Fördertechnik & Komponenten
Rulmeca: Auf die hygienischen Bedingungen kommt es an
Vor allem wenn Obst, Gemüse, Milchprodukte oder pharmazeutische Produkte verarbeitet werden, kommt es auf hygienische Bedingungen an – gerade auch bei der Fördertechnik. Spezielle Reinigungsverfahren wie das Clean-in-Place-Verfahren finden bei laufendem Förderband statt. Komponenten wie Trommelmotoren müssen hierbei eine besondere Dichte aufweisen. Rulmeca schlägt vor, eine neue Schutzart für doppelten Schutz einzuführen: IP66/99 plus.

Viele verfahrens- und fördertechnische Maschinen und Anlagen in der Lebensmittel-, Getränke- und Pharmaindustrie müssen nach jedem Produktionszyklus gereinigt werden, um sie für den nächsten Produktionszyklus startbereit, sauber und frei von potenziellen Krankheitserregern und Kreuzkontaminationen zu machen. Hierfür werden zunehmend auch Clean-in-Place-Verfahren eingesetzt. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie vor Ort und ohne Demontage der Komponenten durchgeführt werden. Ziel dieser Reinigungsverfahren ist es, durch die exakte Definition von Reinigungsmitteln, Drücken, Temperaturen und Zeiten einen Prozess festzulegen, bei dem die gewünschte Reinigungsleistung jederzeit reproduzierbar ist und damit nachhaltig sichergestellt und auch dokumentiert werden kann.
Mit Dampfstrahlern gegen empfindliche Komponenten
In der Fördertechnik werden Clean-in-Place-Verfahren vielfach bei laufendem Förderband umgesetzt. Und dies hat seine Gründe: Zum einen ist es recht aufwändig, einen schweren Fördergurt, der über mehrere Meter reicht, abzunehmen und wieder neu zu montieren. Zum anderen ist es aber auch so, dass man beispielsweise die Glieder von Kunststoffmodulbändern im laufenden Betrieb besser reinigen kann, weil man so die Zwischenräume Stück um Stück dort am besten erreicht, wo sich die Glieder am weitesten öffnen. Aber Reinigungskolonnen gehen oft mit Hochdruckreinigern und Dampfstrahlern kompromisslos vor. Sie haben nämlich einen klaren Auftrag: So schnell wie möglich alles tipptopp sauber zu machen. Rücksicht auf empfindliche Komponenten wird hier nicht genommen.

Fördertechnische Komponenten wie Trommelmotoren müssen also in jedem Fall nicht nur resistent gegen aggressive Reinigungs- und Desinfektionsmittel sein, sondern auch bei mehrfacher täglicher Reinigung mit Schwallwasser sowie Hochdruck- und Dampfstrahlreinigung hundertprozentig dicht sein.
Doppelter Schutz
Ob eine Komponente die erforderliche Dichtheit bietet, wird zumeist in IP-Schutzgraden angegeben. Wichtig ist, dass Motoren mit einem doppelten IP-Schutz ausgestattet sind, denn es ist ein Unterschied, ob ein System für einen Schutz nach IP66, nach IP69 oder nach beiden Schutzarten mit IP66/IP69 spezifiziert ist. Der hochwertiger wirkende IP69-Schutz beinhaltet nicht automatisch auch den IP66-Schutz. Beim IP66-Schutz hat starkes Strahlwasser aus 3 Meter Entfernung mit 100 Litern pro Minute bei einem Druck von 1 bar gegen das Gehäuse aus jeder Richtung für mindestens 3 Minuten keine schädlichen Auswirkungen. IP69 bietet Schutz gegen Hochdruck- oder Dampfstrahlreinigung. Damit sind Systeme gegen Strahlwasser aus unmittelbarer Nähe mit hoher Temperatur geschützt.
Die Edelstahl Trommelmotoren von Rulmeca weisen genau diese doppelte IP66/IP69-Schutzstufe auf, deshalb IP66/IP69-plus. Damit sind sie nachweislich geschützt gegen eine Vorreinigung und ein nachträgliches Ausspülen der Reinigungs- und Desinfektionsmittel sowie gegen die mikrobiologische Reinigung mit Dampfstrahl- und Hochdruckreinigern.
Auch im laufenden Betrieb getestet

