Intralogistik 2019

Martin Schrüfer,

Ziel: Ultrakurze Lieferzeiten und hohe Handlinggeschwindkeit

Zwei Fragen an Jessica Heinz, Leiterin Marketing und Communications und Business Development CE von Dematic

Jessica Heinz, Leiterin Marketing und Communications und Business Development CE von Dematic © Dematic

materialfluss: Was ist die wesentliche Herausforderung, der sich ein Hersteller und Anbieter von Lager- und Kommissioniertechnik stellen muss? Wonach werden Sie am häufigsten gefragt?

Jessica Heinz: Die Unternehmen mit einem Greenfield- Projekt, bei dem es um ein neues Lager mit vielen konzeptionellen Freiräumen geht, sind in der Unterzahl. In den häufigsten Fällen gilt es aus den gegebenen Räumlichkeiten und Voraussetzungen das Maximale in Platz und Leistung herauszuholen. Hauptaufgabe sind daher die Übergänge von manuellen in halbautomatische oder von diesen in vollautomatische Prozesse unter gegebenen Rahmenbedingungen. Letztendlich muss nicht jedes Lager hochtechnisiert sein. Auch kleine manuelle Lager lassen sich durch den Einsatz von Dematic-Technik hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit optimieren. Bei manchen Kunden reicht es, passende Pick-by-Light- oder Pick-by-Voice-Systeme zu implementieren, um die Leistungs­anforderungen bei sehr effizientem Personaleinsatz zu erfüllen. Wir errechnen immer das für den Kunden beste Gesamtsystem, unabhängig vom Grad der Automatisierung. Die Grundlage aller Überlegungen bilden stets Rechnungen zur Wirtschaftlichkeit von Investitions- und Personalkosten. Als Komplettanbieter unterschiedlichster Systeme haben wir da immer eine individuell passende Lösung parat. Je nach Branche des Projektes variieren die Entscheidungskriterien und damit auch Fragen der Interessenten. Generell kristallisieren sich quantifizierbare Parameter wie Handlingvolumen, -geschwindigkeit, Einbindungsdauer neuer Artikel oder neuer Formen heraus. In Anbetracht meist schwer vorhersehbarer ­Entwicklungen, sind Automatisierungssysteme mit Flexibilität gefordert: Auftragsspitzen und –rückgänge im täglichen Geschäft müssen effizient abgewickelt werden können und auch zukünf­tiges Wachstum muss über entsprechende Modularität und ­Skalierbarkeit technisch begleitet werden können.

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- Spezifische Anfragen aus dem Grocery-Bereich beziehen sich auf Automatisierungssysteme die in der Lage sind Aufträge fehlerfrei abzuwickeln. Eine Ordergenauigkeit von 100% bedarf in der Regel auch eines sehr hohen Automatisierungsgrades. Ins­besondere Unternehmen aus dem Lebensmittelbereich ist die Anbindung an die hausinterne ERP beziehungsweise die Kompatibilität mit bestehender Software sehr wichtig, gefolgt von den Fähigkeiten der Software des Anbieters an sich. Wir sind hier breit aufgestellt: Neben Dematic iQ sind wir auch seit vielen Jahren SAP-Partner mit entsprechend spezialisierten Mitarbeitern.

- Der Fashion-Onlinehandel legt großen Wert auf Genauigkeit, schnelle Abwicklung, ein Echtzeit-Inventar und natürlich auch auf eine Möglichkeit die Abwicklung von Retouren weitest-gehend zu automatisieren.

Über alle Branchen hinweg wird eins gefordert: Die Dauer von Auftrag bis Inbetriebnahme muss deutlich verkürzt werden im Vergleich zu dem was noch vor drei bis fünf Jahren üblich und Standard war. Sobald ein Automatisierungsvorhaben und damit Budget abgesegnet ist, geht es an die Bestellung und Umsetzung. Geschätzt werden hier sowohl ein transparenter und schneller Angebotsprozess als auch ein angemessener und damit nicht zu langer Lieferhorizont. Augenmerk liegt selbstverständlich auf der Einhaltung unserer zugesagten Liefertermine. Auf Basis von standardisierten und modularen Systemen kann die Implementierungszeit deutlich reduziert werden. Nur ein Beispiel: Mit dem von uns weltweit vertriebenen Lager-, Puffer- und Stückgut-Kommissionierungssytem AutoStore können diese kri­tischen „Time-to-market“ Zeiten leicht halbiert werden. Dank passgenauer Planung konnte beispielsweise der Geschenk­bandhersteller C.E. Pattberg die Anlage sechs Monate nach der Entscheidung für das AutoStore-System in Betrieb nehmen.

