Flurförderzeuge

Technik-Trend Stapler - chinesische Hersteller im Überblick

Wer die Anschaffung eines Staplers plant und nicht das Premium- Segment im Auge hat, der wird auch das Angebot der chinesischen Hersteller prüfen wollen. Die Ziele der Anbieter sind durchaus ambitioniert - lohnt sich der Kauf?

Flurförderzeuge: Technik-Trend Stapler - chinesische Hersteller im Überblick

Auf der diesjährigen CeMAT war es nicht zu verkennen: Während im Jahr 2006 nur wenige Hersteller aus China mit eher kleinen Ständen in Hannover vertreten waren, nahm die Präsentation in diesem Jahr mehr Raum ein. Unternehmen wie Baoli, E-P, Hangzhou, Heli, Ningbo und Noblelift zeigen sich deutlich selbstbewusster. Sie haben Importeure und Händler gefunden und engagieren sich, um auf dem wichtigen deutschen Markt zu bestehen.

Baoli

beispielsweise arbeitet mit dem Flurförderzeug-Händler Michels in Geldern zusammen, der für diese Aktivitäten die Baoli Deutschland GmbH gegründet und ein separates Firmengebäude im selben Industriegebiet gebaut hat. Baoli ist unter den „Top Five"-Produzenten im chinesischen Markt. Zu den Eigentümern des Privatunternehmens gehören auch amerikanische Investoren, und im Programm sind Gas- und Dieselstapler mit 1 bis 10 t Tragfähigkeit sowie Elektro-Dreirad- und Vierradgeräte bis 3,5 t.

Geschäftsführer Manfred Michels: „Wir haben 2006 die ersten sechs verbrennungsmotorischen Geräte bestellt und zunächst in unserem eigenen Mietpark betrieben, um Erfahrungen zu sammeln." Diese Erfahrungen waren positiv, und so bemühte sich Michels erfolgreich um eine engere Zusammenarbeit. Als Zielgruppe für den  Vertrieb hat er die vielen Unternehmen ausgemacht, die keine großen Flotten betreiben, sondern zwei bis drei Stapler im Einsatz haben. Was kann er denen bieten? Michels: „Preis und Leistung passen. Die Geräte entsprechen europäischen Standards. Sie sind zum Beispiel mit ZAPISteuerungen, Impco-Gasanlagen und Motoren von Mitsubishi, Isuzu oder Yanmar ausgestattet. Auch Cascade-Seitenschieber und Superelastik-Bereifung gehören zum Standard, wir rüsten noch Grammer-Sitze nach."

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Die Verarbeitung der Baoli- Stapler lässt auf den ersten Blick nicht zu wünschen übrig, auch das Bedienfeld mit modernem LED- Multifunktionsinstrument kann überzeugen. Und der Preis? Er liegt, so Michels, um bis zu 35 % unter dem des westeuropäischen Wettbewerbs. Interessantes Detail am Rande: Baoli exportiert sein Premium- Programm nach Europa. Für den chinesischen Markt fertigt man auch „Low cost"-Stapler z. B. mit chinesischen Motoren, die schon wegen der Abgasnormen nicht in Europa zum Einsatz kommen. Neben der großen Masse der kleineren Unternehmen sind auch die eigenen Mietparks von Importeur Michels und seinen Händlern bundesweit dankbare Abnehmer für die Baoli-Stapler.

Die Logik ist eindeutig: Wenn ein Stapler-Anwender sieht, dass das Mietgerät seine Aufgabe gut erfüllt, gibt es kein Akzeptanzproblem beim späteren Kauf. Auch die Robustheit lässt nach Angaben von Michels, der für die Baoli-Stapler eine Zwei-Jahres-Vollgarantie bietet, keine Wünsche offen. Als weiteres Argument für die Geräte nennt Michels die Reparaturfreundlichkeit: Während die Premium-Geräte auch eine Premium-Wartung durch autorisiertes Personal fordern, kann man bei den „China-Staplern" einfacher selbst Hand anlegen und somit Kosten sparen oder aber unabhängige Serviceunternehmen beauftragen. Für den Service vor Ort hat Michels ein Netz von 25 Stützpunkten aufgebaut. Sie stellen ihren Kunden als Neuheit zurzeit „Verbrenner" mit einem neuen Wandlergetriebe vor, das in Kooperation mit einem deutschen Achsenhersteller entstand.

