Gemischte Signale in Corona-Zeiten

Martin Schrüfer,

igus Umsatz geht zurück, Auftragseingang bisher fast stabil

Nach 2 Prozent Umsatzzuwachs im vergangenen Jahr verzeichnet igus aktuell unterschiedliche Signale aus dem Markt. Während der Umsatz in den ersten vier Monaten aufgrund der Corona-Lage zurückging, blieb der Auftragseingang bisher nahezu stabil. Das Interesse an motion plastics, die die Technik verbessern und Kosten senken, steigt spürbar. Daher hat igus einen Messestand aufgebaut, auf dem Kunden digital Innovationen für sich entdecken können. Die ersten Tage brachten bereits viel Zustimmung.

© igus

Im vergangenen Jahr konnte der motion plastics Spezialist igus seinen Umsatz trotz eines schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes um 2 Prozent auf 764 Millionen Euro steigern. Mit der aktuellen Corona-Krise haben sich die Rahmenbedingungen weiter verschärft. Das bekommt auch das Kölner Unternehmen zu spüren. So ging der Umsatz in den ersten vier Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11 Prozent zurück. Der Auftragseingang ist nahezu stabil und derzeit nur bei minus 2 Prozent. „Wir erhalten momentan viele Anfragen und vereinbaren zahlreiche virtuelle Besuchstermine“, erklärt Frank Blase, Geschäftsführer der igus GmbH. „Das Interesse von Kunden an Lösungen, die die Technik verbessern und dabei Kosten senken, steigt spürbar. Aufgrund von über 50 Jahren Erfahrung in Forschung und Praxis sind wir in der Lage sichere Lösungen aus Kunststoffen anzubieten.“ Ein Beispiel wie das gelingen kann, ist die moderne Produktion eines Herstellers von Verpackungsmaschinen. Hier sollten pro Sekunde zwei Toastbrote geschnitten, verpackt und versiegelt sein. Eine Schwachstelle war bisher das bewegte Kabel für die rasend schnelle Bestückung der Maschine. Auf der Suche nach einer Lösung, bereits vor der aktuellen Corona-Lage, fand das Unternehmen im Internet den chainflex Lebensdauerrechner für dynamische Leitungen – und damit das genau passende Produkt für seine hochdynamische Anwendung. Mit dem Zusatz einer intelligenten smart plastics Überwachung dieser Leitung erreichte es sein Ziel: Die Verfügbarkeit der Anlage im 24/7-Dauerbetrieb, ein planbarer Leitungsaustausch alle 18 Monate und dadurch hohe Einsparungen von Kosten.

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Spendenaktion: Kopfbänder für Face Shields

Die schnelle und zuverlässige Belieferung mit Tribopolymer-Produkten in der aktuellen Situation aufrechtzuerhalten ist für igus ein wichtiges Ziel. „igus liefert zurzeit ohne Einschränkungen“, informiert Geschäftsführer Frank Blase. „Im Durchschnitt sind kleine und mittlere Bestellungen nach 2,5 Tagen auf dem Weg zum Kunden.“ International ist die lokale Versorgung aufgrund von 14 Produktionsstätten sichergestellt. Um die Lieferfähigkeit weiterhin aufrechtzuerhalten, wurden allein am Hauptstandort über 100 Maßnahmen umgesetzt, von fünf neuen Kantinen bis zur Erschwerniszulage für Produktions-Mitarbeiter. Darüber hinaus produziert igus Kopfbänder für „Face Shields“ im Spritzgussverfahren aus recyceltem iglidur A200. Dadurch ist eine günstige Massenproduktion möglich. Die ersten 100.000 Kopfbänder sind kostenfrei verfügbar, danach soll die Abgabe zu Selbstkosten erfolgen. Auch eine Sonderproduktion von 140.000 kompletten Face Shields läuft derzeit an. igus versorgt damit alle Kölner Schülerinnen und Schüler – eine Spendenaktion für die Heimatstadt.

