Flurförderzeuge
Quo vadis Alternativantriebe?
In der letzten Zeit ist es um alternative Antriebssysteme bei Staplern etwas ruhiger geworden. Was aber ist schon Realität geworden und was wird kommen? Wir haben nachgehakt.
Still: Energieeffizienz ein wichtiges Thema

Laut Christian Baerwolff, Leiter Still Marketing, werden Produkte, die wirtschaftlich sind und zugleich die Umwelt schonen, weiterhin immer wichtiger: „Fortschritte bei Energiespeichern in Richtung mehr Kapazität auf gleichem Raum werden die Entwicklungen begünstigen. Bei Still hat das Thema Energieeffizienz bereits seit Jahren Top-Priorität. Energieeffizienz ist schon seit der Entwicklung des dieselelektrischen Antriebs 1953 ein durchgängiges Ziel. Nicht umsonst heißt es in unserem Unternehmensleitbild „Unter Nutzung des technischen Fortschritts achten wir auf unsere Umwelt.“

„Im letzten Jahr auf der CeMAT haben wir nicht nur den ersten in Serie gefertigten Hybrid vorgestellt, sondern auch die ersten Li-Ionen-Fahrzeuge. Das Thema Li-Ionen wird uns weiter begleiten, und die nächsten Schritte werden im kommenden Jahr zu sehen sein. Auch wenn es etwas ruhiger auf dem Markt geworden ist, bzgl. dieser Thematik, denken wir, dass man im nächsten Jahr viele Neuerungen zum Thema alternative Antriebssysteme hören wird. Auch das Thema Brennstoffzelle wird weiter voran gehen. Nachdem wir in 2009 das letzte große Projekt bei BASF vorgestellt haben, können wir nun über die neusten Projekte berichten. Zurzeit laufen bei uns zwei neue Brennstoffzellenprojekte, eins davon in Belgien, ein zweites in Dänemark. Weitere Projekte sind bereits in Planung“, so Baerwolff weiter.
Toyota: Lithium-Ionen-Geräte sind im Prinzip marktreif
Als Weltmarktführer treibt Toyota laut der Marketingleiterin Julia Isert die Entwicklung verschiedener Antriebskonzepte voran, darunter auch alternative wie den Diesel-Hybrid, die Brennstoffzelle und die Lithium-Ionen-Technologie: „Unser Hybridstapler läuft in Japan bereits vom Band. Die Brennstoffzellen-Technologie wird von uns seit der erstmaligen Präsentation unseres Konzepts auf der CeMAT 2005 kontinuierlich weiterentwickelt. Unsere Geräte auf Basis der Lithium-Ionen-Technologie sind im Prinzip schon marktreif, werden zurzeit aber noch im Rahmen von umfangreichen Feldtests bei Kunden in Großbritannien und den Niederlanden getestet. Die europaweite Markteinführung soll 2013 erfolgen, denn wir sehen hier viel Potenzial: Lithium-Ionen-Batterien weisen zum Beispiel eine höhere Energiedichte als Blei-Säure-Batterien auf, können also auf gleichem Raum mehr Energie speichern. Gleichzeitig haben sie einen höheren Wirkungsgrad. Außerdem fallen die Ladezeiten deutlich kürzer aus und es sind Zwischenladungen möglich – auf Batteriewechsel im Mehrschichtbetrieb kann somit verzichtet werden. Anders als herkömmliche Batterien, sind Lithium-Ionen-Akkus zudem wartungsfrei.“

Nissan: Es ist ruhiger geworden
„Getrieben vom Umweltgedanken und der Betrachtung der ganzheitlichen Kosten über die Lebensdauer eines Produktes, wurden in den letzten 10 Jahren viele verschiedene Antriebskonzepte und Studien entwickelt“, so Ingo Rose, Product Marketing & Support Manager bei Nissan: „Schlagworte wie Effizienz, Umweltfreundlichkeit, Nachhaltigkeit oder Sparsamkeit, haben die Literatur geprägt. Tatsächlich ist es um die alternativen Antriebstechnologien etwas ruhiger geworden und es scheint, als seien die Kunden noch nicht bereit, den Wechsel auf komplett alternative Systeme zu vollziehen. Vielmehr werden bestehende Technologien weiterentwickelt. Zum Beispiel hat die Lithium-Ionen-Technologie bisher nur Einzug bei kleinen Niederhubwagen erhalten. Bei größeren Maschinen wie Frontstaplern hat sie nur Konzeptmaschinen angetrieben. Der große Umbruch hat bisher aber noch nicht stattgefunden. Dennoch ist es nur eine Frage der Zeit. Es findet kontinuierlich ein Umdenken statt, denn die Sensibilisierung der Gesellschaft, die gesetzlichen Vorgaben und die steigenden Kraftstoff- und Energiekosten erhöhen den Druck zur Entwicklung alternativer Antriebslösungen. Hybride Lösungen haben hierbei eine Existenzberechtigung, aber vor allem sparsame Verbrennungsmotoren und effektive Elektroantriebslösungen mit neuen Energiespeichermedien werden voraussichtlich die dominierende Rolle einnehmen. Nissan Forklift forscht seit 2008 intensiv an einer Lithium-Ionen Lösung und wenn der Markt diese fordert, wird sie serienreif zur Verfügung stehen.“

