Software & Ident

Exklusiv in Materialfluss: Grüner werden durch IT

Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) untersuchte, inwiefern intralogistische IT-Systeme zu einer „grünen Intralogistik“ beitragen. Die Abteilung Intralogistik und IT-Planung fand heraus: Der Fokus derzeitiger Maßnahmen liegt auf der Energieeffizienz logistischer Anlagen, doch es gibt noch weitere Potenziale.

Foto: Fotolia
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Grüne Logistik“ ist als Schlagwort mittlerweile in der Branche in aller Munde. Durch ein steigendes ökologisches Bewusstsein in der Bevölkerung und Politik steigt seine Bedeutung weiter an. Logistische Aktivitäten haben direkten Einfluss auf die Umwelt – sie verbrauchen Flächen und Ressourcen, verursachen Abfälle und Lärm und setzen, unter anderem hervorgerufen durch den häufig hohen Energieverbrauch logistischer Anlagen, Emissionen in die Atmosphäre frei. Dadurch steigt der Druck auf Unternehmen der Logistikbranche, die eigenen Prozesse umweltfreundlicher zu gestalten, sowohl um gesetzliche Regelungen einzuhalten als auch um auf Dauer wettbewerbsfähig zu bleiben.

Green-IT mal zwei

Das Themenfeld Green-IT kann in die zwei Bereiche „Green in der IT“ und „Green durch die IT“ unterteilt werden. Maßnahmen im Bereich „Green in der IT“ zielen auf die energieeffiziente Nutzung der IT-Hardware ab, wie zum Beispiel die Optimierung der Rechenzentrenkühlung. Im Gegensatz dazu werden unter dem Begriff „Green durch die IT“ umweltrelevante Auswirkungen in anderen Bereichen, die durch IT-Unterstützung ermöglicht werden, zusammengefasst.
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Intralogistik gehört ins Rampenlicht

Neben dem im Rahmen der „grünen Logistik“ häufig fokussierten Güterverkehr steht die Intralogistik nicht selten außerhalb des Scheinwerferlichtes. Dabei können auch hier maßgeblich umweltrelevante Einsparungen erzielt werden. Diesbezüglich wurden in den letzten Jahren bereits verschiedenste Handlungsempfehlungen und Maßnahmen entwickelt. Diese sind jedoch zum größten Teil rein technischer Natur, wie beispielsweise der Einsatz energieeffizienter Antriebstechnologien oder die Nutzung alternativer Energiequellen. Doch können nicht auch die intralogistischen IT-Systeme, welche die Steuerung und Überwachung zahlreicher Bereiche eines Lagers übernehmen, ebenfalls zur Umsetzung einer „grünen Intralogistik“ genutzt werden? Ist es immer notwendig in die physische Komponentenebene einzugreifen oder kann auch durch Anpassungen der IT eine Verbesserung der eigenen Umweltleistung erreicht werden? Diese Fragen hat sich die Abteilung Intralogistik und IT-Planung des Fraunhofer IML in Dortmund gestellt und untersucht, welche Forschungsansätze und industrietauglichen Maßnahmen bereits existieren und in welchen Bereichen noch Entwicklungspotenziale bestehen.

Geringfügige Anpassungen können ausreichen

Abbildung 1 zeigt die vom IML identifizierten Maßnahmen, unterteilt nach Methoden, die „technisch und IT-basiert“ und solchen, die „rein IT-basiert“ umgesetzt werden können. Weiterhin wurde nach typischen Materialflusskomponenten eines Lagers klassifiziert.

Klassifizierung
Abb. 1: Klassifizierung der vom IML betrachteten Maßnahmen - Abbildung: Fraunhofer IML

Einige der rein IT-basierten Maßnahmen, wie beispielsweise eine Transportoptimierung, Doppelspiele oder eine zeitbasierte ABC-Zonung, werden schon seit vielen Jahren in der industriellen Praxis eingesetzt. Obwohl diese Methoden positive Nebeneffekte auf die Umwelt haben, ist die Zielsetzung bei deren Einsatz zumeist eine ökonomische Optimierung. Teilweise können jedoch geringfügige Anpassungen ausreichen, um mit diesen Maßnahmen auch gezielt zu einer „grünen Intralogistik“ beizutragen. So könnten bei der IT-basierten Transportoptimierung beispielsweise die Kriterien zur Zuordnung von Transportaufträgen zu bestimmten Fahrzeugen um ökologische Aspekte, wie den Energieverbrauch des jeweiligen Transportvorgangs, ergänzt werden. Weiteres Potenzial bietet Software zur Optimierung von Stapel- und Beladeschemata. Hier könnte neben der Generierung volumenoptimaler Stapelmuster auch eine Minimierung der Lärmentstehung beim Transport als Optimierungsziel definiert werden.

