Logistik-Dienstleister

Perfekt angerichtet

Wer kann Logistik am besten? Die Logistiker. Nach dieser unmittelbar einleuchtenden Logik delegieren viele Hersteller und auch Händler Aufgaben wie Lagerhaltung und Kommissionierung an externe Spezialisten.

Der Trend zum Outsourcing ist in der Intralogistik ungebrochen, und er könnte durch die RFID-Technik noch weiteren Auftrieb erhalten. Darüber hinaus gibt es Branchen wie z.B. die Windkraftindustrie, die neue Logistik-Dienstleistungen outsourcen möchten.

Logistik-Dienstleister: Perfekt angerichtet

„Konzentration auf Kernkompetenzen“ ist nach wie vor angesagt in der Industrie. Auch wenn einige Unternehmen schlechte Erfahrungen mit dem Outsourcing, z.B. von Produktionsschritten, haben, ist das Delegierung von Logistik-Aufgaben an Dritte ein „Klassiker“, mit dem einige Spezialisten ganz erhebliches Wachstums erzielen konnten. Das gilt auch für die BLG in Bremen. Sie ist seit vielen Jahren in der Kontraktlogistik tätig und konzentriert sich hier auf zwei Branchen: In der Autoteilelogistik sind weltweit rund 2500 Mitarbeiter tätig, in der Handelslogistik sind es etwa 1.000. Genau das sind nach Angaben von BLG-Pressesprecher Hartmut Schwerdtfeger auch die Sparten, in denen das Logistik-Outsourcing besonders ausgeprägt ist. Hinzu kommen noch der Versand- und der Online-Handel.

Für die BLG ist dieses Geschäft nach wie vor ein Wachstumsfeld. Hartmut Schwerdtfeger: „Der Trend zum Outsourcing von Logistikleistungen setzt sich weiter fort. Es gibt neue Projekte von Unternehmen, die bislang ihre Logistik noch eigenständig betreiben, aufgrund der wachsenden Komplexität vor dem Hintergrund der Globalisierung aber an ihre Grenzen stoßen. Andere Unternehmen, die bereits gute Erfahrungen mit Outsourcing-Projekten gemacht haben, vergeben weitere Aufträge an Logistiker.“ Dabei sind gerade in der Automobilindustrie auch wertschöpfende Tätigkeiten gefragt. In Bremen lagert und kommissioniert BLG nicht nur Automobilteile wie z.B. Türen, sondern betreibt auch eine Härteanlage für montierte Türmodule.

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Bei Hellmann sieht man ebenfalls den Trend zu immer weiter umfassenderen Dienstleistungspaketen. Felix Scherberich, Chief Contract Logistics Officer Member of European Executive Board der Hellmann Gruppe: „Die Kunden wünschen eine durchgehende Kontraktlogistik inklusive aller Prozess- und IT-Schnittstellen sowie eine Transparenz der Leistungen in allen Teilbereichen. Immer mehr angrenzende Dienstleistungen wie Werkstatt- und Montageservices oder Baustellenlogistik werden mit angefragt, da neben Qualität auch Faktoren wie Liefergeschwindigkeit und Termintreue aufgrund der immer kürzer werdenden Produktlebenszyklen eine zunehmend größere Rolle spielen.“

Generell verzeichnet Hellmann im Geschäftsfeld der Kontraktlogistik eine weiterhin hohe Nachfrage. Felix Scherberich: „Der Trend zum Logistikoutsourcing ist insbesondere seit dem Ende der Konjunkturflaute weiter steigend. Allerdings verändern sich die Anforderungen. Produktionsnahe Logistik ist weniger gefragt, die Anfragen zielen eher auf eine Optimierung der Empfängerlogistik. Ein weiterer starker Trend ist die Verlagerung der Logistikstandorte in Richtung Osten.“ Bezogen auf Branchen, gibt es ebenfalls klare Trends: „Überproportional entwickeln sich Projektanfragen in der Endkundenlogistik und im E-Commerce, vor allem in den Bereichen Fashion, Retail und Consumer Electronics. Auch im Markt der erneuerbaren Energien gibt es starke Nachfrage.“