Immer mehr Anbieter

Während Baoli in China rund 8.000 Geräte pro Jahr fertigt, sind es bei Heli mehr als 30.000. Die deutsche Heli

-Gesellschaft mit Sitz in Wernau zeigte Anfang des Jahres erstmals die „Green"- Serie mit neuem Design und Verbesserungen bei Ergonomie und Bedienkomfort. Bei Heli betont man, dass stets mindestens 60 Geräte in Wernau vorrätig und somit direkt lieferbar sind.

Weitere chinesische Hersteller sind E-P, die von Reichhardt in Solingen vertreten werden, und Noblelift mit seiner Europazentrale in Neutraubling. Weitere Hersteller, die auf der CeMAT vertreten waren und offenbar stärkere Präsenz in Europa anstreben, sind Dalian, Feeler, Hytsu (seit Kurzem in Österreich vertreten), Maximal Forklift (ebenfalls ein Unternehmen mit amerikanischen Teilhabern) und Ningbo Ruyi.

Einen starken CeMAT-Auftritt hatte die in Bremen ansässige Hanselifter GmbH mit einem umfassenden Programm, das von Hangzhou, dem drittgrößten chinesischen Staplerhersteller, gefertigt wird. Hangzhou rangiert auf Platz 18 der FFZ-Weltrangliste und fertigt ähnlich wie Heli rund 30 000 Stapler jährlich. Das Programm reicht bis zum 16-Tonner, die Elektrogeräte sind mit Drehstromantrieben unterwegs. Hanselifter hat sich vorgenommen, rund 1 000 Einheiten pro Jahr zu verkaufen. Damit würde man auf Anhieb einen Marktanteil von 3,5% erreichen, mittelfristig sollen es noch mehr werden. Wer solche Ziele belächelt, sollte sich daran erinnern, dass auch andere Hersteller z.B. aus Korea klein angefangen haben - und nun eine feste Größe im deutschen Staplermarkt darstellen. Und die chinesischen Anbieter denken langfristig, sie investieren und verfolgen ihre Ziele durchaus konsequent.

Michels: „Sie sehen den anspruchsvollen deutschen Markt als Tor zu Europa und hören genau hin, was der Markt wünscht: Unsere Vorschläge werden in der Konstruktion sehr rasch umgesetzt." Zurzeit ist beispielsweise eine Delegation von Konstrukteuren in Europa unterwegs, um die hiesigen Einsatzbedingungen der Stapler kennen zu lernen. Auch Investitionen werden rasch getätigt. Auf einen Hinweis der europäischen Importeure, dass die Vorbehandlung der lackierten Teile nicht den Anforderungen entspricht, investierte Baoli kurzerhand in eine vollkommen neue Lackierstraße im Wert von rund 1,5 Mio. Euro. Michels: „Es ist erstaunlich, wie schnell Ideen und Vorschläge umgesetzt werden. Wir hatten uns, offen gesagt, die Zusammenarbeit komplizierter vorgestellt." Aufgrund der guten Erfahrungen hat Michels nun das Vertriebsprogramm um einen weiteren chinesischen Hersteller erweitert und bietet Elektro-Deichselgeräte von WPP/ Ningbo an. Auch hier steht westliche Technik hoch im Kurs: Die Steuerung der Elektrostapler stammt von Curtis.

Von Deutschland nach China Während die chinesischen Hersteller dabei sind, sich in Deutschland etablieren, hat ein deutscher Premium-Hersteller schon vor fünfzehn Jahren den Schritt in die umgekehrte Richtung vollzogen. Im November 1993 gründete Linde Material Handling eine chinesische Tochtergesellschaft (zunächst als Joint Venture) und begann mit nicht nur mit dem Aufbau einer Vertriebsorganisation, sondern auch dem Bau eines eigenen Fertigungsstandortes an der südchinesischen Küste, der im Juni 1996 die Produktion aufnahm.

