Autonome mobile Roboter
Eine smarte AMR-Lösung für das E-Commerce-Fulfillment
Radial Europe ist ein internationaler E-Commerce-Fulfillment-Provider und Mitglied der belgischen bpost-Gruppe. Das Unternehmen musste feststellen, dass sein manuell betriebenes Distributionszentrum im niederländischen Groningen den steigenden Anforderungen des E-Commerce-Geschäfts nicht mehr gewachsen war. Die Lösung für diese Herausforderung lieferten Dematic und Quicktron Robotics: Ein neues Lager in Groningen mit 299 AMRs, die Bin-to-Picking-Aufgaben übernehmen.
Wenn man das neue Lager von Radial Europe am Nachmittag betritt, sieht man zuerst die vielen autonomen mobilen Roboter, die sich geräuschlos über den Boden bewegen und dabei sehr gezielt ihren Transportaufgaben nachgehen. Kein Chaos, kein gegenseitiges Aneinanderstoßen und kein lautes Dauerpiepen. Auf dem Boden angebrachte Strichcodes und rasterbasierte Navigation helfen den Maschinen, den Kurs zu halten.
Eine flexible und kreative Lösung
Nach ein paar Minuten, in denen man dieses Roboterballett beobachtet hat, stellt man fest, dass die Bewegungen der AMRs von einem leisen Summen begleitet werden: "Der Lagerleiter nennt sie die ‚Hummeln‘ des Lagers", erklärt Marcel Spruijt, Verkaufsleiter von Dematic in den Niederlanden. Der erwähnte Ron Kleinsmit ist bei Radial Europe als Lagerleiter für den Standort Groningen verantwortlich.
Spruijt, der seit Beginn des Projekts dabei ist, hat erkannt: Ein großer Vorteil der AMRs im Lager die Flexibilität und Skalierbarkeit. Ihr Einsatz könne eine sehr flexible Lösung für den Kunden sein: Dieser kann die Anzahl der Roboter erhöhen oder verringern und sie dort platzieren, wo sie im Lager am meisten gebraucht werden. Die von Dematic entworfene und installierte Lösung umfasst drei Arten von Basisrobotern. Ein neuer Kommissionierer kann innerhalb einer Stunde in das System eingewiesen werden und mit den AMRs zusammenarbeiten.
Die Komplexität des Roboters liegt in den in die Software integrierten Algorithmen, die sowohl von Dematic als auch vom Lösungspartner Quicktron Robotics entwickelt wurden. Da die AMRs in Bezug auf die Hardware nicht sehr komplex sind, sind sie auch recht einfach zu warten. Bei Radial wurde die Robotersoftware von Quicktron nahtlos in das bestehende System des Kunden integriert. "Manchmal hat der Kunde Bedenken hinsichtlich der Stabilität und Sicherheit der betreffenden Software, aber Dematic verfügt über ein so umfassendes Fachwissen, dass wir alle Sicherheitsaspekte vollständig abdecken können", erklärt Carl De Schutter, Teamleiter für Software-Engineering im BeNelux bei Dematic.
Kleinsmit, der bei der Einführung der Lösung in das neue automatisierte Lager in Groningen nicht dabei war, erzählt, dass er vor seinem Eintritt bei Radial im letzten Jahr aus einer eher manuellen Logistikumgebung kam. Zu sehen, wie die Automatisierung und die AMRs zum ersten Mal funktionierten, war für ihn ein "unglaublicher" Anblick. Etwa sieben Monate nach der Inbetriebnahme der 299 Roboter Ende 2023 sagt er, dass die Erwartungen "erfüllt wurden und in einigen Fällen sogar mehr als erfüllt wurden, aber wir müssen noch viel lernen".
Rund 20.000 wechselnde Lagereinheiten
Insgesamt betreibt Radial in ganz Europa sieben E-Commerce-Fulfillment-Zentren. Das bisher manuell betriebene Distributionszentrum in Groningen im Osten der Niederlande musste aufgrund neuer Entwicklungen des E-Commerce-Geschäfts modifiziert werden: "Wir haben einen Kunden, der ‚Fast Fashion‘ verkauft und jeden Mittwoch ein neues Produkt auf den Markt bringt, was bedeutet, dass sich viele SKUs (Stock Keeping Units) ändern, und wenn eine SKU ausläuft, wird sie normalerweise nicht wieder aufgefüllt. Das bedeutet eine riesige Anzahl von Artikeln, die verwaltet werden müssen", erklärt Kleinsmit.
Das Regallager umfasst insgesamt fast 40.000 Stellplätze für verpackte Waren. Die Produktpalette des Kunden umfasst rund 20.000 ständig wechselnde Lagereinheiten. So wuchs der Lagerbereich schnell mit Kommissionierwegen von bis zu zwei Kilometern, und die Kommissionierer brauchten oft fast zwei Stunden, um ihre Wege zu bewältigen. Das Unternehmen suchte nach einer Lösung, die die Lagerfläche verkleinert, die Durchlaufzeiten verkürzt, die Produktivität bei der Kommissionierung erhöht und die Handhabung von sperrigen Gütern verbessert. Daher entschied sich das Unternehmen für den Bau einer automatisierten Anlage an einem neuen Standort in Groningen. Auf der Suche nach einem zuverlässigen und erfahrenen Automatisierungspartner erkannte Radial schnell das Potenzial der Lösung, die der Software- und Lagerautomatisierungsspezialist Dematic und sein Partner Quicktron, ein Unternehmen, das sich auf den Bau autonomer mobiler Roboter (AMR) spezialisiert hat, vorgeschlagen hatten.
Durchbruch im Design: die Ware zum Kommissionierer bringen
Eines der herausragenden Merkmale der Dematic-Lösung war die Entwicklung eines Ware-zur-Person-Prozesses, der vollständig von Robotern anstelle von statischer Fördertechnik abgewickelt wird. Das spart Zeit. Für Radial Europe war dies ein entscheidender Faktor bei der von Dematic vorgeschlagenen Gesamtlösung. Eine weitere Besonderheit ist die Einführung von hybriden Kommissionierplätzen, an denen ein Mitarbeiter Behälter und Palettenkartons entgegennehmen und mehrere Kundenaufträge gleichzeitig an einem Ablageplatz bearbeiten kann. Viele "intelligente" Funktionen wurden auch in den Warenfluss integriert: Wenn der letzte Artikel aus einem Behälter entnommen wird, fragt das System immer, ob der Behälter vollständig leer ist. Nach Fertigstellung der Halle wurden die Regalinstallationen und die AMR-Integration abgeschlossen. Es folgte eine Testphase für die Software, und im März 2023 begannen Dematic und Quicktron mit Tests vor Ort.
Unternehmen, die eine Umstellung auf Automatisierung und den Einsatz von Robotern in Erwägung ziehen, empfiehlt Kleinsmit dringend, sich gründlich über die Technologie zu informieren und zu verstehen, was sie leisten kann, sowie ein "Logistikprofil" ihrer Einrichtung zu erstellen. "Wir haben viele Technologien, die wir einem Kunden anbieten können. Für welche man sich letztendlich entscheidet, ist sekundär. Denn für uns ist es am wichtigsten, sicherzustellen, dass der Grund, warum der Kunde zu uns gekommen ist – seine Herausforderung –, auf die bestmögliche Weise schnell und effizient gelöst wird", fasst Farly Orie, Managing Director für BeNeLux und Nordics bei Dematic, zusammen.












