Verpackungstechnik
Automatisierte Systeme für die Paketöffnung
Automatische Paketöffner sparen Zeit, verhindern das Risiko von Verletzungen und reduzieren Schäden an Waren, die durch herkömmliches Öffnen entstehen können. Das Grünwalder Unternehmen ALS Automatic Logistic Solutions ist auf die Entwicklung und Produktion von automatischen Paketöffnern zum maschinellen Öffnen von Kartons spezialisiert.
Der Karton gleitet über das Rollband zum Arbeitstisch mit Klemmschienen. Sensoren scannen die Größe. Präzise schneiden mehrere Klingen die verpackte Ware, geschützt durch Sicherheitsmechanismen. Dieser Öffnungsprozess gelingt ohne Probleme, der Inhalt bleibt unberührt und ist bereit für die weitere Verarbeitung. Bis heute hat der deutsche Hersteller ALS 60 verschiedene Öffnungssysteme entwickelt. ROC 4flaps heißt das neueste System des Paketöffnungsspezialisten.
Lösung für internationalen Sportartikelhersteller
Die Maschine öffnet bis zu 400 Pakete pro Stunde. Das geschieht chaotisch – also ohne Vorsortierung. Dabei gewährleistet dieses neue System, dass die Ware im Karton beim Öffnen laut Anbieter zu 100 Prozent unversehrt bleibt, da die Klingen nicht mit der Ware in Berührung kommen. Die Effizienz der Paketöffner und vor allem die garantierte Unversehrtheit der kompletten Ware hat sich ein internationaler Sportartikelhersteller in Utha/USA gewünscht. Laut Kundenvorgabe darf beim automatischen Aufschneiden der Kartons innenliegende Sportbekleidung und Schuhkartons mit dem Öffnungssystem nicht in Berührung kommen, um Schäden und mögliche Kratzer an den Verkaufskartons auszuschließen. Roc 4flaps erfüllt die Anforderungen, indem die in das System einfahrenden Kartons jeweils einzeln vermessen und mit dreifachen Klebeband-Schnitt anschließend an den beiden kurzen Oberkanten und mittig auf der Kartonoberseite aufgeschnitten werden. Nun werden alle Laschen angesaugt, komplett abgeschnitten und landen auf dem Abtransportband. Im nächsten Arbeitsschritt greifen Roboterarme dann aus den komplett offenen Kartons die Ware heraus. Zwei der neuen ROC-4flaps-Öffnungssysteme wurden von dem amerikanischen Kunden in sein neu erbautes Lager integriert. Die ALS-Technologie sorgt dafür, dass zum Beispiel angelieferte Textilien selbst dann nicht angeschnitten werden, wenn diese eng in den Karton gestopft wurden und mit Druck an den Innenwänden anstoßen. Zurzeit ist dieses System für Paketgrößen von 200 x 200 x 200 mm bis zu 800 x 600 x 500 mm geeignet.
Schutz für Mitarbeiter und Ware
Die von ALS entwickelten Systeme leisten laut Unternehmensangaben fünfmal mehr als Manpower, kosten pro Jahr gerechnet aber nur so viel wie eine einzige Arbeitskraft. Deshalb sei es in einem Ein-Schicht-Betrieb möglich, innerhalb von 15 Jahren mehr als drei Millionen Euro einzusparen, rechnet ALS vor. Ein Kunde bezeichnet den bei ihm eingesetzten Paketöffner als die „am besten funktionierende Maschine in unserer Logistik“, und der verantwortliche Logistikplaner eines e-Commerce-Kunden spricht von „ausschließlich positiven Effekten“: Der neue Prozessablauf schone die Kapazitäten der Mitarbeiter, verhindere Schnittverletzungen und schütze nicht zuletzt den Kartoninhalt. Den ersten automatischen Paketöffner brachte ALS 2013 auf den europäischen Markt. Erste Innovationen zielten darauf ab, die Arbeit im Lager zu erleichtern und Fehler beim Öffnen zu minimieren. Die ersten Prototypen wurden gleich zum Erfolg, und laufen noch heute zur vollsten Zufriedenheit der Kunden. Mit weiterentwickelter Sensorik, Robotik und Schnitttechnik geriet die Automatisierung jedoch noch präziser und zugänglicher.
Kundenspezifische Anwendungen
„Es macht immer wieder Freude, kundenspezifische Lösungen zu entwickeln“, sagt Paul Kammerscheid, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von ALS Automatic Logistic Solutions. Sein neuer Kunde in den USA hat es keinesfalls nur mit Retouren-Sendungen zu tun, vielmehr handelt es sich um Neuware im klassischen Wareneingang, die im Lager ausgepackt und dann in Kleinmengen an Kunden weitergesendet wird. Das ärgerliche Aussortieren von beschädigter Ware ist nun dank ROC 4flaps kein Thema mehr.
Für seine Vision, logistische Prozesse mit effizienten Maschinen zu optimieren, sicherte sich Paul Kammerscheid vor Jahren eine Finanzierung durch Business Angels, was den Startschuss für eine rasante Expansion gab. Neben dem Kapital profitierte Kammerscheid auch von seinen Kontakten aus der Logistikbranche. Mittlerweile zählen branchenübergreifend Marktriesen zu seinem Kundenstamm wie zum Beispiel Bayer, Bosch, Decathlon, H&M oder die OTTO Group. Die Zukunft lässt nicht auf sich warten Paketöffnungssysteme arbeiten schon sehr präzise, dennoch sind weitere Entwicklungen zu erwarten. Künftige Maschinen sollen in der Lage sein, Pakete nicht nur zu öffnen, sie können deren Inhalte auch identifizieren und sortieren. Sie werden beschädigte Wareneingänge noch vor dem Öffnen scannen können, sogar die Dokumentation solcher Prozesse werden sie selbstständig erledigen. Logischerweise wird auch Nachhaltigkeit eine immer bedeutsamere Rolle spielen. Denn zukünftige Öffnungssysteme werden Materialien immer detaillierter trennen und recyclingfähige Stoffe aussortieren können. Weitere Meilensteine für umweltfreundlichere Logistikprozesse sind also im Anmarsch. Paul Kammerscheid tüftelt derzeit am nächsten Step: „Neben dem Kartonöffnen haben wir auch beim Thema ‚Beutel öffnen‘ noch einiges vor“.










