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Artikel und Hintergründe zum Thema

Interview mit Stills Dr. Florian Heydenreich

Passgenaue Lösungen sorgen für Nachhaltigkeit

Dr. Florian Heydenreich, Executive Vice President Sales & Service Still, geht im Interview mit materialfluss auf zentrale Nachhaltigkeitsaspekte von Flurförderzeugen ein.

Dr. Florian Heydenreich, Executive Vice President Sales & Service Still. © Still

materialfluss: Welche Rolle spielen Flurförderzeuge in der Gesamtstrategie für eine nachhaltige Intralogistik?

Dr. Florian Heydenreich: Die interne Logistik spielt für viele Unternehmen eine entscheidende Rolle in ihrer gesamten Wertschöpfungskette – und hier haben Flurförderzeuge als Teil des gesamten Prozesses einen starken Einfluss auf den ökologischen Fußabdruck, angefangen von ihrer Fertigung über ihren Energieverbrauch bis hin zu ihrer Weiter- beziehungsweise Wiederverwertung. Mit unseren Flurförderzeugen, aber auch unseren weiteren Produkten, Dienstleistungen und Prozessen, wie zum Beispiel unseren smarten Flottenmanagementangeboten, unterstützen wir unsere Kunden dabei, ihre eigenen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Denn unser gesamtes Portfolio legt einen starken Fokus auf Ressourcenverantwortung, Zirkularität und emissionsarme Antriebe. Dies umfasst bereits die Beschaffung und den Einsatz von Vorprodukten und Materialien, die möglichst ressourcenschonend hergestellt werden und eine Wiederverwendung, Reparatur und Wiederaufbereitung begünstigen. Die Gegenwichte unserer Gegengewichtsstapler werden beispielsweise vollständig aus recycelten Materialien hergestellt, um nur ein konkretes Beispiel zu nennen.

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Ein weiterer wichtiger Part nachhaltiger Intralogistik ist die Auswahl passender Antriebssysteme für die Flurförderzeuge. Im Sinne einer passgenauen, kundenzentrierten Intralogistik bieten wir unseren Kunden das gesamte Spektrum elektrischer Antriebstechnologien an – von Blei-Säure- über Lithium-Ionen-Batterien bis hin zu Brennstoffzellensystemen. Der Schwerpunkt liegt jedoch derzeit klar auf der Lithium-Ionen-Technologie. Aus gutem Grund: Vergleicht man elektrische Antriebstechnologien, die heute auf dem Fahrzeugmarkt zur Verfügung stehen, wird deutlich, dass Lithium-Ionen-Batterien wichtige Vorteile etwa gegenüber Blei-Säure-Batterien haben. Dazu gehören kürzere Ladezeiten, gesteigerte Ladeeffizienz, eine drei- bis viermal längere Lebensdauer und ein deutlich höherer Energiegehalt. Außerdem liegt der Wirkungsgrad von Lithium-Ionen-Batterien bei über 90 Prozent, was im Vergleich zu einer konventionellen Batterie-Ladegerät-Kombination eine Energieeinsparung von etwa 30 Prozent und eine substanzielle Reduktion der Treibhausgas-Emissionen ermöglicht.

Auch hinsichtlich der wichtigen Frage nach dem künftigen Recycling der Lithium-Ionen-Batterien geben wir unseren Kunden schon heute die Sicherheit einer langfristigen, zuverlässigen und verantwortungsvollen Lösung: Dank unserer Partnerschaft mit einem spezialisierten Recyclinganbieter können wir die Wiederverwertung unserer Lithium-Ionen-Batterien nach dem Ende ihrer Laufzeit garantieren – mit einer voraussichtlichen Rückgewinnungsquote von bis zu 95 Prozent.

mfl: Vor welchen Herausforderungen stehen Kunden Ihrer Meinung nach bei der Umstellung auf emissionsarme Antriebe? Wie kann diesen begegnet werden?

