Logistik und Transport
Nearshoring: Roboter erleichtern Rückverlagerung von Logistik
Globalisierung und Standortverlagerung rufen heute mancherorts verstärkt Kritik hervor. Unterbrochene Lieferketten in der Pandemie haben ein Übriges dazu getan, um diesen Trend zu verstärken und das Thema "Nearshoring" zu fördern – eine Option, die durch Robotik unterstützt und erleichtert werden kann.
Durch die Verlagerung von Kapazitäten in Niedriglohnländer konnten Unternehmen aus den westlichen Industriestaaten ihre Kosten senken ohne Kompromisse bei der Qualität ihrer Produkte einzugehen. So erfolgreich war dieses Konzept, das westlichen Verbrauchern heute deutlich weniger Produkte angeboten werden, die aus heimischer Produktion stammen. Bereits vor COVID gab es Forderungen aus der Politik, besonders deutlich hörbar in den USA, Arbeitsplätze wieder zurückzuverlagern.
Das Thema hielt aufgrund der pandemiebedingten Unterbrechungen der Lieferketten dann auch Einzug außerhalb des Politikbetriebs in Unternehmen, denn lückenhafte Lagerbestände sind nicht gut für das Geschäft – ein Argument, um Produktion, Lagerhaltung, Verpackung und Distribution wieder näher bei den Konsumenten anzusiedeln. Durch Nearshoring steigt die Resilienz der Lieferkette, und dieser Faktor ist für viele Unternehmen heute wichtiger als das Kostenargument.
Robotik unterstützt Nearshoring
Automation reduziert das Kostengefälle zwischen Ländern mit höheren und niedrigeren Arbeitskosten. Länder mit niedrigeren Arbeitskosten haben bei gering qualifizierter, arbeitsintensiver Fertigung und Tätigkeit in der Logistik zunächst einen Wettbewerbsvorteil. Aufgrund der niedrigeren Arbeitskosten können Unternehmen durch Verlagerung in diese Länder ihre Kosten senken und dadurch ihre Konkurrenzfähigkeit erhöhen. Doch je mehr Unternehmen diesen Weg einschlagen, desto schneller wächst die Nachfrage nach Arbeitskraft, sodass auch dort die Arbeitskosten steigen. Wenn unabhängig davon die Robotik immer leistungsfähiger und preisgünstiger wird, bietet sich für viele Unternehmen eine echte Alternative: Homeshoring der Logistik und Automatisierung der logistischen Prozesse hier vor Ort, um dem Arbeitskräftemangel zu entkommen – kostenseitig macht es keinen Unterschied, ob ein Roboter in China oder Deutschland läuft. Vor allem jedoch, weil verkürzte Lieferketten weniger störanfällig sind, kann Rückverlagerung von Logistik sinnvoll sein.
Natürlich werden für den Einsatz von Robotiklösungen qualifizierte Fachleute benötigt, zahlenmäßig jedoch deutlich weniger als bei manueller Tätigkeit in Lagerhaltung und Fulfillment. Mit einer Automatisierungslösung sinkt auch der Bedarf an Logistikfläche, die nicht nur hierzulande immer teurer wird. Regalsysteme können dichter beieinanderstehen, und die Ware lässt sich höher stapeln. Der geringere Bedarf an Fläche führt zu Kosteneinsparung und dadurch einem klaren Wettbewerbsvorteil, besonders hierzulande, wo Logistikfläche teuer ist.
Mit einer Robotiklösung können Unternehmen nicht nur Kosten sparen, sondern sich auch besser vor der Inflation schützen. Im Vergleich zu Offshoring wirkt Nearshoring aufgrund der vielen Vorteile auf einmal nicht mehr unerschwinglich, und hinzu kommt der Nutzen der lokalen Lieferkette. So kann Robotik Nearshoring beschleunigen und umgedreht. Je höher die Margen eines Unternehmens und die Qualifikation der Mitarbeiter, desto eher ist Nearshoring eine Option für sie – anders als bei Unternehmen mit niedrigeren Margen und weniger qualifizierten Mitarbeitern.
Mietlösungen ohne anfänglichen Kapitalbedarf
Zu den Hindernissen, die der Automatisierung gelegentlich entgegenstehen, gehören die anfänglichen Investitionskosten für die Einführung einer Robotiklösung. Nutzer müssen außerdem ein Team beschäftigen, das sich mit der Hard- und Software auskennt. Große Unternehmen sind die Vorreiter. Sie können von Skaleneffekten profitieren und ein Team von Spezialisten einstellen. Dagegen haben mittelgroße Unternehmen keine vergleichbaren Ressourcen oder Teams, bei ihnen läuft die Einführung der Automatisieren deshalb langsamer.
Doch es gibt Möglichkeiten, um die hohen anfänglichen Kapitalkosten zu umgehen. Ein neuer Typ von Dienstleistungsunternehmen bietet Mietlösungen, die mit SaaS (Software as a Service) vergleichbar sind. Sie bieten schlüsselfertige Robotiklösungen gemäß dem RaaS(Robotics as a Service)-Modell auf Basis von flexiblen Abonnements. Der Einstieg in die Automatisierung ist für Unternehmen oft die größte Hürde. Wenn diese Barriere jedoch einmal überwunden ist, entwickeln sich die Vorteile im Handumdrehen. Vielleicht ist Robotik ja der Vorreiter einer neuen industriellen Revolution.











