Förder- & Hebetechnik

Bahnbetrieb bei Dauerfrost

Unter Normaltemperaturen stellen die Materialfluss-Systeme von Eisenmann ihre Leistungsfähigkeit vielfach unter Beweis. Aber auch bei extremer Kälte erfüllen Conveyor-Lösungen des schwäbischen Anlagenbauers ihre Aufgabe, wie diese Anwenderstory zeigt.

17 Twin-Shuttles
17 Twin-Shuttles transportieren bei minus 24 Grad rund 600 Paletten pro Stunde – und das rund um die Uhr. Fotos: Eisenmann

17 Twin-Shuttles verbinden in der Hochregal-Vorzone eines Tiefkühllagers einer Großbäckerei den Wareneingang und Versand mit der internen Lagerlogistik. Bei minus 24 Grad bewegen sie 660 Paletten pro Stunde, rund um die Uhr, sieben Tage pro Woche. Wer aus Wartungsgründen rein muss, will schnell wieder raus: Bei zweistelligen Minusgraden sind Serviceeinsätze im Kühllager eiskalte Herausforderungen. Verständlich, dass Störungen oder gar Ausfälle die absolute Ausnahme bleiben sollen. Damit ist eine zentrale Anforderung an die Lagerlogistik im Kühllagerbereich formuliert: Automatisierte Systeme müssen auch bei extrem niedrigen Temperaturen zuverlässig, prozesssicher und wartungsarm funktionieren.

Durchsatzstarkes Materialfluss-System

Zum Einsatz kommen Elektrohängebahnen von Eisenmann vorwiegend dort, wo standardisierte Verpackungseinheiten schnell und mit hohen Durchsatzraten bewegt werden müssen. Über die Anzahl eingesetzter Fahrzeuge lassen sich EHB-Systeme flexibel an das jeweilige Transportaufkommen anpassen. Der Boden bleibt weitgehend frei von störender Infrastruktur. Die gewährleistete Verfügbarkeit liegt bei über 98 Prozent. Twin-Shuttles schaffen die doppelte Ladung und nehmen bis zu zwei Tonnen Nutzlast auf. Mithilfe ihrer Tragwerksförderer ist die gleichzeitige Aufnahme oder Abgabe einzelner oder beider Paletten möglich. Mit einer Transportgeschwindigkeit von zwei Meter pro Sekunde sind die Shuttles zügig unterwegs. Sie beschleunigen schnell und stoppen am jeweiligen Übergabepunkt sanft und millimetergenau. Zusammenstöße der eng getakteten Shuttles sind ausgeschlossen.

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Sebastiano Sardo
„Ungeplante Ausfälle, die Reparatureinsätze und Stillstand nach sich ziehen, dürfen in der Praxis nicht vorkommen.“

Sebastiano Sardo Vice President Conveyor Systems, Eisenmann

Wartungsarme Lösungen sind gefragt

Funktioniert der Materialfluss aber auch, wenn die Raumtemperatur bei minus 24 Grad liegt? Der Anteil tiefgekühlter Ware am Lebensmittelgesamtumsatz hat stetig zugenommen. Entsprechend steigt die Nachfrage nach Lagerkapazitäten und geeigneten Logistik-Systemen. In Kooperation mit dem Planungspartner der Lebensmittelproduktions-Gruppe demonstriert Eisenmann, dass sich Elektrohängebahnen auch im Kühllager dauerhaft zuverlässig betreiben lassen. Grundsätzlich gelten gesetzliche Vorschriften wie die Richtlinie 89/108/EWG bzw. die Verordnung (EG) Nr. 37/2005 zur Überwachung der Temperaturen von tiefgefrorenen Lebensmitteln in Beförderungsmitteln sowie Einlagerungs- und Lagereinrichtungen. Technische Applikationen im Tiefkühlbereich erfordern vertieftes Know-how insbesondere mit Blick auf die Kälte- bzw. Lebensmitteltauglichkeit der eingesetzten Materialien. Dauerfrost im vollautomatisierten Lager verlangt ein reibungsloses Zusammenspiel. „Der Anspruch an die Zuverlässigkeit der Automatisierungssysteme ist hoch: Sie müssen auf die Anforderungen bei extremen Minusgraden ausgelegt sein. Ungeplante Ausfälle, die Reparatureinsätze und Stillstand nach sich ziehen, dürfen in der Praxis nicht vorkommen“, betont Sebastiano Sardo, Vice President Conveyor Systems bei Eisenmann.

