FTS

FTS in voller Fahrt

Experten sehen in der Intralogistik einen Trend zu automatisierten Produktionsabläufen und zur Vernetzung von Komponenten. In diesem Umfeld steuern Fahrerlose Transportsysteme (FTS) einen stabilen Kurs: Die Autonomie-Bewegung hat Fahrt aufgenommen. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage von materialfluss unter führenden Herstellern.

Fahrerloser Plattformwagen von MLR
Fahrerloser Plattformwagen von MLR speziell für die Automobilindustrie. Foto: MLR

Wer im Umfeld von Industrie 4.0 zukunftssicher investieren will, kommt an Fahrerlosen Transportsystemen nicht vorbei“, sagt Markus Kölsch, Leiter Unternehmenskommunikation der MLR-Gruppe. „Die Nachfrage nach FTS boomt und wir haben unsere Kapazitäten in den vergangenen zwei Jahren deutlich ausgebaut.“ Als klassischer FTS-Hersteller bediene MLR Kunden, deren spezifische Lager- und Transportsituation individuell konfigurierte Fahrzeuge und maßgeschneiderte Systeme erfordern, die sich mit automatisierten Standardfahrzeugen nicht realisieren lassen.

Markus Kölsch
„Die Nachfrage nach fahrerlosen Transportfahrzeugen boomt.“

Markus Kölsch Leiter Unternehmenskommunikation MLR Gruppe

Auf der LogiMAT hat MLR einen Plattformwagen vorgestellt, der speziell für die Automobilindustrie konzipiert worden ist. Markus Kölsch: „Das Fahrzeug transportiert Bauteile, Motoren oder ganze Karosserien in der Vormontage und kann dort als Alternative zur Bandfertigung eingesetzt werden.“ Im Fahrzeug ist ein Hubtisch integriert, der sich bis zu einer Höhe von 818 Millimeter ausfahren lässt. Dadurch können Arbeiter, die Montagen an den transportierten Lasten vornehmen, eine für sie passende Arbeitshöhe individuell einstellen. „Das Fahrzeug ist speziell für enge Arbeitsumgebungen geeignet. Der drehbare Differenzialantrieb mit zwei beweglichen Antriebseinheiten ermöglicht kleine Lenkradien und parallel versetzte Fahrbewegungen“, beschreibt Kölsch. Die Steuerung der Fahrzeugkomponenten übernehme eine SPS von Siemens. Der in der Automobilindustrie weit verbreitete Controller habe den Vorteil, dass sich Zusatzaufgaben, Überwachungs- oder Kontrollfunktionen so schnell und einfach auch mit dem eigenem Personal der Autobauer implementieren lassen.

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Transportplattform Fast Move von EK Automation
Die Transportplattform Fast Move von EK Automation sorgt für eine optimale Ver- und Entsorgung in Produktionsabläufen. Foto: EK Automation

„Nachfrageüberhang seit 2017“

Eine positive Entwicklung in diesem Bereich sieht auch Ronald Kretschmer, Director Marketing and Sales bei EK Automation. „Die Nachfrage nach Fahrerlosen Transportsystemen steigt bereits seit etwa fünf Jahren deutlich an, seit 2017 verzeichnet dieser Industriezweig sogar einen spürbaren Nachfrageüberhang“, skizziert er. Die Branche entwickle sich derzeit sehr gut, da Industrie- und Logistikunternehmen weltweit einen großen Bedarf an intelligenten und vernetzten Materialfluss-Lösungen für die automatisierte und zielgenaue Beförderung von Transportgütern hätten. „Viele unserer Kunden sind der Meinung, dass autonome Transportroboter das vorherrschende Transportmittel der Zukunft sein werden“, sagt Ronald Kretschmer. Der Grund dafür liege auf der Hand: Nur sie können die nötige Flexibilität im Materialfluss in intelligenten Fabriken und Intralogistikumgebungen sicherstellen. Kretschmer weiter: „Wir sind als Marktführer in Europa mit unseren innovativen Transportlösungen sehr gut aufgestellt, um die anspruchsvollen Herausforderungen auf dem Weg zur Industrie 4.0 erfolgreich zu meistern.“

Ronald Kretschmer
„Die Branche entwickelt sich derzeit sehr positiv.“

Ronald Kretschmer Director Marketing and Sales EK Automation

Auf der LogiMAT hat EK Automation die multifunktionale Transportplattform Fast Move präsentiert. Diese sorgt nach Angaben des Unternehmens für eine optimale Ver- und Entsorgung der Produktionsabläufe in Industrie 4.0-Umgebungen und bildet als skalierbare Technologieplattform die Grundlage für eine völlig neue Generation zukünftiger Transportroboter. „Er benötigt keinen Rangierplatz und führt dank seines skalierbaren und wartungsarmen Fahrwerkkonzepts jede beliebige Bewegung in der Fläche aus“, beschreibt Ronald Kretschmer. Der Fast Move sei leistungsstark und bewege bis zu 2.000 Kilogramm Traglast mit einer Geschwindigkeit von bis zu zwei Meter pro Sekunde. „Das System ist eine kosteneffiziente, industrietaugliche Hightech-Lösung für vielfältige Transportaufgaben“, so Kretschmer.

