Wichtiger Ausbauschritt

Martin Schrüfer,

Vollautomatisches Tiefkühllager mit Mehrwert

Ende Februar 2019 wurde die Erweiterung des Kühlhauses Neuhof im schweizerischen Gossau offiziell eingeweiht. Der Ausbauschritt des vollautomatischen Tiefkühllagers wurde durch Gilgen Logistics ­ausgeführt. Die Kühlhaus Neuhof AG verfügt nun über wesentlich mehr Platz und konnte zudem ihr Angebot um Mehrwert-Dienstleistungen ergänzen.

© Gilgen Logistics

Die Kühlhaus Neuhof AG ist spezialisiert für die ­Einlagerung von Fleisch, verarbeiteten Kartoffeln, Gemüsehalbfabrikaten und Lebensmitteln aller Art. 2010 ist ein Neubau mit rund 5.780 Palettenplätzen erbaut und 2012 in Betrieb genommen worden. Gilgen Logistics lieferte damals die Palettenförder­technik, sowie die Lkw-Andockstationen. Im TK-Lager werden vor allem Dienstleistungen im Bereich Lebensmittellagerung und –umschlag angeboten. Verschiedene Kunden nutzen die Logistik-Dienstleistung zur Auslagerung ihrer Produktions­mengen oder als Zwischenlagerung für Rohstoffe. Die mit dem Neubau realisierte Verdoppelung der Kapazität wurde bereits gegen Ende des zweiten Betriebsjahres erreicht. So konnte den Einlagerungswünschen der Geschäftspartner nur noch beschränkt nachgekommen werden. Nur fünf Jahre später ist das Logistikzentrum rund eineinhalb Mal so groß wie der bisherige Bau. Die Gilgen Logistics AG wurde mit der Realisierung des vollautomatischen Tiefkühllagers beauftragt. Zuzüglich zur ­Intralogistik mit Hochregallager, Palettenfördersystem, Regalanlage, lieferte sie die Steuerung, das Lagerverwaltungssystem mit Visualisierung, sowie den Materialflussrechner. Zusätzlich wurden auch Optimierungen an der bestehenden Anlage vor­genommen. Die Andockstellen wurde mit zwei Andockrampen und einer Außenrampe erweitert.

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Kapazität auf über 13.700 Paletten erhöht
Das Tiefkühllager ist für ergonomische Arbeitsprozesse, hohe Effizienz und durchgehende Transparenz ausgelegt worden. Die optimierte Lagerung der TK-Produkte und die eindeutige Verfolgbarkeit der Warenbewegungen waren oberstes Gebot bei der Konzeption. Die Planung des Projekts lag in den Händen der Firma W+P Weber und Partner. Die angelieferten Lebensmittelpaletten werden nach der Entladung aus den Lkw in die 5°C gekühlte Warenumschlagszone im EG des Kopfbaus überführt. Die rund 1.200 verschiedenen Artikel werden bei den Aufgabestationen im EG an das Palettenfördersystem über­geben und gelangen anschließend ins manuelle Palettenlager mit Kommissionierbereich, wenn erforderlich in den Schockfrosterbereich mit Zwischenlager oder direkt in das vollautomatische Hochregallager (HRL), wo sie bei einer Temperatur von -28°C zwischengelagert werden. Das Durchmischen der Paletten im Zwischenlager ist möglich. Die Palettenfördertechnik mit zwei Aufzügen wurde im -28° C Temperaturbereich und teil­weise im Schockfrostbereich -38° C installiert.

Die Kapazität des bestehenden Hochregallagers wurde von 5.780 auf über 13.700 Palettenplätze mit zwei weiteren vollautomatischen Lagergassen erhöht. Das Kanallager kann drei beziehungsweise sechs Paletten tief einlagern. Stirnseitig im Erd­geschoss befinden sich die Ein- und Auslager-Strecken für den Zu- und Abtransport zu den Übergabestellen der Regalbediengeräte (RBG). Um eine optimierte Ausnutzung der Lager­flächen im HRL zu erlangen, steuert das Lagerverwaltungs­system die Paletten mit Nachverdichten im Lager.

