Umgebungen, in denen Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Anpassungsfähigkeit unter realen Bedingungen entscheidend sind.“
Vorgestellt wurde das System zuletzt auf der MODEX 2026 und der LogiMAT 2026, wo es laut Unternehmen zu den Finalisten eines Innovationspreises gehörte. Erste Anlagen laufen bereits im produktiven Betrieb.
Nexera Robotics wird vollständig in Locus Robotics integriert, einschließlich des Managements und der Entwicklerteams. Für das amerikanische Unternehmen ist die Übernahme mehr als eine technologische Ergänzung. Sie ist Teil eines Wettlaufs um die Frage, wie intelligent Maschinen in der physischen Welt künftig agieren können und wie viel menschliche Arbeit im Lager dabei noch notwendig sein wird.