Dieser doppelte Schutz ist augenscheinlich hinreichend. Er trifft bei Trommelmotoren jedoch nicht ganz, denn man muss wissen, dass die IP-Tests bei Stillstand gefahren werden. Wie sieht es aber bei Förderanlagen aus, die mit Clean-in-Place-Verfahren bei laufendem Motor gereinigt werden? Für solche Anwendungen müssten Trommelmotoren auch im laufenden Betrieb einen IP66/69-plus Schutz aufweisen. Wie unterscheidet sich diese Anforderung aber? Bei montiertem und drehendem Motor belasten die Bandkräfte das Lager der Achse einseitig. Dadurch können mikroskopisch kleine Spalten auftreten, die bei Stillstand nicht vorhanden sind.
Diese Spalten können zu einem Eindringen von Reinigungsmitteln und Wasser führen, was die Standzeit der Motoren reduzieren und den Wartungsaufwand erhöhen kann. Rulmeca hat seine Trommelmotoren deshalb als erstes Unternehmen der Branche auch im laufenden Betrieb getestet. Und auch bei Betrieb konnte nachgewiesen werden, dass die Motoren einen zuverlässigen Schutz sowohl unter IP66- als auch unter IP69-Bedingungen bieten.
Hundertprozentig dicht
Der kritische Punkt ist die Dichtung zwischen dem statischen Achszapfen und der drehenden Trommel. Rulmeca hat an dieser Stelle eine höchst dichte Lösung entwickelt. Wettbewerbslösungen verwenden oftmals eine gehärtete Laufbuchse, die auf den Achszapfen geklebt wird und mit einer Stahlscheibendichtung arbeitet. Rulmeca nutzt eine vergleichsweise einfacher gebaute Reibschlussdichtung aus hochwertigem PTFE. Im Dichtungsbereich ist der Achszapfen hierfür durch Rollieren oberflächenvergütet worden. Die Dichtfläche wird dadurch härter und glatter. Die PTFE-Mikropartikel sorgen auf dieser Oberfläche für einen reibungsfreien und langzeitdichten Lauf ohne Abrieb. Damit auch im Betrieb und bei den hier zusätzlich auftretenden Bandzugkräften eine hundertprozentige Dichtigkeit gegeben ist, verfügt die PTFE-Dichtung über eine im Hause Rulmeca eigenentwickelte Doppellippendichtung ohne Mikroschraubeffekt. Bei normalen gedrehten Dichtungen entstehen nämlich feinste Gewinderiefen, durch die Flüssigkeiten bei Rotation wandern können, wie ein Tonabnehmer über eine Schallplatte. Dieser Effekt tritt bei den Rulmeca Trommelmotoren nicht auf und macht sie dadurch sicher gegen das Ein- und Austreten von Flüssigkeiten.
Über Rulmeca
Die Rulmeca Germany GmbH ist Teil der Rulmeca Gruppe mit Sitz in Alme/Italien. Rulmeca Germany GmbH produziert an zwei ISO-zertifizierten Standorten in Aschersleben und Leipzig mit über 200 Mitarbeitern Tragrollen, Trommelmotoren und Gurttrommeln für den Einsatz in der Stückgut- und Schüttgutfördertechnik. Dafür arbeitet das Unternehmen weltweit mit Anlagenherstellern, Entwicklungsbüros und Endverbrauchern zusammen. Neben der Produktion von Fördertechnikkomponenten bietet Rulmeca seinen Kunden auch die Berechnung von Förderbandelementen komplexer Anlagen als Dienstleistung.
Fazit
Die Branche kennt seit längerem das Problem, dass trotz IP66- oder IP69-Schutzart Wasser in den Trommelmotor eintreten kann. Rulmeca hat eine Lösung gefunden und zertifiziert nun nach beiden Schutzarten und erweitert diese Schutzart auch auf den laufenden Betrieb.
Andreas Flies