mfl: Auf welche Märkte und Segmente wollen Sie 2019 einen Schwerpunkt legen und mit welchen Hauptargumenten gehen Sie ins Rennen?

Heinz: Wie schon in diesem Jahr werden der E-Commerce und damit Fashion und Grocery als Wachstumsmärkte einen unserer Schwerpunkte bilden. Wir optimieren weiterhin unsere Lösungen für alle Lager- und Kommissionierprozesse die äußerst schnell und fehlerfrei abgewickelt werden müssen und daher eines hohen Automatisierungsgrades bedürfen.Geschwindigkeit und Timing gilt es konsequent und strategisch zu optimieren. Der Endverbraucher gibt den Takt an: Neben Multi-Channelling sind ultrakurze Lieferzeiten und damit Kontaktzeiten in der vorgelagerten Prozesskette - der Intralogistik - die wettbewerbsbeherrschenden Faktoren. Auch Komplexität und Kleinteiligkeit nehmen zu: Aus Lagern mit einem breiten und heterogenen Artikelsortiment werden viele Einzelbestellungen mit jeweils geringen Bestell- und damit Zugriffsmengen abgerufen. Dementsprechend gilt es die Zugriffszeiten und damit die Gesamtdurchlaufzeit zu minimieren. Weitere Anforderungen sind Flexibilität und Skalierbarkeit. In Anbetracht von mode-, saison- und aktionsinduzierter Ware ist der Online-Handel eine sehr auftragsvolatile Branche. Peaks müssen kurzfristig abgefedert werden können. Zudem handelt es sich beim E-Commerce um eine der aktuell am stärksten wachsenden Branchen. Wie sich das Wachstum von Online-Händlern unternehmensindividuell in den nächsten Jahren entwickeln wird, ist kurz- und mittelfristig nur schwerlich prognostizierbar. Gefordert ist somit nicht nur eine äußerst flexible Lösung für Peakzeiten, sondern auch eine skalierbare, die sich mit dem Unternehmenswachstum step-by-step erweitern lässt.

Unsere technischen Antworten für die genannten Parameter sind das mit Arvato optimierte Dematic Taschensortiersystem, unser dichtes und schnelles Dematic Multishuttlesystem der 2. Generation sowie auch das ultrakompakte und extrem schnell realisierbare AutoStore, das Dematic weltweit vertreibt.
Mit der zunehmenden Ausweitung des E-Commerce auf den Lebensmittelhandel wird auch hier die äußerst schnelle und schadensfreie Auftragsabwicklung gefordert. Das Dematic Multishuttle Freeze erfüllt diese Anforderungen im Ambient- sowie Freeze-Bereich von -30 bis +40° C.

Weitere Vorteile lassen sich für den Kunden mit der für ihn optimal ab-gestimmten Software herausholen. Neben unserem etablierten WES (Warehouse Execution System) Dematic iQ Optimize, lancieren wir mit Dematic iQ InSights gerade ein APM (Asset Performance Management) System. Alle anfallenden Daten werden intelligent vernetzt, analysiert und visualisert um Störfälle zu vermeiden und die Nutzungsdauer und Effizienz der gesamten Anlage zu optimieren.

Bei der Kommissionierung reichen unsere Angebote mit Pick-by-Light- und Pick-by-Voice-Systemen über Ware-zur-Person Konzepte für höchstmögliche Kommissionierleistung bis hin zu vollautomatisierten Anlagen. Durch Weiterentwicklung und vermehrten Einsatz von Hochleistungs-Kommissionierstationen wie Dematic RapidPick wird sich die Leistung von Ware-zur-Person-Kommissionierung weiter erhöhen. Auch für die Automatisierung sämtlicher Arbeitsschritte rund um die Auftragserfüllung können wir mit dem Dematic Roboter Piece Picking Module ab sofort nach erfolgreichen Beta-Tests eine performante Lösung anbieten.