Seit 1999 ist die Linde (China) Forklift Truck Corp. Ltd. eine hundertprozentige Tochtergesellschaft. Sie produziert in Xiamen Elektro-Gegengewichtstapler mit 1,5 bis 3,0 t sowie Diesel- und Treibgas- Stapler mit Tragfähigkeiten von 1,6 bis 3,0 t. Die Geräte werden nicht nur in China verkauft, sondern auch in anderen asiatischen Staaten. Die Entscheidung, in China Fuß zu fassen, wird Linde nicht bereut haben. Allein im vergangenen Jahr wuchs der einheimische FFZMarkt um 25 %, in den Jahren davor waren es teilweise 30 %. Besonders nachgefragt werden verbrennungsmotorische 3-t-Stapler. Genau die fertigt Linde in Xiamen und sieht sich als Marktführer im Premium-Segment. Die Mitbewerber in diesem Segment kommen aus Japan, die einheimischen Hersteller dominieren den übrigen Markt. Auch vertrieblich ist Linde in China gut präsent - mit acht eigenen Niederlassungen, 30 Filialen und zwölf Händlern. Und mit einer Produktion von rund 5 000 Staplern pro Jahr ist der deutsche Hersteller zahlenmäßig besser aufgestellt als die chinesischen Anbieter auf dem deutschen Markt.

Taiwan ist nicht China

Mit einem Fehlurteil muss die Vertriebsmannschaft von Artison immer wieder aufräumen: Taiwan ist nicht China, die Pro-Kopf-Wirtschaftskraft der „Inselchinesen" liegt um ein Vielfaches höher als in der Volksrepublik. Und das Land gehört seit mehreren Jahrzehnten zu den wichtigsten Industriestaaten Ostasiens. Erwähnenswert ist das, weil die Artison Gabelstapler Körner GmbH unter diesem Namen das Staplerprogramm der Tailift Group importiert. Seit 2001 ist Körner hier mit den Geräten präsent. Das Portfolio umfasst Elektrostapler von 1,5 bis 3t und „Verbrenner" von 1,5 bis 8 t.

Die Fertigungstiefe des Werks in Nantou ist hoch, und mit Euro 3-Motoren von Perkins, Nissan, Isuzu und Yanmar bei den Gas- und Dieselstaplern sowie Drehstromtechnik bei den Elektrogeräten kommt hochmoderne Antriebstechnik zum Einsatz. Die Getriebe stammen übrigens teilweise aus eigener Fertigung. Bei Körner werden die Geräte noch an die hiesigen Bedürfnisse angepasst. Geschäftsführer Jens Körner: „Ab Werk sind sie bereits mit einer Beleuchtungsanlage und einem ergonomischen Grammer-Sitz ausgerüstet. Die Treibgasstapler statten wir serienmäßig mit einer Füllstandsanzeige aus. Zu den Optionen, die wir anbieten, gehören ein viertes Steuerventil, Rußfilter, Sonderlackierung, Stahlkabine, Teleskopgabelzinken und ein Kamerasystem."

Und auch wenn die Stapler aus einer Industrienation mit deutlich höheren Löhnen als in der Volksrepublik China kommen, sind die Preise attraktiv: Gegenüber europäischen Geräten sind die Artison- Stapler um ca. 15-20% günstiger. Zu den „Rennern" im Programm gehören laut Jens Körner Diesel- und Treibgasstapler von 2-3 t: „Unsere typischen Kunden sind mittelständische Unternehmen, die zwei bis drei Stapler einsetzen. Wir haben aber auch Geräte, die im Schichtbetrieb fahren und die wir im Fullservice- Konzept betreuen."

Baoli Deutschland GmbH + Co. KGwww.baoli.de Hangzhou Vitali Lifting Equipment Co. Ltd. www.vitali-intl.com Anhui Heli Industrial Vehicle Imp. & Exp. Co. Ltd. www.helichina.com W. Körner GmbH, www.koernergabelstapler.de Linde Material Handling GmbH, www.linde-mh.de

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