Aus materialfluss 5/2020

Doppeltief stapeln mit Sensorunterstützung

Mit hydraulischen Teleskopgabeln lassen sich palettiertes Ladegut doppeltief auf die gegenüberliegende Seite eines Lkw, Waggons oder im Regal durchstapeln. Zeitraubendes Rangieren entfällt.

Teleskopgabeln von Kaup mit Tiefenabfrage arbeiten mit einem Wegmess System des Sensorspezialisten Balluff. © Balluff

Lkw oder Eisenbahnwagen müssen nur auf einer Seite geöffnet werden. Dies bewirkt schnellere Verlademöglichkeiten und eine höhere Ladegeschwindigkeit, die ­Sicherheit wird erhöht und Transportschäden werden effizient minimiert. Wer jedoch schon einmal einen ­Gabelstapler mit Teleskopgabel gefahren hat, kennt die Herausforderung beim Handling unterschiedlicher Güter. Besonders schwierig wird es in großen Höhen oder wenn die Sicht auf die Last eingeschränkt ist. Mit den neuen Teleskopgabeln der Baureihe T180CT mit Tiefenabfrage des Aschaffenburger Unternehmens Kaup soll die Hand­habung nun effektiver und komfortabler werden. Ein Sensor im Anbaugerät überwacht ständig die aktuelle Gabellänge und dies selbst bei eingeschränkter Sicht. Gerald Schmitt, Marketing Manager bei Kaup: „Der Staplerfahrer ist jetzt in einer komfortablen Position: denn er bekommt auf einem farbigen Touch-Display im Cockpit die aktuelle Gabellänge auf den Millimeter genau und vieles mehr angezeigt und kann so mit dem Stapler optimal navigieren.“

Reges Innenleben
Die Teleskopgabel wiegt kaum mehr als eine Serien­gabel. Ausgestattet mit einem hydraulischen Zwangsgleichlauf lassen sich die Gabelschuhe stufenlos aus- und einfahren. Mit Öl versorgt wird die Anbaueinheit von der Staplerhydraulik über eine zusätzliche Hydraulikfunktion am Flurförderfahrzeug. Leicht zugäng­liche Hydraulikanschlüsse am Gabel­rücken vereinfachen die Montage und Demontage der Teleskopgabeln. Wie funktioniert nun diese Tiefenabfrage? In jeder der zwei Gabeln bewegen sich zwei Vierkantrohre gegeneinander. Der Positions-sensor erfasst kontinuierlich die Relativpositionen der beiden Vierkantrohre zueinander und meldet sie an das Display. Die besondere Herausforderung: der seitliche Versatz und das Spiel der beiden Rohre. Präzise Messergebnisse unter diesen schwierigen Bedingungen zu produzieren ist eine besondere Herausforderung und erfordert eine angepasste Lösung. Zum Einsatz kommt das inkrementelle, magnetcodierte Wegmess-system BMLS2C des Sensorspezialisten und Anbieters von ­Automatisierungslösungen Balluff. Es ist laut Unternehmens­angaben robust, schnell und präzise, zudem es erlaubt auch große Leseabstände und größere mechanische Toleranzen. Darüber hinaus findet das System mit Abmessungen von 10 x 25 x 35 mm auch in engen Einbauräumen wie in der Gabel seinen Platz, da die Elektronik in das Gehäuse des Sensors integriert ist.

Anzeige

Berührungslos Positionen präzise erfassen
Es besteht aus einem Sensorkopf und einem magnetisch codierten Maßkörper, einem Kunststoffband mit alternierenden ­magnetischen Nord- und Südpolen aus synthetisch gebundenem, ferritischem Material. In der Teleskopgabel von Kaup ­befindet sich der Maßkörper auf der Außenseite des inneren Vier­kantrohres, während das Gegenstück, der Sensorkopf, ­gegenüber auf der Innenseite des äußeren Vierkantrohres an­gebracht ist.