Heydenreich: Zunächst sei gesagt, dass die Trendwende von verbrennungsmotorischen hin zu elektrisch betriebenen Flurförderzeugen in der Intralogistik bereits sehr weit fortgeschritten ist. Um dies mit einer Zahl zu untermauern: 98 Prozent der von Still verkauften Fahrzeuge hatten 2024 einen emissionsarmen Elektroantrieb. Ursprünglich lagen die Herausforderungen beim Wechsel auf elek­trisch betriebene Fahrzeuge in der benötigten Ladeinfrastruktur und in der Leistung, die anfangs nicht mit jener verbrennungsmotorisch angetriebener Fahrzeuge mithalten konnte. Beides ist heute kein Thema mehr, insbesondere dank der innovativen Lithium-Ionen-Batterien in unseren Fahrzeugen. Sowohl ihre Leistung als auch ihre Verfügbarkeit sind mittlerweile auf einem Level mit vergleichbaren verbrennungsmotorischen Modellen. Außerdem machen sie Schnell- und Zwischenladezyklen nicht nur möglich, sondern auch unkompliziert und platzsparend.

mfl: Welche Maßnahmen empfehlen Sie zur nachhaltigen Nutzung von Flurförderzeugen?

Heydenreich: Zunächst einmal erachte ich es als wichtig, Flurförderzeugflotten als Teil eines Gesamtsystems zu sehen. Nur wenn alle Komponenten eines internen Materialflusses sauber aufeinander abgestimmt sind, kann das wirtschaftlich und auch ökologisch beste Ergebnis erzielt werden. Zudem ist es als Unternehmen empfehlenswert, bei der Auswahl eines entsprechenden Partners darauf zu achten, dass dieser Aspekte wie Ressourcenverantwortung, Zirkularität und Energieeffizienz ebenfalls hoch priorisiert – von der Fertigung über die Nutzung bis hin zur Wieder- und Weiterverwertung inklusive der Optionen einer Aufbereitung von Fahrzeugen und Komponenten für den Zweitmarkt.

Des Weiteren ist eine umfassende Beratung durch erfahrene Experten von großer Relevanz, um gemeinsam die individuell beste Lösung für eine nachhaltige Flottennutzung zu definieren und zu implementieren. Wenn wir nun konkret über die Nutzung sprechen, spielen drei Aspekte meiner Meinung nach die größte Rolle: Passgenauigkeit, smarte Energiesysteme und ganzheitliches Flottenmanagement. Passgenaue Lösungen sind unter Nachhaltigkeitsaspekten wichtig, weil sie dem Kunden exakt die Lösung in der Größe und mit der Leistung bieten, die er zur bestmöglichen Bewältigung seiner individuellen Herausforderungen benötigt. Unnötige Überdimensionierungen werden dabei vermieden. Mit unseren beiden Fahrzeugportfolios der Classic Line und der Excellence Line sowie unseren Batteriereihen „Standard“ und „Plus“ bieten wir Kunden genau diese Passgenauigkeit – gepaart mit der Skalierbarkeit, die es ihnen ermöglicht, ihre Lösungen jederzeit an sich ändernde Bedürfnisse anzupassen.

Die Auswahl des passenden elektrischen Energiesystems und den großen Impact der Lithium-Ionen-Batterien habe ich eben schon angesprochen. Auch hier liegt großes Potenzial für einen nachhaltigen Betrieb intralogistischer Flotten. Insbesondere dann, wenn Batterien passgenau zu den individuellen Anforderungen dimensioniert und mit einer smarten Ladestrategie im Rahmen des Flottenmanagements kombiniert sind. Ein intelligentes Flottenmanagement stellt sicher, dass die Flotte unter wirtschaftlichen, aber auch unter ökologischen Gesichtspunkten bestmöglich eingesetzt und gesteuert wird. Auch hierfür bieten wir unseren Kunden passgenaue Pakete und smarte digitale Tools an, zum Beispiel unser Still Smart Portal, mit dem Unternehmen ihre Flotten sogar eigenverantwortlich im Self Service verwalten können. Ein smartes und geräteübergreifendes Lademanagement spielt dabei eine wichtige Rolle.

mfl: Welche Rolle spielt das Lademanagement für einen nachhaltigen Betrieb?