Wirtschaftliche Basis ist entscheidend für den Einsatz

FTS
In der Stahlindustrie sorgen FTS für den sicheren Transport von flüssigem Eisen. Foto: SVGCE

Auch Bo-Göran Eriksson sieht eine positive Entwicklung seiner Branche. „Es gibt derzeit ein weltweites Interesse an FTS-Systemen“, sagt der Geschäftsführer der SVGCE Schwerlast-Transportsysteme GmbH. Oft seien jedoch die Erwartungen der Anwender unrealistisch, und in einigen Fällen gebe es keine wirtschaftliche Basis für den sinnvollen Einsatz der Fahrzeuge. Generell gehe der Trend zu individuellen Systemlösungen, die sich flexibel den schnell wandelnden Ansprüchen anpassen können. „Die Anforderung unserer Kunden besteht meist darin, FTS in bestehende Gebäude zu integrieren. Sie suchen nach Systemen, die einfach zu bedienen sind und schnell in Betrieb genommen werden können“, beschreibt er. Darüber hinaus neigten Anwender verstärkt dazu, an der Inbetriebnahme teilzunehmen, um spätere Programmanpassungen selber durchführen zu können.

Bo-Göran Eriksson
„Die Anforderung unserer Kunden besteht meist darin, FTS in bestehende Gebäude zu integrieren.“

Bo-Göran Eriksson Geschäftsführer SVGCE Schwerlast-Transportsysteme GmbH

SVGCE Schwerlast-Transportsysteme besitzt laut Bo-Göran Eriksson über 40 Jahre Erfahrung auf diesem Gebiet. „Unsere Stärke liegt in der Kombination unterschiedlicher Fortbewegungsmitteln wie Luftkissen oder Räder mit diversen Steuerungs-, Sicherheits- und Navigationssystemen“, schildert er. Dadurch könne sein Unternehmen stets optimierte, individuelle Lösungen anbieten, die exakt auf die Kundenanforderungen zugeschnitten sind.

Produktpalette von Rocla
Die Produktpalette von Rocla umfasst vier Grundmodelle, die in verschiedenen Varianten ausgeführt werden können. Foto: Rocla

Fahrerlose Transportsysteme ebnen nach Angaben der finnischen Rocla Oy den Weg, um Kundenprozesse in Industrie 4.0-Umgebungen zu verbessern. „Wir sind seit 35 Jahren Wegbereiter der Automationsindustrie und haben als erste serienmäßig hergestellte FTS am Markt eingeführt. Nach wie vor setzen wir auf maßgeschneiderte und die Kundenbedürfnisse zugeschnittene Lösungen“, sagt Niels Hanssen, verantwortlich für den Automatisierungs-Vertrieb im deutschsprachigen Raum. Rocla will das globale Automatisierungs-Geschäft durch die Einrichtung kontinentaler Hubs und lokaler Vertriebspartner konsequent weiter ausbauen. Ein weiterer Schwerpunkt liege in der Entwicklung eines neuen, digitalen FTS-Konzeptes unter der Bezeichnung „Easy AGV“. „Dieses versetzt uns in die Lage, komplett skalierbare Automatisierungslösungen für unsere Kunden weltweit zu liefern“, sagt Hanssen. Im vergangenen Jahr habe Rocla die innovative dynamische FTS-Software „Rocla Route Optimizer“ mit großem Erfolg vorgestellt. „Mit dieser Automatisierungslösung steigern wir die Leistung im Materialhandling unserer Kunden um bis zu 20 Prozent. Das System optimiert die von den FTS verwendeten Verfahrbahnen und sorgt so für einen reibungslosen Verkehrsfluss“, beschreibt Niels Hanssen. Die Software finde die schnellsten Fahrwege und mache dadurch sämtliche manuelle Verkehrsregeln überflüssig. Staus gehören damit der Vergangenheit an.

Niels Hanssen
„Unsere Automatisierungslösung steigert die Leistung im Materialhandling um bis zu 20 Prozent.“

Niels Hanssen Vertrieb Automatisierung im deutschsprachigen Raum Rocla

Rocla bietet aktuell eine Produktpalette mit vier Grundmodellen, die in verschiedenen Varianten ausgeführt werden können. Die Version ATX eignet sich für Standard-Ladeträger wie Paletten oder Gitterboxen bis zu 1.600 Kilogramm, das Modell ART gibt es als Schubmast-Fahrzeug für Lasten ebenfalls bis zu 1.600 Kilogramm. Für variable Ladeträger mit verschiedenen Modulen und einem Gewicht bis zu 3.500 Kilogramm empfiehlt sich die Variante AWT. Als Schwerlastmodell gibt es den AWTh bis maximal 10.000 Kilogramm.

intra_logistic_kastenbild

Intra meint: Hochspannend

Glücklich kann sich schätzen, wer Fahrerlose Transportsysteme, gern auch Automated Guided Vehicles genannt, in seinem Portfolio hat – als Anbieter und auch als Kunde. Denn die Lust oder die Notwendigkeit auf und für Flexibilität in den Intralogistikkonzepten läßt sich sehr gut mit diesen kleinen, intelligenten und gut skalierbaren Dingern lösen. Forscher träumen gar von Schwärmen und Künstlicher Intelligenz, den die FTS oder AGV (siehe oben) entwickeln. Ich sehe es eher praktisch: Überall, wo ein Mensch bislang regelmäßig in Gebäuden oder Lagern Ware von A nach B bringen musste, ist eine Automatisierungslösung denkbar und dank der Kompetenz der hier vorgestellten Anbieter auch realisierbar.
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