Flurförderzeuge
Schlank zum Kreuzfahrtschiff
Dem zunehmenden Wettbewerbsdruck bei der Fertigung großer Kreuzfahrtschiffe begegnet die Meyer Werft mit ihrem System „Schlanker Schiffbau“. Mit von der Partie: Maßgefertigte Routenzüge, die beidseitig die Fließlinie Just-in-Time mit Ausrüstungsmaterial versorgen.
Im Zentrum des Systems „Schlanker Schiffbau“ der Meyer Werft steht die neue Produktionshalle 11. In der über 350 m langen und nahezu 50 m breiten Halle bestimmt eine Fließlinie die zeitlich getaktete Ausrüstung der rund 30 x 30 m großen Schiffsektionen. Am Ende der Fließlinie werden die ausgerüsteten Sektionen nach einer Zwischenlagerung zum entsprechenden Dock transportiert. Dort werden sie verschweißt und zu einem kompletten Kreuzfahrtschiff ausgebaut. Die besondere Herausforderung ist die Materialversorgung der Fließlinie, da die Geometrie der zu transportierenden Ausrüstungsteile keineswegs einem logistischen Standard entspricht.

Das Baukastensystem der Routenzugelemente von Still erlaubt jedoch die individuelle Anpassung auf die innerbetriebliche Situation der Meyer Werft. Der für die Materialversorgung verantwortliche Projektleiter, Christian Meyer, erklärt: „Auf den mobilen Ladungsträgern eines Routenzugs von Still befindet sich taktgerechtes und sektionsspezifisches Ausrüstungsmaterial, wie etwa Rohrleitungen, Kabelbahnen, Klimakanäle, Isolierungen oder überlange Lüftungsrohre auf Sonderladungsträger sowie Rohrkupplungen in Gitterboxen und vieles mehr. Es wird auf den jeweiligen Sektionen innerhalb der Taktzeit verbaut. Für die langen Transportwege haben wir zusammen mit Still einen Routenzug mit dem C-Rahmen Anhängersystem, kurz ´Liftrunner´, entwickelt. Die unterschiedlich großen und rollbaren Ladungsträger, kurz Trolleys, haben wir dabei an die C-Rahmen angepasst.“
Da die Maximalbelastung pro Ladungsträger rund 500 kg beträgt, seien mit dem Schlepperfahrzeug R 07-25 auch Routenzüge mit vier C-Rahmen möglich. Die durchgeführten, taktgenauen Berechnungen ergaben jedoch, dass ein Routenzug mit drei ´Liftrunner´ ausreichen würde, ergänzt der Projektleiter von Still, Bernd Wildemann.
Große Strecken der 2,6 km langen Route werden im Außenbereich zurücklegt. Die „Liftrunner“ wurden daher zusätzlich mit dem geschlossenen Planen-Dach von Still ausgerüstet. Während der Fahrt sind somit die Transportgüter vor der Witterung geschützt. Ein Ausrüstungstakt beträgt vier Stunden. Die Fließlinie setzt sich daher alle drei Stunden in Bewegung und befördert eine Stunde lang sämtliche Sektionen zur gleichen Zeit um einen Bauplatz nach vorne. „Nachdem ein Logistikzug die Zieladresse an der Fließlinie erreicht, werden die ´Liftrunner´ abgesenkt. Anschließend werden die Trolleys aus dem C-Rahmen mit dem Fußhebel ausgekoppelt und in einem Taktpuffer zwischen den Hallenstützen für die folgende Ausrüstungssektion bereitgestellt. Auf diese Weise versorgen wir jede Sektion ´just in time´ lückenlos mit Ausrüstungsteilen. Am Montageplatz sind daher nur solche Teile vorhanden, die auch in der Taktzeit verbaut werden. So ist der Materialbestand immer transparent und wird am Montageplatz effizient minimiert“, erläutert der Projektleiter von der Meyer Werft.
Während die Sektionen einen Bauplatz weiter „fließen“, werden die mobilen Ladungsträger von den Mitarbeitern der Sektionsausrüstung aus dem Taktpuffer entnommen und in einer definierten Bereitstellungsfläche vor der Sektion positioniert. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Ladungsträger mit einem Kran auf der Sektion abzusetzen. Auf definierten Flächen befinden sich zusätzlich mobile Regale mit Verbrauchsmaterial wie Schrauben, Schellen oder Federringen. Der Nachschub für die Regale erfolgt über ein Kanban-System.
Mit dem Programm „Routenzug Leitstand“ werden die Transportaufträge gesteuert und abgearbeitet. Am Ende eines Taktes werden die leeren Ladungsträger vom Routenzug abgeholt und zur internen Vorfertigung für die Kabelbahnen oder Rohrleitungen transportiert. Dort werden die leeren Trolleys auf einer definierten Fläche abgestellt und bereits vorkommissionierte Ladungsträger aufgenommen und zum Bahnhof transportiert. Gabelstapler lagern dort die Trolleys im Kragarmregal ein und stellen sie wieder bereit, sobald ein Auftrag von der getakteten Fließlinie generiert wird. Christian Meyer merkt an: „Die Anzahl der Transporte variiert von Tag zu Tag, da jede Sektion einen unterschiedlichen Ausrüstungsgrad hat. Auch definierte Müllfahrten mit den mobilen Müll- und Schrottcontainer der Halle 11 werden mit dem Routenzug von Still durchgeführt. Weitere Betriebsbereiche sind bereits in der Planung.“
Das C-Rahmen Anhängersystem
Durch das Vierradkonzept folgen die patentierten C-Rahmen Anhänger auch in engsten Kurven der Spur des Zugfahrzeuges. Selbst das Befahren von Rampen ist bei der hohen Spurtreue durch die Vierradlenkung problemlos möglich. Derzeit sind zwei Still Schlepper vom Typ R 07-25 bei der Meyer Werft im Einsatz. Sie besitzen eine Hydraulikeinheit, mit der sie die „Liftrunner“ um 80 mm anheben können. Die Gabeln im C-Rahmen lassen sich flexibel positionieren. Dadurch können unterschiedlichste Trolleys transportiert werden. Viertel-, Halb- und Vollpaletten bis zu Großladungsträger oder Rollgitter- und Regalwagen werden einfach auf den mobilen Ladungsträgern abgestellt. Ferner kann das ausgeklügelte C-Rahmen System gleichzeitig zwei 3.500 mm lange und 900 mm breite Sonderladungsträger aufnehmen. Durch Sicherungsbolzen sind die mobilen Ladungsträger automatisch gegen seitliches Herausrollen gesichert. Mit den reibungsarmen Rollen können die Trolleys ohne großen Kraftaufwand von nur einer Person ebenerdig spielend heraus gezogen werden.
Bernd Wildemann hebt hervor: „Alle ´Liftrunner´ sind untereinander kompatibel, wobei hydraulische Druckleitungen mit den Schnellverschlusskupplungen das An- und Abkoppeln unterstützen. Die Entnahme und Beladung kann von rechts oder links erfolgen, da die C-Rahmen durch ihre Steckkupplung wahlweise rechts- oder linksöffnend in den Zug eingehängt werden können. Unser Routenzug ist auf diese Weise individuell an die Transportanforderungen anpassbar. Damit wir jedoch die Anhänger nicht ständig abkoppeln und drehen müssen, wird das Ausrüstungsmaterial immer auf der linken Seite angeliefert. Bei der Optimierung haben wir darum die Fahrrouten als Einbahnstraßen-System ausgelegt.“

Meyer Werft GmbH, E-Mail: [email protected], www.meyerwerft.de
Still GmbH, E-Mail: [email protected], www.still.de