Unabhängig von der Branche besteht die Tendenz, den Dienstleister nach Kennzahlen zu messen. Diesen Trend sieht man nicht nur bei Hellmann. Jörn Peter Struck, Geschäftsführer der CargoLine GmbH & Co. KG: „Je länger die Umsetzung schon erfolgt, umso mehr nimmt der Wunsch nach Key Performance Indicators zu. Diese Kennzahlen werden dann in die Folgeverträge mit aufgenommen. Ist die Leistung des Logistikers sehr gut, werden auch vorherige oder nachgelagerte Prozesse an ihn vergeben – nach dem Motto: ´Können Sie nicht auch noch…?´.“

Eine gute Bewertung lohnt sich also für den Logistik-Spezialisten, zumal es immer wieder „frische“ Outsourcing-Dienstleistungen gibt. Jörn Peter Struck: „Wir untersuchen zum Beispiel häufig logistische Prozesse auf ihre Effizienz. Aus dieser Beratungsleistung entstehen dauerhafte Outsourcing-Projekte. So sind beispielsweise die Bestandsübernahme und die Bestandsfinanzierung bei C-Teilen noch recht junge Outsourcing-Themen.“

Darüber hinaus werden bei CagoLine derzeit verstärkt die „klassischen“ Themen angefragt und umgesetzt: die Lagerung verbunden mit Value-added Services beim Einlagerungs- oder Auslagerungsprozess. Jörn Peter Struck: „Nach wie vor gibt es auch viele Werksverkehre, die dem Transport- und Logistikdienstleister übertragen werden.“

Dass die Auftragnehmer mit ihren Kontraktoren zufrieden sind, zeigt sich daran, dass die zumeist befristeten Verträge in der Regel verlängert werden und kaum ein Kunde die vergebenen Umfänge wieder „inhouse“ erledigen möchte. Die Arbeitsteilung ist also bewährt, heiß diskutiert wird bei den Vertragsverlängerungen aber oft die Frage der Kosten. Hartmut Schwerdtfeger: „Grundsätzlich bietet die Logistik Kostensenkungspotenziale. Über deren Größenordnung haben Kunden und Logistiker allerdings nicht immer die gleichen Vorstellungen.“

Kontraktlogistik für die Windkraft

Ein neues Feld ist die Kontraktlogistik für die Offshore-Windenergie – zum Beispiel in Bremerhaven, das mit über 3.000 neuen Arbeitsplätzen, zahlreichen Herstellern, Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen der größte Standort der Branche in Europa ist. Hartmut Schwerdtfeger: „Als seehafenorientierter Logistiker haben wir unsere Kompetenzen aus dem Hafengeschäft mit denen aus der Beschaffungs-, Fertigungs- und Distributionslogistik gebündelt und bieten der Offshore-Branche komplette Logistikketten an.“

Dass die Kompetenz der Logistiker gefragt ist, zeigen die Dienstleistungen, die DB Schenker in Leipzig für Vestas, den weltgrößten Hersteller von Windkraftanlagen, erbringt. Allein in Zentraleuropa – Deutschland, Belgien, Niederlande, Luxemburg und Österreich – sind aktuell etwa 7.500 Vestas-Anlagen installiert. Für ihre Wartung sind 400 Servicetechniker verantwortlich, die über Servicestützpunkte oder direkt mit den nötigen Ersatzteilen versorgt werden.

Diese Aufgabe übernimmt DB Schenker und hat dafür im Jahr 2008 ein Lager in Leipzig in Betrieb genommen, das drei dezentrale Lagerstandorte ersetzt. Rund 30 Schenker-Mitarbeiter wickeln dort monatlich rund 5.000 eingehende und über 23.000 ausgehende Aufträge ab. Das Zentrallager verfügt über 10.000 m2 Lagerfläche, 3.500 Palettenplätze und ein doppelstöckiges Kleinteilelager – und es arbeitet ausschließlich für Vestas. Die Lagerverwaltungs-Software und das Auftragsmanagement sind an das SAP-System von Vestas angekoppelt. Darüber hinaus übernimmt Schenker für Vestas die Aufgabe des „Lead Logistics Provider“ (LLP). Dazu gehört die Steuerung und Überwachung aller operativen Logistikprozesse. Für die Distribution wurden Service Levels definiert. Das anspruchsvollste ist das Service Level „Emergency“: Dann müssen Techniker, Depots, Servicestützpunkte und einzelne Windkraftanlagen in zwei Stunden beliefert werden.

