Aus materialfluss 3/2020

Intralogistik 4.0 für Omnichannel-Händler

Der Fußball-Ausstatter und Sportartikel-Händler 11teamsports hat im Februar am neuen  Hauptsitz in Satteldorf zusammen mit Gebhardt Fördertechnik aus Sinsheim die Logistik komplett neu organisiert. Mit der Installation eines Hochleistungsshuttlelagers und der Umsetzung des  „Ware-zum Mann“-Prinzips sieht sich das Unternehmen für die wachsenden Herausforderungen des Omnichannel-Geschäfts gerüstet.

Hinter den Kulissen des Warenflusses beim Omnichannel-Händler. © Gebhardt Fördertechnik

Nach dem Umzug aus Crailsheim eröffnete im Februar 2019 das neue 11teamsports-Headquarter auf einer 25.000 m2 großen Fläche im baden-württembergischen Satteldorf. Der Komplex nahe der Autobahn A6 umfasst ein 7.500 m2 großes zentrales ­Logistikzentrum, Büroeinheiten, einen regulären Shop und ­einen Outlet-Store. Aktuell lagern im Logistikzentrum etwa 30.000 verschiedene Artikel - Fußballschuhe, Trikots, Trainings- und Teamsportequipment, Lifestyle- sowie diverse Fanartikel zahlreicher Klubs im In- und Ausland.

Mit den Intralogistikexperten von Gebhardt konzipierte und realisierte 11teamsports eine maßgeschneiderte Intralogistik­anlage bestehend aus einem Hochregallager für Paletten und einem Shuttlelager für Behälter sowie verschiedene andere ­Lager-, Kommissionier- und Arbeitsplatzausstattungen. Die ­gesamte Lagerverwaltung und die Steuerung aller Materialflüsse übernimmt die Gebhardt StoreWare. Durch den Einsatz der Gebhardt Galileo IoT Plattform und Gebhardt Galileo Insight wird die komplette Intralogistikanlage in einer Cloud digitalisiert. Mit Hilfe der Emulationen konnte die Gesamtanlage darüber hinaus bereits im Vorfeld in Betrieb genommen werden.

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Alle Daten immer im Überblick – Effizienz wird messbar. © Gebhardt Fördertechnik

Im Palettenlager arbeitet 11teamsports mit einem Schmalgangstapler, der mit der Gebhardt StoreWare verknüpft ist. Fahraufträge werden auf das Terminal des Staplers übermittelt und so an den Staplerfahrer weitergeleitet. In Zukunft kann dieser Lagerbereich mit Palettenregalbediengeräten vollständig automatisiert werden.

Hochleistungsshuttles meistern wachsende Dynamik
Die Einlagerung ins AKL funktioniert bis auf wenige Handgriffe vollautomatisch. Ein Mitarbeiter entnimmt die Ware aus dem Lieferkarton und legt ihn in den angedienten Behälter. Dabei scannt er sowohl den Artikel als auch die Box, wobei die Ware automatisch über die Gebhardt StoreWare mit dem Behälter verheiratet wird. Überschüssige Kartons und Ver­packungsmaterial werden direkt über ein Müllband entsorgt und die Box fährt automatisch über einen von insgesamt vier Hebern in das automatische Kleinteilelager. Eine hohe Team-Leistung fordert der Sportartikelhändler vor allem von den 140 OLS-Shuttlefahrzeugen, die aus rund 75.000 Behältern die richtige Box mit der richtigen Ware zum Kommissionierarbeitsplatz bringen müssen. Viel Zeit zum Training hatten die Shuttles nicht, denn bereits einige Wochen nach der Inbetriebnahme war ein Lagerfüllstand von 86 Prozent erreicht.

Felix Duffner: „Unser Shuttlelager besteht aus vier Gassen. Wir haben uns für eine One-Level-Strategie entschieden, das heißt wir haben in jeder einzelnen Ebene ein Shuttle. Pro Stunde werden so bis zu 1.500 Behälter im OLS bewegt.“ Damit ist 11teamsports für die wachsende Dynamik im Multichannel-Geschäft bestens gerüstet und kann aus dem AKL sowohl B2B-/Filialbestellungen als auch Einzelaufträge aus dem Onlineshop bearbeiten. Wird ein Behälter zur Kommissionierung benötigt, wird er aus dem OLS-Lager über die Heber auf den Loop gebracht. Vom Loop aus wird das jeweilige Ziel avisiert und anschließend routet die StoreWare den Behälter zum richtigen Arbeitsplatz. Im Kommissionier­prozess bekommt der Mitarbeiter auf einem StoreWare-Dialog den zu greifenden Artikel und die ­jeweilige Menge angezeigt. Um sicher­­­zugehen, dass der gepickte Artikel dem richtigen Auftragsbehälter zugeordnet wird, muss der Mitarbeiter diesen über eine Pick-to-Light Anzeige quittieren.

Pro Arbeitsplatz werden rund 360 Behälter pro Stunde bearbeitet. Anschließend routet die StoreWare den Behälter entweder zu der automatisierten Tütenverpackung mit einer Leistung von bis zu 420 Tüten pro Stunde oder in den Kartonbereich. Eine Besonderheit an der Tütenverpackung ist die vollautomatische Anbindung der Tütenmaschine bis in die Rollwagen des Versanddienstleisters direkt vor den Ladebrücken. Vom Kartonbereich aus gelangt der Behälter über einen Spiralförderer ins Erdgeschoss. Nachdem der Karton verschlossen ist, fährt er weiter zu einem Etikettierer, der das jeweilige Etikett des Versand-Dienstleisters aufbringt.

Effizienzsteigerung durch Dashboards und digitalen Zwilling
Mit dem vollautomatischen Shuttlelager hat 11teamsports ein neues Maß an Effizienz erreicht. Dazu trägt auch die neu gewonnene Transparenz durch die vollständige Digitalisierung des Lagers und der Lagerprozesse bei. Felix Duffner: „Mit Gebhardt Galileo Insight können wir jegliche ­betriebswirtschaftliche Daten analysieren und ­dadurch unsere Prozesse deutlich effizienter ge-stalten. Wir können genau feststellen, in welchen Zeiträumen die Kommissionierung und der Wareneingang ausgelastet waren, oder wo es zu einer Überlastung kam. Dadurch können wir unser Personal besser einsetzen und werden so am Ende des Tages deutlich effektiver werden“. Darüber hinaus hat 11teamsports dank des digitalen Zwillings ihres Lagers in der Gebhardt Galileo IoT Plattform alle Anlagenkomponenten der automatischen Materialflussanlage stets im Blick. Mit Hilfe eines durchgängigen Condition Monitoring und Predictive Maintenance lassen sich so Betriebskosten sparen und gleichzeitig die Verfügbarkeit der Anlage maximieren.

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