Green Logistics
Shuttlelager mit Energierückspeisung
54.000 Stellplätze für Bergsportbekleidung und -ausrüstung in sieben Gassen: Mit seinem 2022 in Betrieb genommenen Hochregallager und der nachgelagerten Logistik beliefert die Firma Bergzeit ihre Kunden seither noch schneller und nachhaltiger. Das neue Shuttlelager ist mit rückspeisefähiger Antriebstechnik von SEW-Eurodrive ausgestattet.
Die Firma Bergzeit bietet ihren Kunden ein breites Produktspektrum für den Bergsport an. Das Unternehmen hat seinen Sitz im oberbayerischen Otterfing bei München. Der Bergsportausrüster wurde 1999 als klassisches Start-up mit einem Dachbodengeschäft gegründet. Anfangs stellte der Gründer Klaus Lehner Toureninformationen im Internet bereit und kam über das Tourenportal mit vielen Menschen in Kontakt. Daraus ergaben sich immer mehr Anfragen für Ausrüstungsgegenstände. Mit Fahrradcomputern war der Grundstein gelegt für den Vertrieb im Internet. 2001 ging der Onlineshop „Bergzeit“ live. 2003 und 2010 wurden Filialen in Großhartpenning bei Holzkirchen und in Gmund am Tegernsee eröffnet. 2017 wurde in Otterfing bei Holzkirchen der Neubau der Bergzeit-Zentrale mit Logistik und Verwaltungsgebäude eröffnet. Weil die Kapazitätsgrenze bald erreicht war, beschloss die Geschäftsleitung 2020 den Neubau eines automatisierten Shuttlelagers.
Nach Fertigstellung des Anbaus ließ Bergzeit die Regalanlage durch einen Dienstleister errichten. Im Anschluss baute PSB intralogistics die Shuttles ein. „Neben einer effizienten Logistikabwicklung sollte das Shuttlelager energetisch nachhaltig sein“, berichtet Holger Cecco-Stark, Head of Facility und ECO-Management bei Bergzeit. Eine Anforderung war deshalb, die Bremsenergie der Lifte ins Netz zurückzuspeisen.
An dieser Stelle kamen Antriebe mit Rückspeiseeinheiten von SEW-Eurodrive ins Spiel. Weil das neue Hochregallager eine energieintensive Anlage ist, wurde ein zudem neuer Transformator installiert. Im Jahr 2022 wurde das automatisierte Lager fertiggestellt. Es umfasst 54.000 Lagerplätze in sieben identischen Gassen. In diesen sind jeweils acht Shuttles unterwegs, die in den Ebenen frei versetzbar sind. „In den Gassen arbeiten wir mit dreifach tiefer Lagerung“, erklärt Cecco-Stark. „Wo das Shuttle anhält, kann es also sechs Lagerplätze bedienen“.
Heber mit starker Beschleunigung
In diesem Hochregallager sind jeweils zwei Heber an der Frontseite und zwei Heber in der Mitte einer Gasse installiert. Diese Shuttle-Aufzüge werden durch Synchron-Servomotoren CMP112 M mit Kegelradgetrieben KA77B von SEW-Eurodrive bewegt. Mit 7 m/s2 beschleunigen die Getriebemotoren die Lifte auf eine Maximalgeschwindigkeit von 5 m/s. Weil die vier 32-A-Module des Frequenzumrichters zu einer Gruppe am Zwischenkreis zusammengefasst sind, können sie über diese Verbindung untereinander Energie auszutauschen. Ein Lagerverwaltungsrechner koordiniert die Fahrbewegungen der Shuttles und Heber und verhindert Kollisionen. Wenn sich zum Beispiel ein Heber oben befindet, kann er nur dann herunterfahren, wenn der andere Heber auf einer tieferen Position steht. Beim Abbremsen beziehungsweiseAbsenken der Heber wird die kinetische Energie wieder in elektrische umgewandelt.
Auf Wunsch des Kunden wurden sinusförmige Rückspeisemodule eingesetzt. Klaus Kröner, Applikationsingenieur für Rückspeisegeräte bei SEW-Eurodrive, betreute die Firma PSB schon bei den ersten Feldtests dieser Geräte. Der Anlagenbauer aus Pirmasens, ein langjähriger Partner von SEW-Eurodrive, setzte diese Rückspeisungen als einer der ersten Anwender ein. Gemeinsam mit einem Steuerungstechniker von PSB hat der Service von SEW-Eurodrive bei den sinusförmigen Rückspeiseeinheiten die Ansteuerung optimiert und Energiezähler ausgeführt. Über diese digitale Schnittstelle wird der aktuelle motorische beziehungsweiseAbsenken generatorische Energiefluss gemessen. Die Rückspeisungen sind mit IGBTs bestückt, die mit 12 kHz takten. Eine Filterdrossel als Tiefpass verhindert, dass die 12-kHz-Taktfrequenz ins Netz gelangt. Wenn kein Fahrauftrag für die Lifte anliegt, wird nach einer Minute die Rückspeisung gesperrt, um Stillstandsverluste zu vermeiden. Die sinusförmige Netzrückspeisung Movidrive MDR90B ist für 50 kW Ein- und Rückspeiseleistung mit 2,5-facher Peakleistung ausgelegt. Ebenso wie die Frequenzumrichter der Baureihe Movidrive modular ist sie Bestandteil des Automatisierungsbaukastens Movi-C.
Nachhaltige Energieversorgung
Bergzeit legt großen Wert auf den umweltschonenden Einsatz von Ressourcen. Im Rahmen der strategischen Ausrichtung hat das Unternehmen ein Energiekonzept entwickelt, das in nahezu allen Unternehmensbereichen etabliert ist und weiter ausgebaut wird. Seit 2020 lässt sich das Unternehmen nach dem europäischen Umweltmanagementsystem EMAS validieren. Das „Eco-Management and Audit Scheme“ stellt sicher, dass alle Umweltaspekte von Energieeinsatz bis hin zu Abfall und Emissionen rechtssicher und transparent umgesetzt werden.
Für die Stromversorgung installierte Bergzeit eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Um zukunftssicher zu sein, wählte das Unternehmen die maximal mögliche Auslegung. „Heute produzieren wir circa 550.000 Kilowattstunden pro Jahr“, erklärt Holger
Cecco-Stark. „Bis 2030 wollen wir hier am Standort komplett auf fossile Energien verzichten.“ Auch bei der Dienstwagenflotte handelt das Unternehmen nachhaltig
Sauberer Strom zu günstigem Preis
Die Photovoltaik-Anlage produziert jährlich bis zu 550.000 kWh Strom und ist nach Herkunftsnachweisregister (HKNR) zertifiziert. Damit darf das Unternehmen Bergzeit selbst Ökostrom erzeugen und verkaufen. Nach Versorgung des Bedarfs am Standort Otterfing – zum Beispiel der 20 betriebseigenen Ladestationen – speist das Unternehmen den übrigen Ertrag, das sind rund 40 Prozent, ins Stromnetz ein.











