Aus materialfluss 4/2020

Automatische Entsorgung von Altkartons

Das Plattenketten-Fördersystem deniway eignet sich gut zur Entsorgung von Altkartons im Order Fulfillment-Prozess und im Wareneingang. Dazu hat die Schweizer Ferag AG ihren Klassiker gezielt angepasst. Bei Anwendern wie Zalando in Brieselang, Erfurt und Mönchengladbach sowie DHL in Hamburg hat das skalierbare System seine erste Feuerprobe bestanden.

© Ferag

Das zum 1. Januar 2019 in Kraft getretene Ver­packungsgesetz, die deutsche Umsetzung der ­europäischen Verpackungsrichtlinie 94/62/EG, nimmt Online-Händler als Hersteller und Ver­treiber von Verpackungen noch stärker in die Pflicht. Die Gesetzesnovelle, die die bisherige Verpackungs­verordnung ablöste, verändert nicht nur die Spielregeln. ­Zugleich zeigt sie, dass der Entsorgung von Verpackungs­materialien im E-Commerce-­Bereich ein hoher Stellenwert ­zufällt. So muss jeder Versandhändler im Rahmen seiner ­Systembeteiligungspflicht minuziös nachweisen, dass er Karton, Pappe, Kunststofffolien und andere Verpackungsmaterialien umweltgerecht beseitigt. Das heißt: Im Wareneingang, in der Kommissionierung oder im Retouren-Management anfallende Abfallstoffe müssen für das spätere Recycling vorbereitet ­werden. Altkartons etwa wandern in eine Papierpresse, in der sie vor ihrer Wiederaufbereitung komprimiert werden.

Ergonomische Überkopflösung
Ferag hat für das innerbetriebliche Handling solcher Altkartons auf Basis des bewährten deniway-Systems eine hocheffiziente und ergonomische Lösung entwickelt. Dabei punktet die ­deniway-Technologie mit ihrer 3D-Fähigkeit. Denn die Beschäftigten der Versandhändler und Fulfillment-Dienstleister werfen die an ihren Arbeitsstationen anfallenden Leerkartons ­buchstäblich auf kontinuierlich über sie hinweg rollende ­deniway-Platten. Versuche mit unterschiedlichen Probanden ergaben eine optimale Höhe von zwei Meter für die über Kopf montierte Anlage. An Stellen, wo Mitarbeiter nichts aufwerfen, kann die Förderstrecke je nach Anforderung des Kunden durchaus höher angebracht sein. Bei Zalando in Erfurt klettert die deniway-­Linie abseits der Arbeitsplätze auf bis zu vier Meter Höhe, um Gabelstaplern und anderen am Boden verkehrenden Fahrzeugen ausreichend Durchlass zu bieten. Mit Hilfe von Wendeln kann sich das deniway-System kurzfristig auf ein hohes Hallenniveau hinauf- und dann auch wieder hinabwinden. ­Kleinere Steigungen schafft der modular aufgebaute Platten­kettenförderer über vertikales Anheben des Transportweges. Dank ihres geringen Gewichts und ihres flexiblen Layouts ­lassen sich deniway-Anlagen in vielen Umgebungen implementieren. Selbst die Decken von Bestandsimmobilien sind meist statisch in der Lage, eine deniway-Linie zu tragen.

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deniway als Basis für Altkartonentsorgung
Die Umsetzung eines Materialflusssystems zur Entsorgung von Altkartons birgt für Fördertechnik-Entwickler eine Reihe von Fallstricken. Dazu gehört, dass sich einzelne Kartons auf ihrem Weg zur Verdichterpresse ineinander verhaken und so das ­System durch Staus zum Stillstand bringen. Darüber hinaus ­setzen kleine Zellstoffpartikel und Staub der Fördertechnik derart zu, dass sie im regelmäßigen Turnus gesäubert und ­ge­wartet werden muss, um nicht auszufallen. Die Ferag-­Ingenieure ­umgingen bei ihrer waste conveyor-Lösung gezielt solche ­Probleme. Sie entschieden sich aus gutem Grund für ein ­Konzept, das auf der ursprünglich für den Transport von Zeitungen und Zeitschriften entwickelten deniway-Technologie ­basierte. ­Deren unschätz­barer Vorteil: Sie erweist sich als ganz und gar immun gegenüber Papierabrieb. Zudem arbeitet sie praktisch verschleißfrei. Letzteres führt dazu, dass das Ferag-System kaum gewartet werden muss. Diesem Aspekt verdankt eine deniway-Anlage unter ­anderem ihre niedrigen Betriebskosten. Dank der rollenden Abstützung erweist sich die Ferag-Technologie zudem als sehr energieeffizient. So benötigt sie nur eine geringe Anzahl von Antrieben. Beispielsweise reichen ein bis zwei Elektro­motoren mit 1,6 Kilowatt Leistung auf den bei Zalando in Brieselang oder DHL in Hamburg realisierten ­Förderstrecken aus. Deren Länge beträgt immerhin 410 ­beziehungsweise 351 Meter.

Leise Technik schont das Gehör
Ein weiterer Pluspunkt, den eine deniway-Anlage mit sich bringt, macht sich vor allem dort positiv bemerkbar, wo ­Menschen im unmittelbaren Kontakt mit der Fördertechnik ­arbeiten müssen. Wer auch immer in die Nähe des Ferag-­Systems kommt, ist überrascht, wie leise die Plattenförderkette rollt. Das Kriterium Lärmemission spielt meist eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, dass Mitarbeiter eine Innovation an ihrem Arbeitsplatz schnell akzeptieren. So begrüßen es die ­Beschäftigten bei Zalando und DHL, wo erste Anlagen zur Entsorgung von Altkartonage laufen, dass sie weiterhin ohne Gehörschutz ihre Aufgaben verrichten können.

Keine störenden Übergänge
Den Schweizern war es zudem wichtig, ein durchgängiges und ­betriebssicheres System ohne störende Übergänge zu offerieren. Deshalb rüsteten sie das deniway-System durch Detailmodifikationen so auf, dass es alle Herausforderungen meistert, die der Transport von leeren Pappschachteln mit sich bringt. Dazu ­zählen beispielsweise zusätzliche Leitbleche und Trichterblätter im Kurvenbereich, die ein Herabfallen der Kartons selbst bei sehr eng gestalteten Radien verhindern. Obendrein tragen diese Maßnahmen dazu bei, dass die Verpackungsreste, ohne ineinander zu verkeilen und ohne zu stocken, durch die Kurve ­geschoben werden. Am Ende der Förderstrecke zeigt sich ein weiterer Vorteil des Systems: Die Systemlösung impliziert sogar die ­Möglichkeit, dass die ­Materialzuführung automatisch von einer Presse zur nächsten wechselt, sobald eine davon voll ist. Damit erlaubt das Ferag-System nicht nur eine reibungslose, sondern auch eine ­Entsorgung von Altkartons rund um die Uhr.

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