Spedition trifft Luftfracht

Martin Schrüfer,

Nachhaltig abheben

Die beiden Unternehmen Kühne+Nagel und Lufthansa Cargo haben eine exklusive Partnerschaft zur Förderung und Nutzung von Power-to-Liquid-Flugkraftstoff vereinbart. Die Logistikdienstleister haben sich verpflichtet, den laut Unternehmensangaben weltweit ersten Produktionsstandort für synthetisches Rohöl in Werlte/Emsland in Deutschland, betrieben von Atmosfair, durch den Kauf von umgerechnet 20 Tonnen – also 25.000 Liter – jährlich zu unterstützen.

© Lufthansa Cargo

Der darauf basierende synthetische Kraftstoff gilt als Kraftstoff der Zukunft, der den CO2-Fußabdruck von Flugzeugtriebwerken in der Zukunft weiter reduzieren soll. Betrieben wird der Produktionsstandort in Werlte durch die NGO Atmosfair. „Wir sehen den Schlüssel zu einer nachhaltigen Reduktion unserer Emissionen im Flugbetrieb ganz klar in der Erforschung und Nutzung von synthetischen, nachhaltigen Flugkraftstoffen. Dass wir jetzt zusammen mit Kühne+Nagel Pionierarbeit bei der Power-to-Liquid-Technologie leisten, macht uns besonders stolz und zeigt einmal mehr, dass wir unsere Herausforderungen im Klimaschutz aktiv angehen“, erläuterte Dorothea von Boxberg, CEO Lufthansa Cargo, die strategischen Hintergründe zur Partnerschaft mit Kühne+Nagel.

Yngve Ruud, Mitglied der Geschäftsleitung von Kühne+Nagel International, verantwortlich für den Bereich Luftfracht, kommentierte: „Bereits heute können unsere Kunden ihre Luftfracht mit Bio-SAF-Lösungen von Kühne+Nagel CO2-neutral versenden. Mit der Beschaffung von synthetischem SAF läuten wir nun ein neues Zeitalter der Luftfahrt ein. Zusammen mit unserem Partner Lufthansa Cargo ermöglichen wir die weltweit erste Power-to-Liquid-Kraftstoffproduktion und senden ein starkes Signal des Engagements und der Kooperation. Wir laden unsere Marktbegleiter und Kunden dazu ein, gemeinsam und heute die Voraussetzungen für klimaneutrales Handeln zu schaffen.“

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CO2-neutrale Kraftstoffe beziehungsweise Sustainable Aviation Fuels (SAF) sind eine wesentliche Säule auf dem Weg zum CO2-neutralen Fliegen. Diese Kraftstoffe können auf verschiedene Arten produziert werden. Bisher nutzen Lufthansa Cargo und Kühne+Nagel Sustainable Aviation Fuels biogenen Ursprungs, also synthetisches Kerosin, das beispielsweise auf gebrauchten Speiseölen basiert. Bei synthetischem Kerosin, das auch als Power-to-Liquid-Kraftstoff bekannt ist, entsteht das synthetische Rohöl hingegen aus regenerativ erzeugtem Strom, Wasser und CO2. Aufgrund dieses Verfahrens gilt PTL-basierter Flugkraftstoff als CO2-neutral. Die strombasierten Kraftstoffe befinden sich zurzeit noch in der Entwicklung hin zu einer industriellen Herstellung, gelten aber schon heute als langfristige Alternative zu herkömmlichem Kerosin oder biogenem SAF, da sie theoretisch ohne Verfügbarkeitsgrenzen produziert werden sollen.

Atmosfair, eine gemeinnützige Klimaschutzorganisation mit Sitz in Berlin, hat eine eigene Anlage zur Herstellung von so genanntem „syncrude“ gebaut. Syncrude ist die mittels Power-to-Liquid hergestellte Alternative zu fossilem Rohöl. Dieses Rohöl wird anschließend in der Raffinerie Heide nördlich von Hamburg zu fertigem Treibstoff Jet A1 für Flugzeuge veredelt, in das Gesamtvolumen der Raffinerie eingespeist und an den Flughafen Hamburg geliefert. Diese erste industrielle Anlage ist bislang einzigartig in Deutschland. Den Regelbetrieb plant Atmosfair für das erste Quartal 2022.

Der Artikel erschien in materialfluss 11-12/21.

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