Zwei Fragen an René Holzer, CEO Gilgen Logistics AG

René Holzer, CEO Gilgen Logistics AG © Gilgen Logistics

materialfluss: Was ist die wesentliche Herausforderung, der sich ein Hersteller und Anbieter von Lager- und Kommissioniertechnik stellen muss? Wonach werden Sie, auch auf den Messeständen, am häufigsten gefragt?

René Holzer: Der Kunde wünscht sich eine individuelle auf ihn und seine Waren ab­gestimmte Lösung. Effizienz und Qualität sind Standard-Voraussetzungen der Automatisierungslösungen. Um auf neue Marktanforderungen reagieren zu können und die Kapazitäten dem steigenden Durchsatz anzupassen, müssen die technischen Lösungen stets flexibel und vor allem skalierbar sein. Eine der grössten Herausforderungen liegt in den relativ kurzen Realisierungszeiten der individuellen und kundengerechten Auto­matisierungslösungen. Hier gilt es als Gesamtsystemelieferant bereits in der Planungsphase und Layoutierung die Material­flüsse im Gesamtsystem optimal auf die Kundenanforderungen abzustimmen. Sobald das Gesamtlayout der Anlage definiert wurde, können durch das neue Gilgen-LDR-Konzept (Logistik, System & Design) die Daten aus dem 3D-CAD-System Inventor direkt an das ERP-System zur weiteren Bearbeitung ­übertragen werden. Nach diesem Prozessschritt lassen sich die Bedarfsmeldungen und Produktionsaufträge automatisch im ERP-System generieren, was zu einer grossen Zeiteinsparung im Beschaffungsmanagement führt. Um bei der Inbetriebnahme eine hohe Zeitersparnis und einer hohen Effizienz zu der Umsetzung zu erreichen, sind für die Elementfunktionen dank der Parametrierung der Hard- und Software keine Programmierungen mehr nötig. Durchdachte technische Module und Komponenten in den Bereichen SPS und HMI werden möglichst einfach in die Gesamtanlage integriert. Durch die Visualisierung mit intuitivem Bedienkonzept, lassen sich von der Gesamtanlage bis hinunter auf das einzelne Förderelement der aktuelle Status in Echtzeit erkennen. Ebenfalls kann auf der Visualisierung bis auf die Ebenen der Aktoren und Sensoren der Funktionsstatus angezeigt werden. Dies erlaubt dem Gilgen-Supportteam eine schnelle Hilfe­stellung für den Kunden und die Störungen lassen sich über Remote-Access rasch beheben. Zusätzliche Vorteile bringt die systemübergreifende Kommunikation, dadurch lassen sich beliebige Software von Drittanbietern, sowie Schnittstellen zu ERP-Systemen einbinden. Der Wunsch nach nachhaltigen Lösungen ist bei den Kunden gross. Darauf reagieren wir, indem wir bei unseren Anlagen auf lang­lebige Komponenten und nachhaltigen Materialien setzen. Wichtig ist auch die Effizienz, beispielsweise die Rekuperation der Energie oder effizientere Antriebe in Hochregal­lagern.

mfl: Auf welche Märkte und Segmente wollen Sie 2019 einen Schwerpunkt legen und mit welchen Hauptargumenten für Ihre Produkte und Dienstleistungen gehen Sie ins Rennen?