An Kälteeinsatz angepasst

Im mehrgeschossigen, 40 Meter hohen Kühllager eines Backwarenherstellers als Zulieferer eines namhaften Discounters verbinden EHB-Twin-Shuttles von Eisenmann auf einer Strecke von rund 200 Meter die Schnittstellen von Wareneingang und Versand mit der Intralogistik. Wie beeinflusst extreme Kälte die Eigenschaften und Funktionsfähigkeit unterschiedlicher Materialien? Trag- und Schienensysteme aus Metall schrumpfen bei extremer Kälte, Fette und Öle verändern ihr Fließverhalten.

Intern sowie in Kooperation mit externen Prüfinstituten haben die Ingenieure von Eisenmann in den vergangenen Jahren Testreihen durchgeführt, um Verhalten und Zusammenspiel einzelner Komponenten bei unterschiedlichen Temperaturen zu erforschen. „Mit technischem Know-how, profunder Materialforschung und den Erkenntnissen aus einem gerade abgeschlossenen Projekt in Italien lieferte Eisenmann den Nachweis, die gestellten Anforderungen erfüllen zu können“, sagt Rainer Melles, der verantwortliche Bereichsleiter Logistik Planung.

Twin mit Lebensmittelzulassung

Shuttle
Ein Shuttle kann bis zu zwei Tonnen Nutzlast aufnehmen.

Die Fahrwerke der Eisenmann EHB Twin-Shuttles sind mit frei programmierbaren Fahrwerkssteuerungen ausgestattet. Frequenzgeregelte Antriebe sorgen für ein auf angepasstes Beschleunigungs- und Verzögerungsverhalten. Selbst in engen Kurven gewährleistet die intelligente Abstandsregelung das berührungslose Stauen. Elektrohängebahnen für den Tiefkühlbereich werden bei Umgebungstemperatur, aufgebaut. Nach einigen Tagen des Kühlens erreicht das Kühllager die Zieltemperatur. Erst dann beginnen die Fahrtests.

„Um Schrumpfungen des Schienenmaterials auszugleichen, sind in regelmäßigen Abständen Dehnstöße angebracht“, erklärt Sebastiano Sardo. Der Eisenmann Experte erläutert, wie die Technik der widrigen Umgebungstemperatur im Tiefkühllager trotzt: „Härtere Räder aus Vulkalon kommen besser mit den niedrigen Temperaturen zurecht und dämpfen die Laufgeräusche. Darüber hinaus sind in den Antrieben temperaturangepasste Öle und Fette mit Lebensmittelzulassung im Einsatz. Bei Kabelschlepps muss das Material kälteresistent und bruchunempfindlich sein.“

Doch das ist noch nicht alles: Die der Energieversorgung dienenden Stromaufnehmer sind mit kälteresistenten Kohlebürsten ausgestattet. An den 16 Schnittstellen der Warenübergabe dürfen die Positionssensoren und Spiegel beim Öffnen der Rolltore nicht beschlagen. Um die Funktionsfähigkeit sicherzustellen, müssen daher in einigen Fällen die Aktorik/Sensorik sowie die mitfahrenden Schaltkästen mit ihren empfindlichen Platinen beheizt werden.

Ausfallfrei im Regelbetrieb

Im März 2017 ging die Anlage in der Großbäckerei in den Regelbetrieb und läuft seither störungsfrei. Im Hochregallager mit seinen 16 Gassen schlagen tagtäglich 17 Twin-Shuttles 15.800 Paletten um. „Eisenmann hat damit den Nachweis erbracht, dass speziell ausgerüstete EHB-Systeme auch im Kühllagerbereich zuverlässig funktionieren“, fasst Rainer Melles zusammen. Ein Grund, warum bei Eisenmann bereits zwei weitere Projekte für große Kühllager mit EHB Twin-Shuttle in der Planung sind.

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