Verursacherprinzip

Martin Schrüfer,

Wie man Staukosten verteilt

Vorgestellt: Das Stauzuschlagsverfahren von Traveco Transporte und Wanko Informationslogistik soll für eine fairere Verteilung von Staukosten sorgen.

© Wanko

Blicken wir nach Deutschland und die Schweiz: Die Corona-Krise hat auch massive Auswirkungen auf den Lastkraftverkehr. Die Zahl der Staus sank in Deutschland um ca. 30 Prozent, die Zeit, die Autofahrer im Stau stehen, um 52 Prozent.

Gerade im Güterverkehr sollte die aufziehende Gewitterfront bereits erkannt sein. Was ist eigentlich, wenn wieder alles „normal“ ist? Sicher ist: Nachfrage, Konsum und Verkehr werden wieder exponentiell steigen. Ebenso die launige Kundschaft, die lange wartet, weil es sich mal wieder staut. Kleine Erinnerung: Allein in Deutschland verbrachten Verkehrsteilnehmer 2019 mehr als 520.000 (!) Stunden im Stau, die ca. 1,4 Millionen Staukilometer entsprechen dabei ca. 35 Erdumrunden.

Fast proportional verhält sich die Faktenlage in der Schweiz. Für die finanz- und fairnessaffinen Schweizer ist daher auch eine gerechte Verteilung der Staukosten ein Thema. Schon früh erkannten die Schweizer Transporteure den hohen Risikofaktor, der hinter dem ganzen Zahlenwerk steht: Je länger ein Lkw im Stau der Ballungszentren steht, desto geringer wird auch dessen Produktivität. Dies kann für Spediteure schnell in einer Kostenfalle enden, denn trotz hoher Anzahl an Aufträgen wird die Anzahl der Zustellungen und somit gegebenenfalls auch die Auslastung der Lkw problematisch. Und die Fixkosten für den Fuhrpark bleiben unverändert.

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In Zürich gibt es Herausforderungen

Ausgangspunkt der Überlegungen von Traveco Transporte war dabei der verkehrstechnische Hotspot um Zürich. Gesegnet mit enormen Stauaufkommen und hohen Wartezeiten. Dennoch fordern die Schweizer Kunden auch eine hohe Termintreue. Eine Unzahl von fixierten Lieferterminen sind in „Just-in-time-Zeiten“ eine besondere Herausforderung. Inflationsähnlich stiegen hier die Kosten, der Produktpreis „Lieferung“ blieb konstant.

In einem ersten Schritt erhoben Schweizer Transportunternehmen einen pauschalen Zuschlag. Dies sorgte in der Folge bei vielen Kunden für Unmut, denn die individuelle Liefersituation wurde nicht berücksichtigt. Einfach und schnell zu erreichende Ziele wurden so gleichermaßen getroffen, wie Ziele mit hohem „Stop-and-go-Faktor“. Die Kunden fühlten sich, nachvollziehbarerweise, unfair behandelt.

Wie wär’s mit dem Verursacherprinzip?

Die Geschäftsführung von Traveco Transporte ging von Anfang an einen anderen Weg und setzte auf einen Stauzuschlag nach dem Verursacherprinzip. Mit dieser Idee steuerte Traveco ihren langjährigen Softwarepartner, die Wanko Informationslogistik, aus Bayern an. Gemeinsam wurde ein entsprechendes Projektteam gebildet, das die Anforderungen der Beteiligten analysierte, gewichtete und schließlich auch technisch spezifizierte.

Die Nationalstraßen in der Schweiz wurden in Abschnitte definiert und wiederum mit verschiedenen Parametern, wie dem Stauaufkommen, belegt. Die Definition der Abschnitte basierte auf Vergangenheitsdaten und der praktischen Einschätzung der Fahrer und Disponenten. Gerade, weil auch die jahrzehntelange Erfahrung berücksichtigt wurde, gelang eine transparente und praxistaugliche Modellierung.

Für jede Sendung wird kontinuierlich im Kontext mit der Tour ermittelt, wie hoch der Anteil an aufschlagbewährten Straßenanteilen ist. Da sich die Straßenverhältnisse auf einzelnen Streckenanteilen auch ändern können (beispielsweise wenn eine Baustelle wieder geschlossen wird), wird mit einem dynamischen Verfahren gearbeitet, das genau diese Faktoren ebenfalls berücksichtigt.

Monitoring für Transparenz

Für die finale Abrechnung am Monatsende ergeben sich für alle Sendungen der Kunden nun faire, nachvollziehbare und transparente Kosten. Um ein entsprechendes Controlling zu gewährleisten, werden die definierten Stauzonen in Zusammenarbeit mit der Viasuisse (Schweizer Kompetenzzentrale für Verkehrs-informationen) immer wieder monitort und beurteilt. Auch hier geht Traveco einen Schritt voraus und ist der First Mover in der Schweiz. Die komplette Datenpflege erfolgt in einem neu entwickelten Bereich der Wanko-Software-Suite und machte es in der Disposition somit einfach, Veränderungen zu erfassen und schnittstellenfrei zu bearbeiten.

Der Artikel erschien auch in materialfluss 8-9/21.

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