Aus materialfluss SPEKTRUM 2020
Intra Logistik: Es gibt keine Nach-Corona-Zeit
Corona hat bewirkt, dass viele Unternehmen beim Thema Digitalisierung vom Reden zum Handeln gekommen sind. Weil sie es mussten.
Damit meine ich nicht, dass es so manche – und das ist mit viel Respekt und Anerkennung gemeint – IT-Abteilung es geschafft hat, innerhalb von drei Tagen Microsoft Teams auf 632 Laptops auszurollen und ebenso viele Headsets und VPN-Zugänge bereitzustellen, damit die Mitarbeiter im Homeoffice nicht vor lauter Verzweiflung die Blümchen an der Tapete zählen müssen. Es ist auch nicht gemeint, dass es die Pfiffigsten unter den pfiffigen IT-Cracks geschafft haben, Microsoft zu überlisten und die Kalenderfunktionen von Teams und Outlook zu synchronisieren. Damit ist auch nicht gemeint, dass jetzt so mancher Hardcore-Manager seine Wichtigkeit nicht mehr an der Höhe seines Meilenkontos bemisst, sondern an der Zahl der Calls, die er täglich absolviert, weil er die überraschende Erkenntnis gewonnen hat, auf einmal doch nicht mehr wegen eines jeden Zwei-Stunden-Meetings nach China fliegen zu müssen.
Digitalisierung ist ein Stück mehr. Digitalisierung beginnt, wenn man nicht mehr die Daten von der Excelliste ins SAP überträgt, wenn der Staplerfahrer sich seine Transportaufträge nicht auf Zetteln abholt, wenn der Produktioner nicht im Lager anrufen muss, um zu erfahren, wann ungefähr seine Rohwaren und Halbfertigzeuge wo ungefähr sein könnten. Digitalisierung beginnt statt dessen, wenn das alles logisch, verknüpft, übersichtlich und vielleicht sogar auf einem Screen angezeigt wird – und auch von Nicht-Informatikern intuitiv zu handhaben ist.
Viele zögern. Wann ist der richtige Zeitpunkt, das in Angriff zu nehmen? Da gibt es genau eine richtige Antwort: jetzt. Wer seine Digitalisierungsthemen auf die Nach-Corona-Zeit legt, wird nicht aus der Steinzeit rauskommen. Denn es gibt keine Nach-Corona-Zeit, nur eine Mit-Corona-Zeit. Und da sind wir bereits mitten drin.