Über 100 Neuheiten: Digitale Besuche auf realer Messe

Da derzeit weder Messen noch persönliche Besuche bei den Kunden möglich sind, setzt igus ganz auf die Vorteile der Digitalisierung: Dreh- und Angelpunkt ist dabei der Messestand, den igus als Teil des digitalen Supportangebots an die Kunden aufgebaut hat. Der reale Stand ist virtuell begehbar, auch persönliche Führungen, Einzel- und Gruppengespräche am Stand können direkt mit den Experten von igus vereinbart werden. Unter dem Thema „Tech up, Cost down. It’s our job.“ präsentiert igus dort auf 400 Quadratmetern über 100 Kunststoff-Innovationen. Wie Kunden Kosten sparen und ihre Technik verbessern können zeigt beispielweise die Energiekette autoglide 5 mit Seil-Bodenführung, durch die sich in der Intralogistik und bei Krananlagen 88 Prozent Montagezeit sparen lassen und das bei Gesamtkosten inklusive Leitungen ab 49 Euro pro Meter. Neu ist auch die drylin Polymer-Teleskopschiene, mit der sich unter anderem Schubladen, Sitz- und Kopfverstellung einfach verstellen und ausziehen lassen.

Außerdem ist sie 64 Prozent leichter als metallische Führungen. Zentral für die Produktentwicklung sind die Versuche im hauseigenen 3.800 Quadratmeter großen Testlabor. Dadurch ist igus in der Lage auf das Standard-e-ketten-Programm wie auch chainflex Leitungen eine einzigartige 36-monatige Garantie zu vergeben. Das Markenversprechen „igus 36-month chainflex cable guarantee and service life calculator based on 2 billion test cycles per year” wurde jetzt erfolgreich von der Testorganisation UL zertifiziert. igus setzt dabei verstärkt auf die Einbindung seiner motion plastics in eine Circular Economy. Mit Initiativen wie „chainge Recycling“, „plastics2oil“ und der Zertifizierung nach ISO 14001. Im „chainge Recycling“ Programm nimmt igus ausrangierte Kunststoff-Energieketten („e-chains“) herstellerunabhängig zurück, recycelt sie und zahlt einen Kilopreis per Gutschein. Einen Schritt weiter geht die 4,7 Millionen Euro Investition in Mura Technology. Die Firma will Anlagen errichten, in denen Kunststoffabfälle energieschonend in Öl umgewandelt werden. Das Umweltzertifikat ISO 14001:25 wurde Mitte April an igus Deutschland vergeben, im Mai an igus Korea. Energiesparziele von mindestens 10 Prozent sind der nächste Schritt.

Kosten sparen, Technik verbessern – auch bei igus

Auch wenn igus sich bewusst ist, dass Planungen derzeit schwierig sind, hält das Unternehmen an langfristigen Investitionen weiter fest, wie Frank Blase betont: „Die Umsatzeinbußen und Kosten bei der Bewältigung der Krise sind heftig. Eine generelle Wende zum Besseren ist derzeit schwer vorher zu sagen. Allerdings haben wir ein hohes Eigenkapital für solche Ausnahmezeiten angespart. Und wir packen alle Kosten an.“ Kurzarbeit wurde in einigen Ländern angemeldet, in Deutschland nicht. „Wir möchten die Auswirkung auf unsere Mitarbeiter so weit wie möglich minimieren. Und wir müssen entscheidende Zukunftsinvestitionen weitertreiben.“ Dazu zählen beispielweise der derzeitige Tunnelbau und die Erschließung des neuen Geländes für einen zusätzlichen Neubau am Kölner Standort. Und auch die hohen Investitionen in die Digitalisierung gehen weiter. Acht zusätzliche Lebensdauer-Simulatoren und Online-Tools brachte das Unternehmen allein 2019 ins Web, beispielsweise für Zahnräder, Rollen und Wellen, sowie die Plattform RBTX für Low-Cost-Robotik. Inzwischen sind 38 Online-Tools registrierungs- und kostenfrei nutzbar. Frank Blase stellt heraus: „Beide Beispiel-Projekte, Neubau wie Digitalisierung, haben einen gemeinsamen Fokus: der Kunde soll schnell, einfach und zuverlässig an seine motion plastics Lösungen kommen. Gerade jetzt ist das ein wichtiges Ziel, das wir in unseren täglichen Krisenmeetings immer wieder hervorheben.“

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