Betätigt man nun die Teleskopgabel, gleitet der Sensorkopf im Abstand von mindesten fünf mm berührungsfrei nach Anfahren der Referenzposition über den Maßkörper. Durch Zählen der magnetischen Perioden, die als digitales Rechtecksignal ausgegeben werden, lässt sich dann eine präzise Aussage über den zurückgelegten Weg in beide Richtungen treffen. Die Auflösung ist frei konfigurierbar und erstreckt sich von 10 bis 2.500 µm und dies bei einer erlaubten Verfahrgeschwindigkeit von bis zu 10 m/s, die jedoch die Praxisanforderungen der Teleskopgabel bei weitem übertreffen. Die Ergebnisse der Messung stehen verzögerungsfrei, also in Echtzeit, auf dem Touch Display zur Verfügung.

Da das Messsystem magnetisch arbeitet, ist es relativ unem­pfindlich gegenüber Verschmutzungen, zum Beispiel durch Öl oder Staub und somit auch für den Einsatz in rauer, staubiger Industrieumgebung geeignet. „Selbst wenn sich im Langzeit­betrieb einiges an Schmutz abgesetzt hat, sind keine Fehlmessungen festzustellen. Die Gabeln laufen ohne Beanstandungen. So das Feedback unserer Kunden“, erzählt Schmitt zufrieden.

Teleskopieren mit Durchblick
Der Fahrer des Staplers hat die Wahl zwischen zwei Betriebsarten. Im ersten Modus sieht er die Messergebnisse – also die Gabellänge – auf einem farbigen Touch-Display in Millimeter angezeigt. Im zweiten Modus kann er drei Gabellängen frei vorprogrammieren, zum Beispiel 1400, 1600 oder 1800 mm und per Touch anwählen. Dabei passt sich während des Teleskopierens die Anzeige der Gabellänge farblich an die vorgewählte Länge an. Zwei blinkende Pfeile visualisieren die Richtung an, in die teleskopiert werden muss. Ist die Soll-Gabellänge erreicht, dann signalisiert ein Farbwechsel der Richtungspfeile von Grün auf Rot das Erreichen der Soll-Länge und beide Pfeile blinken. Der Staplerfahrer profitiert von dieser Lösung, weiß Schmitt „Gerade beim Handling von Paletten in großer Höhe oder bei schlechten Sichtverhältnissen, muss er sich nicht mehr nur allein auf seine Intuition und Erfahrung verlassen, er bekommt den Gabelstatus exakt angezeigt und kann schneller und sicherer als bislang navigieren. Auch Fehler und Pannen lassen sich so erfolgreich minimieren.“

Ein weiterer Vorteil der Balluff-Lösung kommt bei der Montage der neuen Teleskopgabeln zum Tragen. Während andere Wegmesssysteme in der Regel immer für die entsprechende Applikation bereits in der richtigen Länge bestellt werden müssen, kann das Magnetband auf Rolle gekauft und anschließend direkt vor Ort konfektioniert werden. „Unsere Monteure“, so Gerald Schmitt, „müssen es lediglich auf die richtige Länge zuschneiden auf das Vierkantrohr der Teleskopgabel aufkleben und mit einem Stahlband abdecken, um es vor Beschädigungen zu schützen. Die magnetcodierten Wegmesssysteme von Balluff bieten hier sehr viel Flexibilität und helfen darüber hinaus auch noch die Lagerhaltung zu vereinfachen.“

Berührungslos und damit verschleißfrei arbeitend verfügen die magnetcodierten Magnetband-Längenmesssysteme über ­eine laut Unternehmensangaben nahezu unbegrenzte Lebenserwartung. „Wird das System nicht mutwillig beschädigt“, so Schmitt weiter, „hält es ein Teleskopgabelleben lang.“

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Neuer Turbomotor

Hubtex optimiert Vierwegestapler-Serie

Der neu überarbeitete Vierwege-Seitenstapler DQ 45-X von Hubtex fährt emissionsarm und leise. Herzstück ist der abgas- und geräuschreduzierte Turbomotor. Dieser soll mit einer intelligenten Fahrzeugsteuerung und niedrigem Energieverbrauch überzeugen.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Staplerserie erweitert

Kompakte Stapler von Hyster

Hyster Europe ergänzt seine Staplerserie Fortens um neue, besonders manövrierfähige und platzsparende Stapler, die bis zu acht Tonnen heben können. Gleichzeitig werden die Stapler der gesamten Produktreihe H6.0–8.0FT nachträglich mit Zweifach- und...

mehr...

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem materialfluss NEWSLETTER

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite