Aus materialfluss 3/2020

Martin Schrüfer,

Vom Roboter zur Intralogistik

Im Interview mit Martin Schrüfer verraten die ­beiden Cellumation-Manager Dr. Ing. Hendrick Thamer (CEO) und Claudio Uriarte (CTO), was Materialfluss mit Fußballrobotern zu tun hat ­ und wie es mit dem Start-Up und seinem bahnbrechenden Produkt weitergeht.

© Cellumation

materialfluss: Wie und wann ist die Idee, die cellumation zugrunde liegt, entstanden?
Claudio Uriarte: Die Idee ist an dem Bremer Institut für Produktion und Logistik an der Universität Bremen entstanden. Wir haben dort mehrere Jahre zuvor gearbeitet und uns 2017 daraus ausgegründet. Was die Entwicklung des celluveyor betrifft, benötigten wir im Rahmen eines Forschungsvorhabens eine hochflexible Förderfläche. Sie sollte Objekte auf kleinstem Raum in alle Richtungen bewegen können. Am Markt gab es allerdings keine geeignete Technologie – und das Projekt kam dadurch ­leider nicht zustande. Ein paar Monate später sah ich dann mobile Fußballroboter. Die Roboter konnten sich flexibel und schnell in alle Richtungen bewegen. Das war initial. Ich dachte: Warum nicht die Robotermannschaft umdrehen, gemeinsam ansteuern und das Fußballfeld fördern!? So entstand der celluveyor. Das Grundelement, die Zelle, ist nichts anderes als ein umgedrehter Fußballroboter.
Hendrik Thamer: Danach entwickelten wir in Nachtschichten und Wochenenden zahlreiche Prototypen, um zu testen, ob der Grundgedanke des celluveyor technologisch umsetzbar wäre. Als das belegt war, fing die eigentliche Arbeit erst an. Es mussten Kapital und Fördergeld für die Weiterentwicklung eingeworben werden und neben der Entwicklungsarbeit galt es, die geschäftliche Planung für eine Unternehmensgründung umzusetzen. Insgesamt sind von der ersten Idee bis zum heutigen Stand neun Jahre vergangen.

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mfl: Planen Sie, Cellumation eigenständig zu lassen oder ­liebäugeln Sie mit einem Partner?
Uriarte: Durch unsere vorherige Arbeit am Institut sind wir selbstständiges Arbeiten bei gleichzeitig hohen Freiheiten gewohnt. Diese Arbeitsweise haben wir auch in unser Unternehmen übernommen – und möchten sie gern beibehalten. Nichtsdestotrotz sind wir offen für Partner. Im Dezember 2018 haben wir beispielsweise die spa-nische Firma Vector Conveyors als Partner bei cellumation aufgenommen. Deren Know-How in Themenbereichen wie Produktion und industrielle Anforderungen brachte Expertise in das Unternehmen, die wir im Vorfeld nicht hatten. Das hat uns deutlich nach vorne gebracht.

Hendrick Thamer (CEO Cellumation) © Cellumation

mfl: Cellumation hat bereits einige Projekte realisiert, ist aber noch nicht groß in der Branche aufgetreten. Ist dies Teil eines größeren Plans oder eher bremische Bescheidenheit?
Thamer: Wahrscheinlich eine Mischung aus beiden. Ein Unternehmen auf Basis einer neuartigen Idee aufzubauen ist schon schwer genug. Wenn das Vorhaben auch noch kapitalintensiv ist, erhöht sich der Schwierigkeitsgrad noch mal. „Hard-ware is hard“. Daher haben wir uns zunächst darauf konzentriert, unsere Technologie insoweit zu entwickeln, dass sie schnell robust ist und die Anforderungen unserer Kunden erfüllt. Zeitgleich hat der Unternehmensaufbau viele Ressourcen gefordert. Wir hatten uns also bewusst entschieden, medial zunächst einmal etwas leiser aufzutreten. Jetzt sind wir aber gut aufgestellt und werden die Bremer Bescheidenheit auch mal beiseitelegen.

mfl: Wie geht es mit dem Celluveyor weiter?
Thamer: Für gezielte Weiterentwicklungen gibt es genügend Potential – wir werden noch die eine oder andere Überraschung liefern. Die Hardware-Entwicklung ist abgeschlossen und wir stoßen jetzt die Serienfertigung an. Die Besonderheit unserer Lösung liegt letztlich darin, dass die ganze Funktionalität auf der Software basiert. Die Zellen sind immer gleich und können jetzt in Masse gefertigt werden. Für zusätzliche Anwendungen entwickeln wir die Software entsprechend aber kontinuierlich weiter. Insofern haben wir uns jetzt nach Abschluss der Hardware-Entwicklung zum Software-unternehmen entwickelt und bringen jetzt deren Vorteile in die Fördertechnik.

Claudio Uriarte (CTO Cellumation) © Cellumation

mfl: Wo werden die Elemente produziert? Wie planen Sie die Fertigungstiefe?
Uriarte: Die Elemente werden im ersten Schritt bei unserem Partner Vector Conveyors in Spanien produziert. Hier sind entsprechende Kapazitäten frei und die notwendigen Prozesse und Arbeitsplätze bereits vorbereitet. Wir werden uns vollständig auf unsere Stärke, die Entwicklung und Umsetzung von neuen Technologien, konzen­trieren. Den Vertrieb werden wir durch regionale und glo-bale Systemintegratoren realisieren. cellumation wird keine Integration machen. Dafür haben die Systemintegratoren die notwendigen Erfahrungen und Ressourcen – und sie können die Anwender über ihre Servicenetzwerke unterstützen.
Thamer: Wir arbeiten bereits mit einigen Integratoren zusammen, sind aber offen für weitere Partnerschaften. Sollte sich also jemand nach dem Interview angesprochen fühlen...

mfl: Wie wichtig ist Ihnen der Austausch mit der Branche, wie er beispielsweise beim TEAM Logistikforum erfolgte?
Thamer: Der Austausch ist für uns immens wichtig. Insbesondere unser Vortrag und die anschließende Diskussion auf dem TEAM Logistikforum hat sehr viel Spaß gemacht. Das Feedback war sehr gut und hilfreich. Wir haben uns auch während der Entwicklungsphase der Technologie vereinzelt auf Fachveranstaltungen präsentiert. So konnten wir 2018 im Rahmen des BVL Kongresses den Startup-Wettbewerb gewinnen und auch beim DHL Innovation Day 2016 den Innovation Award gewinnen. Die vielen hilfreichen An­regungen konnten wir nutzen, um uns auf allen Ebenen zu ­verbessern. Daher werden wir den Austausch gern beibehalten und weiter intensivieren.

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