„Grüne Logistik ist als Schlagwort mittlerweile in der Branche in aller Munde.“

Christoph Pott

Andere Maßnahmen wurden explizit unter ökologischen Gesichtspunkten entwickelt. Hierzu zählt beispielsweise die energiebasierte ABC-Zonung. Dabei werden den Lagerfächern Energiebedarfe für eine Ein- bzw. Auslagerung zugeordnet und die im IT-System hinterlegte Lagerstrategie so angepasst, dass Schnelldreher auf möglichst energieeffizient zu erreichenden Lagerplätzen bereitgestellt werden.

Bewusstsein beim Staplerfahrer erhöhen

Ein möglicher Ansatz zur Förderung einer umweltschonenden Fahrweise bei manuell bedienten Flurförderzeugen ist die visuelle Darstellung des aktuellen Energie- bzw. Kraftstoffverbrauchs auf einem Monitor im Förderzeug. Diese aus Kostengründen bislang nicht umgesetzte Vision kann das Bewusstsein des Fahrers für seinen persönlichen Beitrag zu einer „grünen Intralogistik“ erhöhen und somit die Motivation für eine Veränderung der Fahrweise steigern. Zudem könnten dem individuellen Fahrverhalten angepasste Fahrertrainings angeboten werden.

Über das Angebot

Die Abteilung Intralogistik und -IT Planung des Fraunhofer IML in Dortmund bietet Beratungsleistungen in den Bereichen Lager- und Materialflussplanung, Lean Warehousing, Industrie 4.0 sowie Auswahl und Inbetriebnahme intralogistischer IT-Systeme an. Neben der Beratung von Industrie- und Handelsunternehmen werden in Forschungsprojekten neue Szenarien, Methoden und Werkzeuge für eine zukunftsorientierte Logistik entwickelt.

Diese und ähnliche Methoden stellen Ansätze dar, die die Potenziale der Nutzung von IT-Systemen zur Umsetzung einer „grünen Intralogistik“ aufzeigen. Die umfangreichen Recherchen in diesem Bereich ergaben jedoch, dass die Themen „grüne Logistik“ und „intralogistische IT-Systeme“ bislang nur selten verknüpft werden. Geht es um Prozessoptimierungen durch IT, stehen in erster Linie noch ökonomische Zielsetzungen im Vordergrund. Sicherlich muss die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens gesichert sein. Dennoch sollte sich in Unternehmen zukünftig auch die Frage gestellt werden, inwieweit die Bereitschaft besteht, in einzelnen Bereichen ökologische Zielsetzungen den ökonomischen voranzustellen. Kann zum Beispiel zu Gunsten einer energieeffizienten Lagerstrategie auf das Erreichen der maximalen Durchsatzleistung eines Lagersystems verzichtet werden? Für die Forschung und Entwicklung hingegen gilt es Maßnahmen zu entwerfen, die beide Zielsetzungen miteinander vereinen, sodass sich im besten Fall die obige Frage gar nicht stellt.

Aufgabe für die Zukunft: Umweltbelastung durch IT verringern

Auffällig ist, dass ein Großteil der bereits entwickelten und marktreifen Maßnahmen auf die Energie-effizienz abzielt, was sicherlich auf die gleichzeitigen Kosteneinsparungen zurückzuführen ist. Die Entwicklung von Möglichkeiten auch die anderen Umweltbelastungen IT-basiert zu verringern, stellt eine weitere Aufgabe für die Zukunft dar. Auch im Bereich der Gebäudetechnik sind Kopplungen mit den intralogistischen IT-Systemen denkbar. „Grüner werden durch IT“ ist in der Intralogistik also durchaus möglich und bietet weiteres Potenzial für die Zukunft.

Dipl.-Logist. Christoph Pott, B. Sc. Hannah Knoblauch

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