Energieübertragung von SEW-Eurodrive

Martin Schrüfer,

Gute Technik für das Tierwohl

Die Firma HoBohTec im niedersächsischen Garrel entwickelte eine Anlage zum Einsammeln von Puteneiern. Ein besonderer Wert wurde neben einer hocheffizienten Anlage auch auf das vollumfängliche Tierwohl gelegt. Zur Energieversorgung der Transporteinheit entschied sich der Maschinenbauer für eine kontaktlose Energieübertragung von SEW-Eurodrive.

© SEW-Eurodrive

Garrel liegt eine Autostunde östlich von Bremen. Hier haben sich Firmen der Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie angesiedelt. Neben Schweinezucht dominieren Geflügel- und Tierfutterproduktion. Auch die Firma HoBohTec Energietechnik hat hier ihren Sitz. Sie erhielt von einem Kunden eine Anfrage zu einem vollautomatischen Eiersammler. „Am Anfang stand diesmal nicht die Idee, sondern die Herausforderung“, erinnert sich der Geschäftsführer Hans-Jürgen Böhmann. Er nahm den Auftrag für das Innovationsvorhaben zum automatisierten Einsammeln von Puteneiern an.

Die Zusammenarbeit von HoBohTec und SEW-Eurodrive entstand auf Grund von zunächst kleineren Automatisierungsarbeiten in der Lebensmittelbranche und dem Retrofit von alten Anlagen oder Anlagenerweiterungen. Die Firma HoBohTec entwickelte einen Roboter, der in großen Zuchtbetrieben Putennester nach Eiern absucht und diese einsammelt. Dieser Eiersuchroboter mit der Bezeichnung EiSam fährt auf Schienen, die bisher unter der Decke des Geflügelstalls aufgehängt wurden. In einer neueren Variante werden die Schienen auf einem Gestell am Boden des Stalls verlegt. Wesentliche Bestandteile der Lösung sind eine Kamera und ein Greifer zur Erkennung beziehungsweise Aufnahme der Puteneier.

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Kontaktlose Energieübertragung

Ein technisches Highlight dieser Lösung ist das kontaktlose Energieversorgungssystem Movitrans zur Versorgung der Transporteinheit. Es funktioniert nach dem Prinzip der induktiven Energieübertragung: „Von einem fest verlegten Linienleiter wird elektrische Energie kontaktlos auf einen mobilen Verbraucher übertragen, lautlos und ganz ohne Schleifer oder Schleppkette“, erläutert Andreas Uhlemeyer, Applikationsingenieur bei SEW-Eurodrive in Bruchsal. Er betreut diese Anwendung bei HoBohTec. Schleifkontakte und ihre Abriebe sind in der Lebensmittelproduktion ohnehin nicht erwünscht. Die elektromagnetische Kopplung erfolgt über einen Luftspalt; sie ist verschleißfrei. Durch die Berührungsfreiheit kann man Geschwindigkeiten bis über 10 Meter je Sekunde erzielen. Durch die Verlegung der Linienleiter am Schienensystem gibt es keine zusätzlichen Hindernisse. Diese Art der Energieversorgung ist unempfindlich gegen Verschmutzung. Das ist auch und gerade in Tierställen wichtig, weil hier tierische Ausscheidungen und Ausdünstungen sowie Staub robuste Antriebs- und Energieübertragungskomponenten erfordern. Die Energie-übertragungstechnik wurde auf hohe Chemikalienbeständigkeit optimiert, sodass diese Technik auch unter extremen Bedingungen eingesetzt werden kann.

Gesteigerte Produktivität

EiSam einschließlich der Eisortieranlage erhöht maßgeblich die Produktivität der Putenzucht. Mit dem Roboter entfällt das manuelle und zeitaufwändige Einsammeln der Puteneier, das mit hohem Personalaufwand verbunden ist. Zudem herrschen hierbei beschwerliche Arbeitsbedingungen aufgrund von Staub und Geruch in den Ställen. Auch die ständig gebückte Körperhaltung erschwert die Arbeit. Durch den Einsatz des EiSam wird eine konstante und außergewöhnliche Wiederholgenauigkeit im Arbeitsprozess erzielt. Dieser immer wiederkehrende Ablauf trägt zu einem deutlich verbesserten Tierwohl bei.

Gegenüber der händischen Suche beträgt der Personalaufwand bei EiSam mit Eisortieranlage nur 20 Prozent. Sogar den Palettenwechsel der Eierhorden führt das System vollautomatisch und in Eigenregie durch. Dabei erfüllt die gesamte Konstruktion höchste Hygieneanforderungen. Sie ist der konsequente nächste Schritt zum smarten Stall für die Tierhaltung.

Von Anfang an war das Tierwohl ein wichtiges Anliegen. Die Tiere werden nicht mehr azyklisch durch Menschen gestört, die nach Eiern suchen. Alle Legeboxen werden einzeln auf das Vorhandensein von Eiern überprüft. Der Roboter führt alle Arbeitsschritte exakt zur selben Zeit aus, in immer gleicher Reihenfolge und mit identischem Geräusch- und Bewegungsmuster. Das schafft Routine, Ruhe und Vertrauen bei den Tieren und lässt so erst gar keinen Stress aufkommen. Mit diesem System können auch keine Keime von außen eingetragen werden, was den Hygieneaufwand nochmals reduziert.

Der Artikel erschien in materialfluss 8-9/21.

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