Linde: Lithium-Ionen-Akkus im Fokus
„Das übergeordnete Ziel von Linde Material Handling ist, Fahrzeuge zu entwickeln und zu bauen, die technisch führend, wirtschaftlich herausragend und ökologisch verantwortungsvoll sind“, erklärt Christophe Lautray, Vertriebsgeschäftsführer Linde Material Handling: „Verbrennungsmotoren werden noch lange Zeit eine Rolle spielen, dafür spricht ihre

Leistungskraft, Robustheit und Wirtschaftlichkeit im Vergleich zu alternativen Antrieben. Zudem verfügen sie über weiteres vielversprechendes Optimierungspotenzial. Aber auch Elektrostapler werden immer leistungsfähiger und mittelfristig wohl erste Wahl, wenn es gelingt, die Akku-Kosten zu senken und über eine längere Zeit mehr Leistung aus kleineren Akkumulatoren zu generieren. Lithium-Ionen-Akkus werden erheblich dazu beitragen. Linde entwickelt zurzeit serienreife Lithium-Ionen-Akkus für den Einsatz in Lagertechnikgeräten, die jedoch in der Praxis aufgrund der hohen Kosten noch nicht überall wirtschaftlich einsetzbar sind.
Langfristig kann Wasserstoff zum Energieträger Nr. 1 werden. Deshalb hat Linde auch im Bereich der Brennstoffzellentechnologie bereits serienfähige und -nahe Produkte entwickelt und testet diese intensiv in praxisnaher Umgebung. Kein anderes System ist so umweltfreundlich und gleichzeitig so effizient. Unser Ziel ist es, Brennstoffzellen-Stapler in einem längerfristigen Zeitraum wettbewerbsfähig zu machen. Bis dahin müssen jedoch heutige Antriebstechnologien in konventionellen Staplern für eine Verbrauchs- und Emissionsreduzierung sorgen.“
Jungheinrich: Vorreiter der Lithium-Ionen-Technik
In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten hat sich laut Peter Dibbern, Leiter Grundlagenentwicklung der Jungheinrich AG, bei der Entwicklung von Flurförderzeugen sehr viel getan: „Legt man an diese Messlatte die Entwicklung der Antriebs- und Energiespeichertechnik an, muss man konstatieren, dass sich hier bis vor einigen Jahren – vergleichsweise – wenig getan hat. Sicherlich ist der heute nahezu flächendeckende Einsatz der Drehstromtechnik als wichtiger Meilenstein bei den elektromotorisch angetriebenen Flurförderzeugen zu bezeichnen. Auch (oder gerade) wenn man bedenkt, welche anfänglichen Widerstände es gegen diese ab Mitte der 90er Jahre maßgeblich von Jungheinrich in den Markt gebrachte und dort durchgesetzte Technologie gab. Um nur ein Beispiel zu nennen.“

„Betrachtet man heute die Entwicklung der Energiespeichertechnik, dann zeichnet sich für die Zukunft ein deutlicher Entwicklungsschub ab. Stichwort: Lithium-Ionen-Technologie. Auch hier ist Jungheinrich Vorreiter, und hat zur CeMAT 2011 mit der Einführung des ersten Serienfahrzeugs mit Lithium-Ionen-Technologie in der Intralogistik-Branche wieder einmal Zeichen gesetzt. Bei diesem Fahrzeug handelt es sich um einen Elektro-Deichsel-Gabelhubwagen – Typ EJE 112i. Bei diesem, klassischerweise in Filialen oder bei der Lkw-Be- und -Entladung zum Einsatz kommenden Gabelhubwagen spielt gerade das geringe Gewicht der Batterie eine zentrale Rolle. Diese wiegt nur noch etwas über 14 Kilogramm. Damit wird das Gewicht des gesamten Hubwagens – im Vergleich zum Basisfahrzeug mit Blei-Säure-Batterie – um etwa 150 Kilogramm reduziert. Durch die Gewichtsreduktion und den deutlich höheren Wirkungsgrad der Lithium-Ionen-Batterie verringert sich der Energieverbrauch dieses Fahrzeugs um mehr als 30 %. Das Fahrzeug wird zudem auch 69 mm kürzer. Das ermöglicht es dem Bediener in der Praxis, dieses Fahrzeug auch auf dem Lkw mitzunehmen – ohne dafür einen Palettenplatz auf der Ladefläche zu opfern“, so Dibbern weiter.
Jungheinrich AG, E-Mail: [email protected], www.jungheinrich.de
Linde Material Handling GmbH & Co. KG, E-Mail: [email protected], www.linde-mh.de

Nissan Forklift, E-Mail: [email protected], www.nissanforklift.de
Still GmbH, E-Mail: [email protected], www.still.de
Toyota Material Handling Deutschland GmbH, E-Mail: [email protected]









