Flurförderzeuge
Alles aus einer Hand
Der Mittelbayerische Verlag hat ein neues Druck- und Logistikzentrum errichtet. Herzstück der Logistiklösung ist ein eigenes Warehouse-Management-System, das den Einsatz der Schlepper optimal koordiniert.

Als das Druckzentrum der Mittelbayerischen Zeitung seinen Sitz noch in der Regensburger Innenstadt hatte, wurde es von Zeit zu Zeit eng. Die anliefernden Lkw sorgten in steter Regelmäßigkeit für Stau in der historischen Altstadt. „Wir hatten nur ein Tor für die Anlieferung, hinzu kam eine sehr enge Zufahrt“, erinnert sich Marcus Noller Geschäftsführer V.I.A. GmbH, einer Verlagstochter des Mittelbayerischen Verlages. Aber nicht nur deswegen, sondern in erster Linie um den 1945 gegründeten Verlag „auch für die kommenden 60 Jahre fit zu machen“, so Noller, entschied man sich für den Bau eines komplett neuen Druck- und Logistikzentrums vor den Toren Regensburgs.
Als bereits im Jahre 2007 die ersten Grundlagenarbeiten zu dem Neubau begannen, saß Marcus Noller mit im Boot. „Dadurch war es möglich, schon von Beginn an die Bedürfnisse und Anforderungen der V.I.A. GmbH einzubringen und in die Gesamtprozesse einzubetten. Die Verlagstocher V.I.A. Verteilung im Auftrag GmbH verteilt wöchentlich über 3.5 Millionen Prospekte und mehr als 700.000 Anzeigen- und Werbeblätter. Die Drucksachen werden teilweise von den Auftraggebern, wie Supermarkt- und Drogerieketten, angeliefert, hier gelagert und umgeschlagen sowie in der gesamten Region verteilt.
Neben der Neugestaltung der kompletten Produktion (Druck) stand auch die optimale Gestaltung der Lager- und Kommissionierprozesse (Logistik) ganz oben auf der Prioritätenliste bei der Konzeption des neuen Druck- und Logistikzentrums. Aus diesem Grund war es für Marcus Noller wichtig, den künftigen Partner für die logistischen Abläufe ebenfalls rechtzeitig mit ins Boot zu holen. Dass schlussendlich Jungheinrich für die komplette Ausrüstung des neuen Lagers in Regensburg verantwortlich zeichnete, war rückblickend betrachtet kein Zufall. „Wir haben über die
Nutzung diverser Stapler schon längere Zeit gute Kontakte zu Jungheinrich“, erzählt Marcus Noller und verweist auf die stets problemlose Zusammenarbeit mit dem Hamburger Unternehmen, das in allen Phasen des Projektes Ansprechpartner war und auch heute noch ist. Wichtig sei bei diesem Projekt insbesondere gewesen, dass „alles aus einer Hand kam, nicht nur die Fahrzeuge sondern auch die Regale, das WMS und vor allem auch die ganzheitliche Beratung“, so Noller. „ So haben wir häufig anfallende Schnittstellenprobleme vorn vornherein ausgeschlossen.“ Abschließend könne er über die Kooperation mit Jungheinrich nur sagen: „Top gemacht!“
Doch der Reihe nach: Auf einer Fläche von knapp 35.000 m2 - 11.500 m2 Gebäudenutzfläche und 23.400 m2 Grundstücksfläche im entstehenden neuen Mittelbayerischen Druck- und Logistikzentrum - wurde im Jahr 2009 das neue Lager integriert.
Obwohl die V.I.A. GmbH als Betreiber des Lagers auch an den gesamten konzeptionellen Planungen des gesamten Projektes beteiligt war, stieß man bei der Feinplanung dennoch auf räumliche Restriktionen. Der verfügbare Raum reichte nicht aus, um alle erforderlichen Palettenplätze unterzubringen. Statt des ursprünglich geplanten konventionellen Hochregallagers entschied man sich für eine verfahrbare Regalanlage. Diese fasst 550 Paletten, ist 6,60 m hoch und besteht aus acht Zeilen sowie vier zu öffnenden Gängen. „Trotz der Platzverhältnisse können wir mit dieser Lösung ein Höchstmaß an Palettenplätzen realisieren“, so Noller.