350 Grills pro Tag kommissioniert

Das Beispiel der Windkraft zeigt: Neue Technologien ziehen neue Anforderungen an die Kontraktlogistik nach sich. Aber auch altbekannte Kulturtechniken wie das Grillen sind durchaus anspruchsvoll, wenn es um die Logistik geht – zumindest im „High end“-Bereich. Für dieses Marktsegment steht die Marke „Outdoorchef“ des Schweizer Unternehmens DKB Household.

Die Logistik hat DKB in Europa fast vollständig ausgelagert, um sich ganz auf seine Kernkompetenzen zu konzentrieren: Dabei arbeitet das Unternehmen seit mehr als zwei Jahren mit dem CargoLine-Partner Koch International zusammen. Thorsten Roux, Projektleiter Logistik von Koch International: „2011 haben wir rund 50.000 Gas-, Holzkohle- und Elektro-Kugelgrills in den Handel gebracht, einige davon sogar nach Südkorea! Diese Grills haben wir vor dem Versand mit Zubehör wie Gusseisenplatten, Pizza- und Brotbacksteinen, Zangen, Kohle und Kochbüchern kommissioniert.“

Im laufenden Jahr dürften es rund 63.000 Stück werden. Zu den Standardbestellungen des Fachhandels und den Terminaufträgen kommen gerade bei gutem Grillwetter sogenannte Ad-hoc-Aufträge, die alle noch am selben, spätestens aber am Folgetag abgearbeitet werden.

Logistik-Dienstleister: Perfekt angerichtet

Gefragt: „Grüne“ Kontraktlogistik

Ob Automotive, Windkraft oder Haushaltgeräte: Einen Trend spüren alle Kontraktlogistiker – wenn auch langsamer, als mancher Experte es erwartet hätte. Hartmut Schwerdtfeger für die BLG: „Ein relativ neuer Schwerpunkt liegt gegenwärtig auf der Entwicklung der ´Green Logistics´. In neuen Ausschreibungen wird bereits der Nachweis der Umweltverträglichkeit verlangt.“ In Branchen wie der Informationstechnologie spielt das schon eine große Rolle: Wer als Kontraktlogistiker z.B. für einen großen PC-Hersteller tätig sein will, muss auch die Umweltauswirkungen seiner Dienstleistungen genau nachweisen. Das betrifft den Transport genauso wie die Verpackungsmaterialien und den Energiebedarf der Logistikzentren.

Logistik-Dienstleister: Perfekt angerichtet

Neue Perspektiven durch RFID

Kontraktlogistik ist eine „reife“ Dienstleistung. Wenn es Weiterentwicklungen gibt, sind sie zumeist von der IT getrieben und von der immer tieferen Integration der Prozesse auf der informationstechnischen Ebene.

Wirklich Neues könnte – so Hartmut Schwerdtfeger von der BLG – entstehen, wenn die RFID-Technologie flächendeckend und unternehmensübergreifend zum Einsatz kommt. Dann könnten sich externe Dienstleister noch besser in die Prozesse der Hersteller und des Handels einkoppeln. Dafür fehlt es zurzeit jedoch noch an der internationalen Standardisierung

BLG Logistics Group AK & Co. KG, D-28203 Bremen, E-Mail: communications@blg.de, www.blg.de

Logistik-Dienstleister: Perfekt angerichtet

CargoLine GmbH, D-60528 Frankfurt, E-Mail: info@cargoline.de, www.cargoline.de

Hellmann Worldwide Logistics GmbH & Co. KG, D-28197 Bremen, E-Mail: info@de.hellmann.net, www.hellmann.net

Schenker Deutschland AG, D-65451 Kelsterbach, E-Mail service.line@dbschenker.com, www.dbschenker.com/de

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