Heydenreich: Smart Charging als Teil eines intelligenten Flottenmanagements ist eine wirkungsvolle Möglichkeit, Energieverbräuche von Lithium-Ionen-Batterien fahrzeugübergreifend zu steuern und zu optimieren, Ladepeaks vorausschauend zu vermeiden und so zu einem nachhaltigen Betrieb der Flotte beizutragen. Im Kontext von „Smart Logistics“ spielen hier intelligente Ladegeräte und Tools für vernetztes und individualisiertes Laden eine entscheidende Rolle, wie die Still Smart Energy Unit, die eine übergreifend effiziente Energienutzung sicherstellt. Sie vernetzt stationäre Ladegeräte und stellt die effiziente Energieverteilung sicher. So werden Ladestände analysiert, Kapazitäten geplant, Ladevorgänge priorisiert und Energiemengen bestmöglich genutzt.

mfl: Wie messen Sie den ökologischen Fußabdruck Ihrer Flurförderzeuge?

Heydenreich: Ökobilanzen sind ein effektives Instrument, um Umweltaspekte in den Entwicklungsprozess neuer Produkte zu integrieren und umweltfreundliche Verbesserungen vorzuschlagen. Sie bieten Transparenz über die Umweltauswirkungen der Produkte sowie über entsprechende Verbesserungen. Wir analysieren unsere Produkte sukzessive in den kommenden Jahren unter ökologischen Gesichtspunkten. Die Ergebnisse werden einen signifikanten Einfluss auf Produkte und Lösungen von Still haben, da neue Erkenntnisse bereits in der Designphase einbezogen werden können.

mfl: Welche Entwicklungen im Bereich Batterietechnologie gibt es bei Still mit Blick auf eine grünere Logistik?

Heydenreich: Wie bei vielen andere Themen, ist bei Still auch in puncto Batterien Passgenauigkeit entscheidend, sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus ökologischen Gründen. Indem Überdimensionierungen gezielt vermieden und somit Kosten und wertvolle Ressourcen zugleich gespart werden, trägt ein differenziertes Batterieportfolio in hohem Maße zu einer grünen Logistik bei. Unsere Portfolioerweiterung im Bereich innovativer Lithium-Ionen-Batterien spielt hierbei eine zentrale Rolle: Wir haben jüngst eine eigene Still-Lithium-Ionen-Batterie in den Markt eingeführt und unser bestehendes Portfolio „Plus“ um eine Lithium-Ionen-Batterie „Standard“ erweitert. Dies basiert auf der Beobachtung, dass viele Unternehmen nicht das volle Potenzial unserer Lithium-Ionen-Batterie „Plus“ ausschöpfen beziehungsweise benötigen, um ihre intralogistischen Herausforderungen effizient zu meistern. Eine „kleinere“ Batterie passt viel besser zu ihren Anforderungen und ist damit für viele Kunden eine wirtschaftlich attraktive Alternative. Damit machen wir die Lithium-Ionen-Technologie mit all ihren Vorteilen auch jenen Kunden zugänglich, die noch Blei-Säure-Batterien nutzen, da sich ein Wechsel zu Lithium-Ionen aufgrund der geringen Einsatzstunden ihrer Flurförderzeuge bislang wirtschaftlich nicht rentiert hat. Diese „Standard“-Batterien werden ab Herbst dieses Jahres in Hamburg gefertigt – also in direkter Nachbarschaft zu unserer Staplerproduktion. Auch das ist Aspekt ressourcenschonender, nachhaltiger Logistik.

mfl: Wie schätzen Sie das Einsparpotenzial bei der Überdimensionierung von Staplerbatterien ein?

Heydenreich: Die richtige Dimensionierung fängt mit einer sauberen und individuellen Prozessanalyse an – damit, genau zu analysieren, was der Kunde braucht, wie seine Ziele, aber auch seine Rahmenbedingungen sind. In wie vielen Schichten wird gearbeitet, wie viel Standzeiten gibt es, in denen Zwischenladungen möglich sind, wie hoch sind die jährlichen Betriebsstunden und dergleichen mehr. Im Rahmen unseres Beratungsangebots erarbeiten wir dann gemeinsam mit dem Kunden ein passgenaues Energiekonzept, in dem Überdimensionierungen von vornherein ausgeschlossen werden. Manchmal reichen schon kleinste Veränderungen im Prozess, damit Kunden mit einer kleineren Batteriekapazität auskommen können.

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