Bei verfahrbaren Regalen handelt es sich um ein Regalsystem ohne feste Gänge. Die Regale sind auf fahrbaren, motorisierten Untersätzen montiert. Das ermöglicht dem Betreiber, an jeder Stelle des Systems einen Regalgang zu öffnen. „Dadurch hat man trotzdem die Ladeeinheit jederzeit im direkten Zugriff“, erläutert Bernd Eger, Projektleiter im Bereich Logistiksysteme bei Jungheinrich. Lösungen dieser Art eignen sich in erster Linie für Läger mit einer eher geringeren bis mittleren Zugriffshäufigkeit - wie beispielsweise beim Mittelbayerischen Druck- und Logistikzentrum in Regensburg.
Material- und Information vereinen
Wichtig für die effiziente Gestaltung der logistischen Prozesse bei V.I.A. ist die Zusammenführung von Material- und Informationsfluss. Bernd Eger: „Es ist dabei egal, ob es sich um ein großes komplexes Lager mit einer Vielzahl an automatisierten Komponenten handelt oder um ein vergleichsweise kleines, Stapler betriebenes Lager wie bei V.I.A.“ Herzstück ist stets ein Warehouse Management System (WMS). Dieses steuert die logistischen Abläufe in einem Lager, völlig unabhängig von dessen Automatisierungsgrad. „Das Jungheinrich WMS verwaltet nicht nur alle Lagerbereiche, sondern steuert und optimiert auch den gesamten Materialfluss“, so Eger weiter.
Das ist auch im Lager der V.I.A. GmbH vor den Toren Regensburgs nicht anders. Wenn der Stapler ankommende Ware am Wareneingang aufgenommen hat, wurde diese bereits auf Vollständigkeit geprüft, etikettiert und als einzulagernde Waren im WMS vereinnahmt. Das Warehouse Management System, das über entsprechende Schnittstellen mit dem SAP-System von des Mittelbayerischen Verlages und dem Verschieberegal verbunden ist, weist daraufhin der Ware einen bestimmten Palettenplatz im Lager zu. Sobald ein Stapler eine Palette im Wareneingang scannt und aufnimmt, öffnet sich, automatisch gesteuert durch das WMS, der entsprechende Regalgang des Verschieberegals, noch bevor der Fahrer des Elektro-Gegengewichtsstaplers am Regal angekommen ist.
„Sonst übliche Wartezeiten, die durch das Öffnen des Verschieberegals entstehen“, so Bernd Eger weiter, „werden kompensiert und auf ein Minimum reduziert.“
Dem Fahrer wird über Datenfunk der Einlagerungsauftrag inklusive des vom WMS bestimmten Palettenplatzes auf das zum Stapler gehörende Jungheinrich Terminal gespielt. Das Auslagern von Waren erfolgt auf ähnliche Weise. Auch hier erhält der Fahrer den Auftrag per Datenfunk auf sein Terminal gespielt. Nachdem er den Auftrag angenommen hat, öffnet sich der entsprechende Regalgang. Ihm wird - wie beim Einlagern - angezeigt, welches Regalfach er zu bedienen hat. Dabei schließt sich der zuvor geöffnete Gang.
Bei diesem Prozess steht auch das Thema Sicherheit im Fokus. „Sicherheitslichtschranken an beiden Regalfronten sorgen dafür“, so Bernd Eger, „dass sofort ein Notstopp ausgelöst wird, sollte sich ein unerwartetes Hindernis im Regalgang befinden.“
Stichwort Ausgang

Wenn Marcus Noller heute vor dem Neubau des 2010 eröffneten neuen Mittelbayerischen Druck- und Logistikzentrums steht, sieht er keine Staus, hervorgerufen durch anliefernde Lkw, sondern ein nach Feng Shui gestaltetes Gebäude mit einem sehr hohen Glasanteil. Im Inneren sind Druckereitechnik für allerhöchste Ansprüche und ein kleines, aber feines, mit modernster Technik ausgerüstetes Lager.
Mittelbayerischer Verlag, E-Mail: [email protected], http://www.mittelbayerische.de
Jungheinrich AG, E-Mail: [email protected], http://www.jungheinrich.de