Die Steuerung der RBG erlaubt es, Einlageraufträge und gleichzeitig Auslageraufträge wegeoptimiert abzuarbeiten. Durch das minimale Anfahrmaß, kann der Gebäudekubus für die TK-Lagerung effizient genutzt werden. Die RBG sind mit einer Fachfeinpositionierung mittels Kamerasystem und ­weiteren zwei Kameras für die Überwachung ausgerüstet.

Tiefkühllagerung mit neuen Nutzungsmöglichkeiten
In einem Teil des Lagers wurden in zwei Stockwerken manuelle Kommissionierbereiche eingebaut. Die zwei neuen manuellen Kommissionierbereiche auf zwei Ebenen bieten flexible ­Nutzungsmöglichkeiten, zum Beispiel für die Kommissio­nierung, das Antauen, Umpalettieren, sowie die Preisauszeichnung. Nach der Kommissionierung werden die für den Versand aus­gezeichneten Paletten sowie die artikelreinen Anbruch-Paletten wieder im Hochregallager eingelagert.
Rund 1/3 der einzulagernden Lebensmittel müssen, damit eine vorgegebene TK-Kerntemperatur in einer definierten Zeit erreicht wird, schockgefrostet werden. Dies erfolgt in der automatischen Schockfroster-Anlage welche im 2.OG integriert wurde. Die Anlage verfügt über 60 Paletten-Frosterboxen, ­welche im vollautomatischen Tiefkühl-Hochregallager unter­gebracht sind. In der im Kopfbau auf +2°C gekühlten Puffer­zone können weitere 50 Paletten in Warteposition gestellt ­werden. Sobald ein Platz im Schockfroster frei wird, wird die Palette über das automatische Fördersystem und einem Querverschiebewagen zur Schockfroster-Anlage gefördert und nach Abschluss des Frosterprozesses in das automatische Hochregallager eingelagert.

Eindeutige Verfolgbarkeit der Warenbewegungen
Das neue Warehouse Management System (WMS/MFR, SPS-Steuerung und Visualisierung) verwaltet und steuern das Hochregallager und den gesamten innerbetrieblichen Materialfluss. Der Lagerleitstand und das Business-Intelligence-Tool bieten Übersicht und eine anschauliche Entscheidungsgrundlage im Lager. Die Warenbewegungen können durch die Kühlhaus ­Neuhof AG nachverfolgt und diverse Statistiken über Lager­bestand und Bewegungen je Kunde laufend abgerufen werden. Die Betriebsleitung der Kühlhaus Neuhof AG sieht im ­zentralen Lagerleitstand die angemeldeten Warenbewegungen für den nächsten Tag und kann den Warenumschlag entsprechend ­vorbereiten.

Ökologisch und ressourcensparend
Bei der Planung der Kapazitätserweiterung des Hochregal­lagers und bei der Auslegung der Gebäudekonstruktion und -technik wurden verschiedene ökologische und damit ressourcen­sparende Lösungen geprüft und berücksichtigt. Die Abwärme der Kälteerzeugung wird genutzt, um die Büro- und Sozialräume zu heizen, zur Speisung der Luftschottanlagen und für den Unterfrierschutz des TK-Lagers. Auf dem Dach des ­Lagers wurde eine Photovoltaikanlage mit einer Nennleistung von 250 kWp eingebaut. Die Energie kann von der Kühlhaus Neuhof AG für die Kälteerzeugung genutzt werden. Lagerung, Kühltechnik und Gebäudehülle ermöglichen einen Betrieb mit geringem ­Energieverbrauch.

Für die Zukunft gerüstet
Die Realisierung konnte, entsprechend dem geplanten Bau­terminprogramm, im Verlauf von 20 Monaten ausgeführt ­werden. Die Kühlhaus Neuhof AG ist dank dem Erweiterungsbau und der integrierten Zusatzfunktionen für die Bedürfnisse, welche an einen Tiefkühl-Logistikdienstleister gestellt werden, gerüstet und kann neben der Lagerung im Hochregallager auch die Blocklagerung für Industrie-Paletten, Schockgefrieren, ­Antauen, Kommissionieren und Preisauszeichnung anbieten.

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