Holzer: Wir legen den Schwerpunkt auf die Nahrungsmittel­bereiche mit verschiedenen Temperaturen im Kühl- und Tiefkühlbereich bis -38°C, für die Getränkeproduktion, für den Versandhandel und für den Detail- und Großhandel. Die schlüsselfertigen Anlagen werden mit Eigenprodukten aus einer Hand mit eigenen Hard- und Softwarekomponenten ­realisiert. Die abgestimmte Anlagensteuerung und das Lagerverwaltungssystem optimieren den Materialfluss in den Lager- und Produktionsbereichen und erlauben eine eigenständige und kundenorientierte Gesamtlösung. Die standardisierten Intralogistiklösungen werden im Hause Gilgen geplant, ent­wickelt und gefertigt und bieten einen wirtschaftlichen Waren- und Materialtransport. Der modulare Aufbau der Komponenten und die energiesparende, frequenzgesteuerte Antriebstechnik ermöglichen einen flexiblen, innerbetrieblichen Transport von Europaletten, Halbpaletten, Kunststoffpaletten, Rollbehältern und Gebinden. Weiteren Fokus legen wir auf die Krankenhaus- und Laborlogistik, die Logistik in Bibliotheken und Archiven, sowie die Automatisierung von Postverteilzentren. Selbstverständlich betreuen wir auch ältere Logistiksysteme, bei welchen wir mit Modernisierungsmaßnahmen mit Fokus auf die in Steuerungs-, Mess- und Antriebs-
technik die Systeme wieder fit für die Zukunft machen.

Zwei Fragen an Peter Beilenhoff, Bereichsleiter Vertrieb META-Regalbau

Peter Beilenhoff, Bereichsleiter Vertrieb META-Regalbau © META

materialfluss: Was ist die wesentliche Herausforderung, der sich META stellen muss? Wonach werden Sie am häufigsten gefragt?

Peter Beilenhoff: Das bestimmende Thema ist die Digitalisierung unter dem Stichwort ‚Industrie 4.0‘. Für uns als Hersteller bedeutet dieses, dass sich Kommissioniertechniken ändern und wir unser Produktsortiment darauf ausrichten müssen. Deswegen arbeiten wir so eng mit Safelog zusammen. Darüber hinaus bleiben auch andere Pick-Lösungen bei uns im Fokus, weshalb wir seit einiger Zeit mit dem Fraunhofer IML und dem dort angesiedelten Innovationslabor Logistik im Austausch stehen. Auch unser Engagement im Digital.Hub Logistics lässt uns einen sehr guten Blick auf die zukünftigen digitalen Lösungen gewinnen. Mit unserem umfangreichen Portfolio der Regal- und Lagertechnik sowie dem Stahlbau bieten wir unseren Kunden die wohl wichtigste Basis ihres Lagers. Wir unterstützen unsere Kunden in der Planung und Ausführung dieses gesamten Lagerkonzeptes, so dass sich am Ende das Bild der gesamtheitlichen Lagerplanung ergibt. Dieses wird von unseren Kunden am häufigsten auf den weltweiten Messen nachgefragt. Seit vielen Jahren sind wir Partner beim Bau großer Regalanlagen. Die in letzter Zeit weltweit fertiggestellten Referenzen zeigen die Vorteile unserer Lagersysteme, denn in den Lagerhallen verschiedenster E-Commerce-Anbieter spielen zum Beispiel die flexiblen und robusten Fachbodenregale META CLIP ihre
vielen Vorteile aus. Auch Förderanlagen, Büroräume und angeschlossener Stahlbau können in die Konzeption mit einfließen. Da sich die Systeme den wechselnden Bedürfnissen ohne großen Aufwand anpassen lassen, sparen Kunden Zeit und Kosten.

mfl: Wo liegt 2019 METAs Schwerpunkt?

Beilenhoff: Bei unseren Zielmärkten setzen wir weiterhin auf einen breiten Branchenmix: Vom einzelnen Regal für Industrie- oder Handwerkskunden (verkauft über unsere Fachhandelspartner) bis hin zu großen und mehrgeschossigen Regalanlagen für unsere Kunden zum Beispiel aus dem E-Commerce. Einen Trend sehen wir in der wachsenden Nachfrage nach unserem herausragenden Service. Hierfür ist META bestens aufgestellt, da wir zusätzlich zu unserer umfassenden Lagerplanung effiziente Kommissionier- und LED-Beleuchtungslösungen anbieten können. Außerdem überzeugen wir unsere Kunden mit unserer Servicequalität. Hierzu haben wir auch mit der Offensive für kurzfristigere Lieferzeiten unsere Position am Markt verstärkt, wofür wir ein neues Lager von über 10.000 m² in Betrieb genommen haben. Abschließend haben wir mit dem neuen Online-Konfigurator META Calc ein Tool zur schnellen sowie einfachen Online-Konfiguration unserer Systeme zur Verfügung.

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